Antiemetika bei stillenden Frauen
Ondansetron ist das bevorzugte Antiemetikum für stillende Frauen mit Übelkeit, da es als sicher gilt und keine Stillpause oder Abpumpen erfordert. 1, 2
Medikamentöse Erstlinienoptionen
Ondansetron (bevorzugt)
- Ondansetron wird von der Association of Anaesthetists als sichere Antiemetika-Option für stillende Frauen empfohlen und erfordert keine Wartezeit oder das Abpumpen und Verwerfen von Muttermilch 1, 2
- Die Anwendung ist bei klinischer Indikation für Übelkeit/Erbrechen ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen möglich 2
- Hohe Plasmaproteinbindung (70-75%) und kurze Halbwertszeit (3-4 Stunden) minimieren den Übergang in die Muttermilch 1
Metoclopramid (Alternative mit Vorsicht)
- Metoclopramid ist mit dem Stillen kompatibel, hat aber ein höheres Milch-Plasma-Verhältnis (0,5-4,06) im Vergleich zu anderen Optionen 1
- Die relative Säuglingsdosis beträgt 4,7-14,3%, was unter der 10%-Sicherheitsgrenze liegt 1
- Wichtiger Hinweis: Metoclopramid kann die Milchproduktion durch Erhöhung des Prolaktinspiegels steigern – stillende Frauen sollten Zugang zu einer Milchpumpe haben, falls die Milchproduktion zunimmt, bevor das Kind effektiv trinken kann 1, 3
- Maximale empfohlene Tagesdosis: 30 mg täglich (10 mg dreimal täglich) 3
Domperidon (weitere Alternative)
- Domperidon hat ein sehr günstiges Sicherheitsprofil mit niedriger relativer Säuglingsdosis (0,01-0,35%) 1
- Milch-Plasma-Verhältnis von 0,25 und hohe Plasmaproteinbindung (93%) begrenzen den Übergang in die Muttermilch 1
- Wird als mit dem Stillen kompatibel eingestuft 4
Weitere kompatible Antiemetika
Die folgenden Medikamente sind ebenfalls sicher während der Stillzeit 4:
- Granisetron – ähnlich wie Ondansetron
- Cyclizin – H1-Antihistaminikum
- Prochlorperazin – Phenothiazin-Derivat
- Dexamethason – bei schwerer Übelkeit
Wichtige klinische Überlegungen
Pharmakokinetische Prinzipien
- Medikamente mit Milch-Plasma-Verhältnis < 1 sind bevorzugt, da weniger Wirkstoff in die Muttermilch übergeht 1
- Hohe Plasmaproteinbindung reduziert die freie Wirkstoffkonzentration, die in die Milch diffundieren kann 1
- Kurze Halbwertszeiten minimieren das Akkumulationsrisiko beim Säugling 1
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Bei Säuglingen unter 6 Wochen (korrigiert für Gestationsalter) ist zusätzliche Vorsicht geboten aufgrund unreifer Leber- und Nierenfunktion 4
- Frühgeborene haben die höchste Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten 4
Praktische Anwendung
- Bei den meisten kompatiblen Medikamenten ist kein zeitlicher Abstand zum Stillen erforderlich, da der Übergang minimal ist 4
- Stillen kann unmittelbar nach der Medikamenteneinnahme ohne Wartezeit oder Abpumpen erfolgen 4
Häufige Fallstricke
- Vermeiden Sie unnötiges Abstillen aufgrund restriktiver Herstellerinformationen – viele Beipackzettel sind übermäßig vorsichtig formuliert, obwohl die Evidenz Sicherheit zeigt 5
- Die meisten Antiemetika sind mit dem Stillen vereinbar, wenn sie in empfohlenen Dosen verwendet werden 1, 4
- Informationsquellen wie LactMed bieten aktuelle, evidenzbasierte Sicherheitsinformationen 6