Zugelassene Antipsychotika nach Inzidenz für Parkinsonismus
Basierend auf der aktuellsten und qualitativ hochwertigsten Evidenz sollten Antipsychotika nach ihrem Risiko für medikamenteninduzierten Parkinsonismus wie folgt eingeordnet werden: niedrigpotente typische Antipsychotika haben das geringste Risiko, gefolgt von Clozapin und Quetiapin, dann die meisten atypischen Antipsychotika, und schließlich hochpotente typische Antipsychotika mit dem höchsten Risiko.
Rangfolge nach Parkinsonismus-Inzidenz (vom niedrigsten zum höchsten Risiko)
Niedrigstes Risiko
Niedrigpotente typische Antipsychotika (First-Generation Low-Potency)
- Diese Medikamentenklasse zeigt signifikant niedrigere Raten schweren Parkinsonismus (0,02%) im Vergleich zu atypischen Antipsychotika (0,07%) und hochpotenten typischen Antipsychotika (0,16%) 1
- Phenothiazine sind mit signifikant niedrigeren Raten schweren Parkinsonismus (0,02%) assoziiert als Butyrophenone (0,11%) und Thioxanthene (0,12%) 1
Clozapin
- Clozapin ist praktisch frei von extrapyramidalen Symptomen und verursacht keine Verschlechterung der motorischen Funktion 2, 3
- Multiple offene Studien und zwei doppelblinde, placebokontrollierte Studien bestätigen, dass Clozapin bei niedrigen Dosen ein wirksames Antipsychotikum ist, ohne die motorische Funktion zu beeinträchtigen 2
- Clozapin ist mit den wenigsten EPS unter allen Antipsychotika assoziiert 3
Quetiapin
- Quetiapin zeigt konsistent in multiplen offenen Studien, dass es Psychosen verbessert, ohne die motorische Funktion zu beeinträchtigen 2
- Quetiapin ist zusammen mit Clozapin mit den wenigsten EPS assoziiert 3
- Kumulative Berichte von >200 Parkinson-Patienten legen stark nahe, dass Quetiapin gut verträglich ist 4
Mittleres Risiko
Olanzapin
- Olanzapin zeigt eine mittlere QT-Verlängerung von 2 ms, was auf ein relativ niedriges kardiales Risikoprofil hinweist 5
- Studien mit Olanzapin haben widersprüchliche Ergebnisse erbracht: Einige Patienten zeigen eine Gesamtverbesserung, andere eine schwere Verschlechterung der motorischen Funktion 2
- Nachfolgende Berichte zeigten eine schädliche Wirkung auf die motorische Funktion 4
Aripiprazol
- Aripiprazol zeigt keine QT-Verlängerung (0 ms), was auf ein günstiges Nebenwirkungsprofil hindeutet 5
- Die genaue Inzidenz von Parkinsonismus ist in den vorliegenden Leitlinien nicht spezifisch dokumentiert, aber es wird als atypisches Antipsychotikum mit relativ niedrigem EPS-Risiko eingestuft 5
Ziprasidon
- Ziprasidon zeigt eine QT-Verlängerung von 5-22 ms 5
- Das Nebenwirkungsprofil bei Parkinson-Krankheit wurde noch nicht berichtet 4
Höheres Risiko
Risperidon
- Risperidon ist mit den meisten EPS unter den atypischen Antipsychotika assoziiert 3
- Risperidon zeigt eine QT-Verlängerung von 0-5 ms 5
- Studien mit Risperidon haben widersprüchliche Ergebnisse erbracht, wobei viele Patienten das Medikament aufgrund einer Verschlechterung der motorischen Funktion nicht tolerieren konnten 2, 4
- Extrapyramidale Symptome können bei 2 mg pro Tag auftreten 5
Amisulprid
- Amisulprid rangiert unter den atypischen Antipsychotika am höchsten bezüglich schweren Parkinsonismus 1
Höchstes Risiko
Hochpotente typische Antipsychotika (First-Generation High-Potency)
- Patienten, die hochpotente typische Antipsychotika erhielten, hatten ein fast 50% höheres Risiko (HR 1,44; 95% CI 1,13-1,84) für die Entwicklung von Parkinsonismus im Vergleich zu atypischen Antipsychotika 6
- Hochpotente typische Antipsychotika zeigen eine Inzidenz von 0,16% für schweren Parkinsonismus 1
- Butyrophenone (z.B. Haloperidol) sind mit einer Rate von 0,11% schweren Parkinsonismus assoziiert 1
- Haloperidol zeigt eine QT-Verlängerung von 7 ms 5
- Antizipierte extrapyramidale Symptome treten auf; bei Auftreten sollte die Dosis verringert oder auf ein anderes Medikament gewechselt werden 5
Thioridazin
- Thioridazin zeigt die höchste QT-Verlängerung von 25-30 ms und hat eine FDA-Black-Box-Warnung 5
Pimozid
- Pimozid zeigt eine QT-Verlängerung von 13 ms 5
Wichtige klinische Überlegungen
Dosisabhängigkeit
- Das Risiko für Parkinsonismus bei hochdosierten atypischen Antipsychotika ist ähnlich dem Risiko bei typischen Antipsychotika 6
- Vorsicht ist geboten bei der Verschreibung atypischer Antipsychotika in hohen Dosen 6
- Die Wahrscheinlichkeit, EPS mit einem atypischen Antipsychotikum zu entwickeln, hängt nicht nur vom spezifischen Wirkstoff ab, sondern auch von der Geschwindigkeit der Dosissteigerung, der Zieldosis und der intrinsischen Vulnerabilität des Patienten für EPS 3
Risikofaktoren
- Höheres Alter (>60 Jahre) ist mit signifikant höheren Raten schweren Parkinsonismus assoziiert 1
- Die Diagnosen schizophrene Störung oder Manie sind mit höheren Raten schweren Parkinsonismus assoziiert 1
Schweregrad
- In 22% der Fälle waren die Symptome extrem schwer und führten zu vollständiger Immobilität und/oder massiven Komplikationen wie Pneumonie und schweren Verletzungen durch Stürze 1
- Medikamenteninduzierter Parkinsonismus sollte frühzeitig diagnostiziert werden, da eine schnelle Absetzung des Antipsychotikums die Möglichkeit einer vollständigen Erholung verbessern kann 5
Behandlung
- Medikamenteninduzierter Parkinsonismus wird oft durch Hinzufügen eines anticholinergen Mittels, Hinzufügen eines dopaminergen Agonisten (z.B. Amantadin) oder Verringerung der Dosis eines typischen Antipsychotikums oder Wechsel zu einem atypischen Antipsychotikum behandelt 5
Häufige Fallstricke
- Unterschätzung des Risikos bei atypischen Antipsychotika: Kliniker sollten nicht glauben, dass EPS mit atypischen Antipsychotika nicht auftreten können, sondern müssen in der Lage sein, sowohl offensichtliche als auch subtile Manifestationen von EPS zu erkennen und zu behandeln 3
- Hochdosierung atypischer Antipsychotika: Das Risiko bei hochdosierten atypischen Antipsychotika entspricht dem von typischen Antipsychotika 6
- Polypharmazie: In 35,5% der Fälle wurde mehr als ein Medikament als verantwortlich für die Induktion schweren Parkinsonismus angesehen 1