QT-Zeit-Verlängerung bei Ziprasidon und Melperon
Direkter Vergleich und Empfehlung
Ziprasidon verursacht eine deutlich stärkere QT-Zeit-Verlängerung (5-22 ms) als die meisten anderen Antipsychotika und sollte bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren für QT-Verlängerung vermieden werden. 1 Melperon wird in den aktuellen internationalen Leitlinien nicht spezifisch erwähnt, was auf eine begrenzte Evidenzbasis hinweist.
Ziprasidon: Spezifische Risiken
QT-Verlängerung und klinische Bedeutung
- Ziprasidon verursacht eine mittlere QTc-Verlängerung von 5-22 ms, was deutlich höher ist als bei Aripiprazol (0 ms), Olanzapin (2 ms), Risperidon (0-5 ms) und Quetiapin (6 ms) 1
- Bei akuter Überdosierung wird kontinuierliches Herzmonitoring für Dosen über 3 g empfohlen 2
- Ziprasidon blockiert den verzögerten Kalium-Gleichrichterkanal in Herzzellen, was das arrhythmogene Potenzial erhöht 3
- Die European Heart Journal Leitlinien listen Ziprasidon nicht unter den häufigen Auslösern von Torsades de Pointes, was darauf hindeutet, dass trotz QT-Verlängerung das absolute Risiko für lebensbedrohliche Arrhythmien gering bleibt 4
Hochrisikosituationen für Ziprasidon
Die folgenden Faktoren erhöhen das Risiko für QT-Verlängerung und Torsades de Pointes exponentiell 4, 1:
- Weibliches Geschlecht - Frauen haben ein signifikant höheres Risiko für medikamenteninduzierte Torsades de Pointes 4, 1
- Alter >65 Jahre - ältere Patienten sind besonders vulnerabel 1
- Baseline QTc >500 ms - absolutes Ausschlusskriterium für Ziprasidon 4, 1
- Elektrolytstörungen - insbesondere Hypokaliämie (<4,5 mEq/L) und Hypomagnesiämie 4, 1
- Bradykardie - erhöht das Risiko für frühe Nachdepolarisationen 4
- Herzinsuffizienz oder strukturelle Herzerkrankung 4
- Kongenitales Long-QT-Syndrom - absolute Kontraindikation 4, 1
- Gleichzeitige Anwendung anderer QT-verlängernder Medikamente - schafft additives bis exponentielles Risiko 4, 1
Kritische Arzneimittelinteraktionen
- Die Kombination von Ziprasidon mit Quetiapin ist kontraindiziert, da beide über CYP3A4 metabolisiert werden und ein Fall einer QTc-Verlängerung von 417 ms auf 482 ms dokumentiert wurde 5
- Vorsicht ist geboten bei allen CYP3A4-Substraten oder -Inhibitoren 5
- Die gleichzeitige Gabe mehrerer QT-verlängernder Antipsychotika sollte vermieden werden 3
Melperon: Fehlende Evidenz
Melperon wird in keiner der hochrangigen internationalen Leitlinien (ACC/AHA/ESC 2006, ACC/AHA/HRS 2017, ESC 2016) spezifisch erwähnt 4. Dies deutet darauf hin, dass entweder:
- Die Evidenz für QT-Verlängerung begrenzt ist
- Das Medikament außerhalb bestimmter Regionen wenig verwendet wird
- Das Risikoprofil als weniger bedeutsam eingestuft wird
Monitoring-Protokoll bei Ziprasidon
Vor Therapiebeginn (obligatorisch)
- Baseline-EKG zur Dokumentation des aktuellen QTc-Intervalls 4, 1
- Elektrolytbestimmung mit Korrektur von Kalium >4,5 mEq/L und Normalisierung von Magnesium 4, 1
- Medikamentenanamnese zur Identifikation anderer QT-verlängernder Substanzen 4, 1
- Familienanamnese bezüglich plötzlichem Herztod und Long-QT-Syndrom 4
Während der Therapie
- EKG-Kontrolle 7-15 Tage nach Therapiebeginn oder Dosisänderung 4
- Monatliche EKG-Kontrollen während der ersten 3 Monate 4
- Periodische Kontrollen danach, abhängig von Patientenrisikofaktoren 4
- Elektrolytmonitoring insbesondere bei Diarrhö oder Erbrechen 4
Handlungsschwellen
- QTc >500 ms oder Anstieg >60 ms vom Baseline: Sofortiges Absetzen von Ziprasidon 4, 1
- QTc 450-500 ms: Engmaschigeres Monitoring, Korrektur von Risikofaktoren, Erwägung eines Wechsels 4, 1
Sicherere Alternativen
Bei Patienten mit QT-Risikofaktoren sollte Aripiprazol bevorzugt werden (0 ms QTc-Verlängerung). 1, 6 Weitere Optionen in aufsteigender Reihenfolge des QT-Risikos:
- Aripiprazol - 0 ms, keine messbare QTc-Verlängerung 1, 6
- Brexpiprazol - keine klinisch signifikante QTc-Verlängerung 1, 6
- Olanzapin - 2 ms mittlere QTc-Verlängerung 1, 6
- Risperidon - 0-5 ms mittlere QTc-Verlängerung 1, 6
- Quetiapin - 6 ms mittlere QTc-Verlängerung 1, 6
Management von Torsades de Pointes
Falls Torsades de Pointes auftritt 4:
- Sofortiges Absetzen von Ziprasidon 4
- Intravenöses Magnesium 2 g, auch bei normalem Serum-Magnesium 4
- Kaliumsubstitution auf >4,5 mEq/L 4
- Temporäre Schrittmachertherapie bei rezidivierenden Episoden nach Elektrolytkorrektur 4
- Isoproterenol falls Schrittmacher nicht sofort verfügbar 4
Häufige Fallstricke
- Unterschätzung des Risikos bei Kombinationstherapie: Die gleichzeitige Gabe mehrerer QT-verlängernder Medikamente erhöht das Risiko exponentiell, nicht nur additiv 4, 1
- Vernachlässigung der Applikationsroute: Bei Haloperidol ist die intravenöse Gabe mit deutlich höherem QT-Risiko verbunden als oral oder intramuskulär - dieser Grundsatz könnte auch für andere Antipsychotika gelten 1
- Fehlende Elektrolytkorrektur vor Therapiebeginn: Hypokaliämie und Hypomagnesiämie verstärken die QT-Verlängerung dramatisch 4
- Monitoring allein macht Ziprasidon nicht sicher: Bei Hochrisikopatienten ist Vermeidung der einzig wirklich sichere Ansatz 1