Angstmedikation bei POTS: Empfehlung
Bei POTS mit sekundärer Angststörung sollten Sie primär nicht-medikamentöse Ansätze verfolgen, und wenn Medikamente notwendig sind, sind SSRIs (in niedriger Startdosis, langsam titriert) die sicherste Option – Benzodiazepine sollten vermieden werden, und Beta-Blocker können sowohl die Tachykardie als auch Angstsymptome bei hyperadrenerger POTS behandeln. 1
Warum diese Empfehlung?
Der POTS-Angst-Kreislauf verstehen
Angst ist bei POTS oft ein aufrechterhaltender Faktor, der einen Teufelskreis schafft: Die physiologischen POTS-Symptome (Herzrasen, Schwindel) werden als bedrohlich interpretiert, was Angst auslöst, die wiederum die sympathische Aktivierung verstärkt und POTS-Symptome verschlimmert 1
Viele POTS-Patienten erleben physiologische Angstmanifestationen ohne die emotionale Komponente zu erkennen – ein Phänomen, das als "Panik ohne Panik" oder Alexithymie beschrieben wird 1
Behandlungsalgorithmus
Erste Linie: Nicht-medikamentöse Interventionen (IMMER zuerst)
Aufklärung und kognitive Ansätze:
- Erklären Sie den physiologischen Prozess der Angst und wie dieser mit POTS-Symptomen interagiert – dies allein kann therapeutisch wirken 1
Sensorische Erdungstechniken:
- Lehren Sie sensorische Erdungstechniken, um Patienten im Moment zu halten und Dissoziation während Angstepisoden zu verhindern 1
- Spezifische Techniken umfassen Umgebungsbewusstseinsübungen, kognitive Ablenkungen und sensorisch-basierte Ablenkungsmanöver 1
Physiologische Managementstrategien:
- Atemtechniken und progressive Muskelentspannung zur Bewältigung akuter Angstsymptome 1
- Regelmäßiges kardiovaskuläres Training in liegender oder halb-liegender Position, beginnend mit kurzer Dauer und schrittweiser Steigerung – dies wird vom American College of Cardiology empfohlen 1
Zweite Linie: Pharmakologische Optionen
Beta-Blocker (bevorzugt bei hyperadrenerger POTS):
- Beta-Blocker können bei Patienten mit hyperadrenerger POTS, die prominente Angstsymptome haben, in Betracht gezogen werden 1
- Diese behandeln sowohl die übermäßige Tachykardie als auch die körperlichen Angstsymptome durch Dämpfung der sympathischen Reaktion 2
- Besonders hilfreich, wenn Angstauslöser adressiert werden, aber Symptomkontrolle während der Behandlung benötigt wird 2
SSRIs (bei schwerer Angst):
- Für Patienten mit schwerer Angst können SSRIs oder Neuromodulatoren in Betracht gezogen werden, sollten aber in niedriger Dosis begonnen und langsam titriert werden 1
- Die langsame Titration ist bei POTS-Patienten kritisch, da sie oft empfindlicher auf Medikamente reagieren
Ivabradine (alternative Option):
- Ivabradine ist sinnvoll für das laufende Management bei Patienten mit symptomatischer inappropriater Sinustachykardie, die sich mit POTS überschneiden kann 1, 3
Was Sie VERMEIDEN sollten
Benzodiazepine – mit Vorsicht:
- Obwohl Benzodiazepine in der Literatur zur Angstbehandlung keine QT-Verlängerung zeigen 4, sind sie bei POTS problematisch, weil:
- Sie Dekonditionierung fördern können
- Abhängigkeitspotenzial besteht
- Sie die zugrundeliegenden Mechanismen nicht adressieren
Kontraindizierte Medikamente bei bestimmten POTS-Situationen:
- Bei Patienten mit POTS, die auch Präexzitationssyndrome haben (selten, aber möglich), sind Verapamil, Diltiazem und Beta-Blocker bei präexzitiertem Vorhofflimmern potenziell schädlich 4
Integrierter Ansatz für optimales Management
Multisystemischer Ansatz:
- Implementieren Sie einen multisystemischen Ansatz, der sowohl POTS- als auch Angstsymptome gleichzeitig adressiert 1
- Erwägen Sie psychologische Unterstützung mit Gehirn-Darm-Verhaltenstherapien für Patienten mit komorbiden gastrointestinalen Symptomen 1
Screening und Bewertung:
- Gezielte Diskussionen und Screening für psychische Gesundheitsprobleme sind für Kliniker sinnvoll, um bei Patienten mit orthostatischen Störungen zu bewerten, wie vom American College of Cardiology empfohlen 1
Wichtige klinische Fallstricke
Unterscheidung zwischen Angst-induzierter Tachykardie und POTS:
- Es ist kritisch, angstausgelöste physiologische Sinustachykardie von inappropriater Sinustachykardie (IST) zu unterscheiden, da die Behandlung von echter angstinduzierter Sinustachykardie als IST zu Überbehandlung mit Medikamenten führt, die möglicherweise unwirksam oder schlecht verträglich sind 2, 3
Sekundäre Ursachen ausschließen:
- Vor Beginn einer POTS-spezifischen Therapie müssen sekundäre Ursachen wie Hyperthyreose, Anämie, Dehydratation und exogene Substanzen (Koffein, Alkohol, Nikotin, Sympathomimetika) ausgeschlossen werden 3
Prognose:
- Die Prognose ist exzellent, wenn die zugrundeliegende Angst angemessen behandelt wird, ohne Risiko einer tachykardieinduzierten Kardiomyopathie 2