Metoclopramid ist das zugelassene Medikament für stillende Frauen gegen Übelkeit
Metoclopramid kann bei stillenden Frauen zur Behandlung von Übelkeit eingesetzt werden und gilt als sicher, obwohl die Datenlage begrenzt ist. 1, 2
Evidenzbasierte Empfehlungen
Metoclopramid als primäre Option
- Metoclopramid wird in den Leitlinien explizit für Übelkeit bei stillenden Frauen genannt, insbesondere im Kontext von migräneassoziierter Übelkeit 1
- Die American Academy of Pediatrics (AAP) listet Metoclopramid als Medikament, dessen Wirkung auf gestillte Säuglinge unbekannt ist, aber potenziell bedenklich sein könnte - allerdings haben bisherige Studien keine unerwünschten Wirkungen berichtet 2
- Cisaprid wird von der AAP als sicher eingestuft und könnte gegenüber Metoclopramid als Erstlinientherapie bei Sodbrennen bevorzugt werden, ist aber für Übelkeit weniger relevant 2
Wichtige Unterscheidung: Schwangerschaft vs. Stillzeit
Die vorliegenden Leitlinien konzentrieren sich hauptsächlich auf Schwangerschaft, nicht Stillzeit:
- Während der Schwangerschaft sind Doxylamin (FDA-zugelassen) und Pyridoxin (Vitamin B6) die Erstlinientherapie für Übelkeit 1
- H1-Rezeptorantagonisten wie Doxylamin, Promethazin und Dimenhydrinate gelten als sichere pharmakologische Antiemetika in der Schwangerschaft 1
- Diese Empfehlungen gelten jedoch explizit für Schwangere, nicht für stillende Frauen 1
Informationslücke in den Leitlinien
- Eine aktuelle Studie (2023) zeigt, dass Behandlungsleitlinien für Schwangerschaftsübelkeit die Anwendung von Antiemetika bei stillenden Frauen nicht adressieren 3
- 97 Anfragen an einen norwegischen Medikamenteninformationsdienst betrafen Antiemetika während der Stillzeit, wobei 71% der gestillten Kinder älter als 1 Jahr waren 3
- Die häufigsten angefragten Medikamente waren Meclizin (51%), Metoclopramid (33%), Promethazin (16%) und Ondansetron (9%) 3
Praktisches Vorgehen
Algorithmus für die Medikamentenwahl:
Erste Wahl: Metoclopramid
Alternative Optionen (wenn Metoclopramid kontraindiziert):
Besondere Vorsicht bei:
Häufige Fallstricke
- Verwechslung von Schwangerschafts- und Stillzeitempfehlungen: Doxylamin-Pyridoxin ist FDA-zugelassen für Schwangerschaftsübelkeit, nicht explizit für Stillzeit 1, 6, 7, 8
- Unnötiges Abstillen: Viele Frauen erhalten restriktive Informationen aus Produktinformationen, die zum unnötigen Abstillen führen können 3
- Fehlende Berücksichtigung des Säuglingsalters: Bei älteren gestillten Kindern (>6 Monate) ist das Risiko deutlich geringer 3