Quercetin und Luteolin wirken mastzellstabilisierend
Ja, sowohl Quercetin als auch Luteolin besitzen mastzellstabilisierende Eigenschaften, wobei Luteolin deutlich potenter als das etablierte Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure (Cromolyn) ist. 1
Evidenz für Luteolin
Luteolin zeigt eine überlegene mastzellstabilisierende Wirkung im direkten Vergleich:
Luteolin ist signifikant potenter als Cromolyn bei der Hemmung der Freisetzung von Histamin, Tryptase, Metalloproteinase-9 und VEGF aus kultivierten humanen Mastzellen (bei äquimolarer Konzentration von 100 µM). 1
Luteolin hemmt zusätzlich die Zytokinfreisetzung (IL-1β, IL-6, IL-8, TNF), während Cromolyn keine Wirkung auf diese Mediatoren zeigt. 1
Die Wirkung erfolgt über Hemmung der Calcium-Signalwege und Reduktion der PLCγ-Phosphorylierung, sowohl bei FcεRI- als auch bei MRGPRX2-vermittelter Mastzellaktivierung. 2
Luteolin hemmt beide Aktivierungswege der Mastzellen: den IgE-abhängigen (FcεRI) und den IgE-unabhängigen (MRGPRX2) Mechanismus. 2
Evidenz für Quercetin
Quercetin zeigt ebenfalls mastzellstabilisierende Eigenschaften:
Quercetin hemmt dosisabhängig die Freisetzung von Tryptase und MCP-1 aus humanen Mastzellen nach Stimulation mit Anti-IgE und Calcium-Ionophor A23187. 3
Die Wirkung erfolgt auf Transkriptionsebene: Quercetin hemmt die mRNA-Transkription der Histidindecarboxylase (das geschwindigkeitsbestimmende Enzym der Histaminsynthese) und von MCP-1. 3
Quercetin wirkt sowohl bei physiologischer (Anti-IgE) als auch nicht-physiologischer Aktivierung der Mastzellen. 3
Klinische Einordnung
Vergleich mit etablierten Therapien
Die aktuellen Leitlinien empfehlen für Mastzellerkrankungen:
Cromolyn-Natrium als etablierter Mastzellstabilisator bei systemischer Mastozytose für kutane, gastrointestinale und neurologische Symptome. 4
H1- und H2-Antihistaminika als Erstlinientherapie bei Mastzellaktivierungssymptomen. 4
Bei refraktären Symptomen: Leukotrienrezeptor-Antagonisten, Kortikosteroide oder Aspirin (mit Vorsicht wegen möglicher Mastzellaktivierung). 4
Wichtige Einschränkungen
Quercetin und Luteolin sind nicht in klinischen Leitlinien als Standardtherapie etabliert, obwohl die In-vitro- und tierexperimentelle Evidenz vielversprechend ist. 1, 3, 2
Die FDA-Zulassung für Quercetin beschränkt sich auf homöopathische Präparate zur "Beruhigung der Immunsystemreaktivität" bei Heuschnupfen, ohne Anerkennung als evidenzbasierte Medizin. 5
Orale Bioverfügbarkeit ist limitiert: Luteolin in liposomaler Form könnte die Absorption verbessern und eine nützliche Alternative zu Cromolyn darstellen. 1
Es fehlen kontrollierte klinische Studien am Menschen zur Dosierung, Langzeitsicherheit und klinischen Wirksamkeit bei Mastzellerkrankungen.
Praktische Überlegungen
Wenn Sie diese Substanzen in Betracht ziehen:
Luteolin erscheint potenter als Quercetin basierend auf der direkten Vergleichsstudie mit Cromolyn. 1
Die Substanzen könnten theoretisch ergänzend zu etablierten Therapien (H1/H2-Blocker, Cromolyn) eingesetzt werden, jedoch ohne Leitlinienempfehlung. 4, 1
Cave: Bei systemischer Mastozytose oder schweren Mastzellaktivierungssyndromen sollten Sie sich an etablierte Therapieprotokolle halten und Patienten an spezialisierte Zentren überweisen. 4
Alle Patienten mit Mastzellerkrankungen müssen zwei Adrenalin-Autoinjektoren tragen wegen Anaphylaxierisiko. 4, 6