Antipsychotika nach Inzidenz für Parkinsonismus geordnet
Höchstes Risiko: Typische hochpotente Antipsychotika
Haloperidol und andere hochpotente typische Antipsychotika tragen das höchste Risiko für medikamenteninduzierten Parkinsonismus, mit einem um 44% erhöhten Risiko im Vergleich zu atypischen Antipsychotika. 1, 2
- Hochpotente typische Antipsychotika (z.B. Haloperidol, Fluphenazin) zeigen die stärkste Affinität zu inhibitorischen Dopamin-D2-Rezeptoren und verursachen daher deutlich mehr Parkinsonismus als niedrigpotente Substanzen 1, 3
- Patienten, die hochpotente typische Antipsychotika erhielten, hatten ein adjustiertes Hazard Ratio von 1,44 (95% CI 1,13-1,84) für die Entwicklung von Parkinsonismus im Vergleich zu atypischen Antipsychotika 2
- Das Risiko ist dosisabhängig und korreliert direkt mit der striatalen D2-Rezeptor-Besetzung 4
Mittleres Risiko: Niedrigpotente typische Antipsychotika
- Niedrigpotente typische Antipsychotika (z.B. Chlorpromazin) zeigen kein signifikant erhöhtes Risiko im Vergleich zu atypischen Antipsychotika (HR 0,75; 95% CI 0,48-1,15) 2
- Das Risiko steigt jedoch bei höheren Dosen 3
Mittleres bis niedriges Risiko: Hochdosierte atypische Antipsychotika
Atypische Antipsychotika in hohen Dosen tragen ein ähnliches Parkinsonismus-Risiko wie typische Antipsychotika. 2
Risperidon
- Risperidon zeigt ein dosisabhängiges EPS-Risiko, das höher ist als bei anderen atypischen Antipsychotika wie Olanzapin, Quetiapin und Clozapin 1
- Das EPS-Risiko steigt signifikant über 2 mg/Tag, besonders bei älteren Patienten und Demenzpatienten 1
- In Studien bei Parkinson-Patienten führte Risperidon häufig zu einer Verschlechterung der motorischen Funktion, die viele Patienten nicht tolerieren konnten 5, 6
- Bei pädiatrischen Populationen war das EPS-Profil in kontrollierten Studien vergleichbar mit Placebo, dennoch wird konservative Dosierung empfohlen 1
Olanzapin
- Olanzapin zeigt widersprüchliche Ergebnisse: Einige Patienten zeigen Verbesserung, andere schwere Verschlechterung der motorischen Funktion 7, 5
- Bei Parkinson-Patienten zeigte eine initiale Studie Wirksamkeit ohne motorische Verschlechterung, nachfolgende Berichte demonstrierten jedoch einen nachteiligen Effekt auf die motorische Funktion 5
- Olanzapin wird als niedrigeres EPS-Risiko eingestuft, aber die Mehrheit der Parkinson-Patienten erfährt eine Verschlechterung der motorischen Funktion 6
Niedrigstes Risiko: Niedrigdosierte atypische Antipsychotika
Quetiapin
- Quetiapin zeigt minimales EPS-Risiko und wird von Experten als Mittel der Wahl für medikamenteninduzierte Psychose bei Patienten mit Parkinsonismus empfohlen 7, 5
- Multiple Open-Label-Studien mit über 200 Parkinson-Patienten zeigen, dass Quetiapin gut toleriert wird und die Psychose verbessert, ohne die motorische Funktion wesentlich zu beeinträchtigen 5
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind Sedierung und orthostatische Hypotonie, aber im Gegensatz zu Clozapin kann es zu milder Verschlechterung der motorischen Funktion kommen 5
- Quetiapin erfordert keine Blutüberwachung 7
Clozapin
Clozapin weist das niedrigste EPS-Risiko aller Antipsychotika auf und kann sogar parkinsonähnliche Symptome lindern. 1
- Multiple Open-Label-Studien mit über 400 Patienten und zwei multizentrische, placebokontrollierte, doppelblinde Studien bestätigten, dass Clozapin bei niedrigen Dosen ein wirksames Antipsychotikum ist und die motorische Funktion nicht beeinträchtigt 7, 6
- Clozapin verbessert Tremor und verschlechtert andere motorische Funktionen nicht signifikant 6
- Der Nachteil ist das Risiko für Agranulozytose (ca. 1%) und Krampfanfälle (ca. 3-5%), was intensive hämatologische und neurologische Überwachung erfordert 1, 7
- Clozapin ist das einzige Antipsychotikum mit bestätigtem Nutzen ohne Verschlechterung des Parkinsonismus 6
Klinische Empfehlungen zur Risikominimierung
- Bei Erstmanifestation einer Psychose sollten niedrige Dosen verwendet werden: maximal 4-6 mg Haloperidol-Äquivalent 1
- Dosiserhöhungen sollten nur in weit auseinanderliegenden Intervallen (14-21 Tage nach initialer Titration) erfolgen, wenn die Antwort unzureichend ist 1
- Bei Auftreten von Parkinsonismus sollte die erste Strategie die Dosisreduktion des Antipsychotikums sein, die zweite Strategie der Wechsel zu einem atypischen Antipsychotikum mit niedrigerem EPS-Risiko wie Olanzapin, Quetiapin oder Clozapin 1
- Anticholinerge Medikamente sollten nicht routinemäßig zur Prävention von EPS eingesetzt werden, sondern für die Behandlung signifikanter Symptome reserviert werden, wenn Dosisreduktion und Wechselstrategien versagt haben 1