Rhodiola bei Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)
Rhodiola wird in den aktuellen evidenzbasierten Leitlinien zur Behandlung von MCAS nicht empfohlen und sollte nicht als Therapie eingesetzt werden.
Evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen für MCAS
Die American Academy of Allergy, Asthma, and Immunology hat klare Therapierichtlinien für MCAS etabliert, die auf Mediatorblockade, Synthesehemmung und Stabilisierung der Mastzellen basieren – Rhodiola gehört nicht zu diesen evidenzbasierten Interventionen 1.
Erstlinientherapie
Die folgenden Medikamente haben nachgewiesene Wirksamkeit bei MCAS:
- H1-Antihistaminika (Fexofenadin, Cetirizin) in 2-4-facher Standarddosis für dermatologische Symptome, Flush, Pruritus, Tachykardie und abdominelle Beschwerden 2, 3
- H2-Antihistaminika (Famotidin, Ranitidin) für gastrointestinale Symptome und zur Verstärkung der kardiovaskulären Wirkung von H1-Blockern 2, 3
- Orales Cromoglicinsäure-Natrium für gastrointestinale Symptome (Blähungen, Durchfall, Krämpfe), beginnend mit 100 mg viermal täglich, Steigerung auf 200 mg viermal täglich 2, 3
Zweitlinientherapie bei unzureichendem Ansprechen
- Leukotrienmodifikatoren (Montelukast, Zafirlukast, Zileuton) in Kombination mit H1-Antihistaminika für dermatologische und respiratorische Symptome 3, 4
- Aspirin zur Reduktion von Flush und Hypotension bei erhöhten Prostaglandin-D2-Spiegeln (dokumentiert durch urinäres 11β-PGF2α), jedoch nur unter kontrollierten klinischen Bedingungen wegen Risiko der Mastzellendegranulation 2, 4
- Ketotifen als sedierendes H1-Antihistaminikum für dermatologische, gastrointestinale und neuropsychiatrische Symptome 2
Therapie bei refraktären Fällen
- Omalizumab (Anti-IgE-Therapie) hat in Fallberichten Wirksamkeit bei der Prävention anaphylaktischer Episoden bei therapieresistenten MCAS-Patienten gezeigt 2, 3
- Kurzzeitige Kortikosteroid-Stoßtherapie (0,5 mg/kg/Tag oral Prednison) mit langsamer Ausschleichung über 1-3 Monate für refraktäre Symptome 2, 3
- Tyrosinkinase-Inhibitoren (Midostaurin, Masitinib) für klonales MCAS mit schweren, therapierefraktären Symptomen 1
Warum Rhodiola nicht empfohlen wird
Die bereitgestellten Leitlinien der American Academy of Allergy, Asthma, and Immunology aus 2019 sowie die aktuellsten Praxis-Zusammenfassungen von 2025-2026 erwähnen Rhodiola nicht als Behandlungsoption für MCAS 1, 2, 3, 4. Dies ist bedeutsam, da:
- Keine klinischen Studien die Wirksamkeit von Rhodiola bei MCAS belegen
- Kein bekannter Mechanismus existiert, durch den Rhodiola Mastzellmediatoren blockiert, deren Synthese hemmt oder Mastzellen stabilisiert
- Potenzielle Risiken bestehen, da MCAS-Patienten paradoxe Reaktionen auf neue Substanzen entwickeln können 2
Wichtige Sicherheitsüberlegungen
- Neue Medikamente oder Substanzen sollten bei MCAS-Patienten nur unter kontrollierten Bedingungen mit verfügbarer Notfallausrüstung eingeführt werden 2, 3
- Patienten mit systemischer Anaphylaxie in der Anamnese müssen einen Adrenalin-Autoinjektor bei sich tragen 2, 3, 4
- Die Behandlung sollte auf dokumentierten Mediatorerhöhungen basieren: Bei erhöhtem urinärem LTE4 sind Leukotrienantagonisten indiziert, bei erhöhten Prostaglandin-Metaboliten kann Aspirin hilfreich sein 1
Therapeutischer Algorithmus
- Beginnen Sie mit H1-Antihistaminika in erhöhter Dosis (2-4-fach) 3, 4
- Fügen Sie H2-Antihistaminika hinzu bei gastrointestinalen oder kardiovaskulären Symptomen 3, 4
- Erwägen Sie Cromoglicinsäure-Natrium bei persistierenden gastrointestinalen Beschwerden 2, 3
- Ergänzen Sie Leukotrienmodifikatoren bei unzureichendem Ansprechen 3, 4
- Evaluieren Sie die Therapieantwort über 2-6 Wochen vor Eskalation 4
- Erwägen Sie Omalizumab oder Kortikosteroide bei refraktären Fällen 2, 3
Die Verwendung von Rhodiola bei MCAS hat keine wissenschaftliche Grundlage und sollte zugunsten der oben genannten evidenzbasierten Therapien vermieden werden.