Ziprasidone und Risiko für extrapyramidale Symptome (EPS)
Ziprasidone hat ein niedriges bis moderates Risiko für extrapyramidale Symptome, das deutlich geringer ist als bei hochpotenten typischen Antipsychotika wie Haloperidol, aber vergleichbar oder leicht höher als bei anderen atypischen Antipsychotika wie Olanzapine, Quetiapin und Clozapin. 1, 2
Evidenz aus klinischen Studien
Inzidenz in kontrollierten Studien
- In placebokontrollierten Kurzzeitstudien bei Schizophrenie betrug die EPS-Inzidenz unter Ziprasidone 14% versus 8% unter Placebo 2
- Die FDA-Zulassungsdaten zeigen, dass EPS (einschließlich extrapyramidales Syndrom, Hypertonie, Dystonie, Dyskinesie, Hypokinesie, Tremor, Paralyse und Zuckungen) dosisabhängig auftreten 2
- Objektive Messungen mit der Simpson-Angus Rating Scale und der Barnes Akathisia Scale zeigten generell keinen signifikanten Unterschied zwischen Ziprasidone und Placebo 2
Vergleich mit anderen Antipsychotika
- In der EUFEST-Studie bei Ersterkrankten war die Akathisie-Zunahme nach einem Monat unter Ziprasidone am höchsten (+14%), während Parkinsonismus unter Haloperidol am stärksten zunahm (+13%) 3
- Nach einem Jahr Behandlung war die Parkinsonismus-Häufigkeit unter Ziprasidone vergleichbar niedrig (3% insgesamt, mit Haloperidol am höchsten bei 9,1%) 3
- Eine Meta-Analyse bestätigt moderate extrapyramidale Symptome unter Ziprasidone, mit niedrigeren Raten als unter Haloperidol 4
Dosisabhängigkeit des EPS-Risikos
Standarddosierung (bis 160 mg/Tag)
- Bei Dosen bis 160 mg/Tag ist das EPS-Risiko relativ gering und gut beherrschbar 2, 3
- Die FDA-Daten zeigen eine dosisabhängige Beziehung für Dystonie, Hypertonie, Somnolenz und Tremor 2
Hochdosisbereich (über 160 mg/Tag)
- Ein Fallbericht dokumentiert akute dystone Reaktionen bei 240 mg/Tag, obwohl der Patient bei 160 mg/Tag über mehrere Monate keine EPS zeigte 5
- Dies unterstreicht, dass das EPS-Risiko bei Überschreitung der empfohlenen Maximaldosis deutlich ansteigt 5
Spezifische EPS-Typen unter Ziprasidone
Akathisie
- Akathisie ist die häufigste EPS-Form unter Ziprasidone, mit einer Inzidenz von 8% versus 7% unter Placebo in Schizophrenie-Studien 2
- In der EUFEST-Studie zeigte Ziprasidone die höchste Akathisie-Zunahme im ersten Behandlungsmonat 3
Dystonie
- Akute Dystonie kann auftreten, insbesondere bei jungen Männern in den ersten Behandlungstagen 1, 2
- Das Risiko steigt bei höheren Dosen deutlich an 5
Tardive Dyskinesie
- Obwohl Ziprasidone als atypisches Antipsychotikum ein niedrigeres TD-Risiko haben sollte, wurden Fälle von tardiver Dyskinesie nach 23 und 34 Monaten Monotherapie dokumentiert 6
- Patienten unter Langzeittherapie sollten regelmäßig (alle 3-6 Monate) auf tardive Dyskinesie gescreent werden 1, 6
Klinische Empfehlungen zur Risikominimierung
Dosierungsstrategie
- Beginnen Sie mit niedrigen Dosen und titrieren Sie langsam, um das EPS-Risiko zu minimieren 1
- Vermeiden Sie Dosen über 160 mg/Tag, da das EPS-Risiko unverhältnismäßig ansteigt 5
- Ziprasidone muss mit Nahrung eingenommen werden (mindestens 500 kcal) für adäquate Absorption 7
Monitoring
- Überwachen Sie regelmäßig auf frühe EPS-Zeichen: plötzliche Muskelkrämpfe, Ruhelosigkeit/Akathisie, Tremor, Rigidität, Bradykinesie 1, 7
- Führen Sie eine Baseline-Bewegungsuntersuchung durch und dokumentieren Sie diese für Vergleiche 1
- Screening auf tardive Dyskinesie alle 3-6 Monate mit standardisierter Skala 1
Management bei EPS-Auftreten
- Erste Strategie: Dosisreduktion von Ziprasidone 1
- Zweite Strategie: Wechsel zu atypischen Antipsychotika mit niedrigerem EPS-Risiko wie Olanzapin, Quetiapin oder Clozapin 1
- Anticholinergika (Benztropin 1-2 mg IM/IV) für akute dystone Reaktionen 1
- Vermeiden Sie routinemäßige prophylaktische Anticholinergika; reservieren Sie diese für Hochrisikopatienten (junge Männer, frühere dystone Reaktionen) 1
Wichtige Warnhinweise
- Ziprasidone verursacht QTc-Verlängerung (5-22 ms); vermeiden Sie es bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren, kürzlichem Myokardinfarkt oder gleichzeitiger Einnahme anderer QTc-verlängernder Medikamente 7, 8
- Das EPS-Profil ist insgesamt günstiger als bei typischen Antipsychotika, aber Akathisie kann problematisch sein und wird oft als Angst oder psychotische Agitation fehlinterpretiert 1, 3
- Bei pädiatrischen Populationen ist besondere Vorsicht geboten, da junge Männer das höchste Risiko für akute Dystonie haben 1