Ondansetron-Dosierung für stillende Frauen
Ondansetron kann in der üblichen Standarddosierung (4–8 mg intravenös oder oral) bei stillenden Frauen sicher angewendet werden, ohne dass eine Stillpause oder das Abpumpen von Milch erforderlich ist. 1, 2
Empfohlene Dosierung
- Die Standarddosis beträgt 4 mg intravenös als Einzeldosis für die perioperative Antiemese oder akute Übelkeit 3
- Orale Dosierung: 4–8 mg kann je nach klinischer Indikation verwendet werden 4
- Keine Dosisanpassung aufgrund des Stillens erforderlich – die Mutter erhält die gleiche therapeutische Dosis wie nicht-stillende Patientinnen 1, 2
Sicherheitsprofil während der Stillzeit
- Ondansetron wird von der Association of Anaesthetists als Antiemetikum der ersten Wahl für stillende Frauen empfohlen 1
- Die hohe Plasmaproteinbindung (70–75%) und kurze Eliminationshalbwertszeit (3–4 Stunden) begrenzen den Übergang in die Muttermilch erheblich 5, 1
- Eine aktuelle pharmakokinetische Modellierungsstudie mit 78 stillenden Frauen ergab eine relative Säuglingsdosis von nur 3,0% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis – deutlich unter der 10%-Sicherheitsschwelle 3
- Die berechnete tägliche Säuglingsdosis beträgt lediglich 0,005 mg/kg/Tag 3
Praktische Anwendung
- Kein Zeitintervall zwischen Medikamenteneinnahme und Stillen erforderlich – die Mutter kann unmittelbar nach der Ondansetron-Gabe stillen 1, 2
- Kein Abpumpen und Verwerfen von Milch notwendig 1, 2
- Sowohl intravenöse als auch orale Darreichungsformen sind für stillende Frauen akzeptabel 2
Vergleich mit alternativen Antiemetika
Falls Ondansetron nicht verfügbar oder kontraindiziert ist:
- Metoclopramid: 10 mg oral dreimal täglich (maximal 30 mg/Tag), kompatibel mit Stillen, aber höheres Milch-Plasma-Verhältnis (0,5–4,0) und kann die Milchproduktion durch Prolaktinanstieg erhöhen 1, 6
- Domperidon: Sehr günstiges Sicherheitsprofil mit relativer Säuglingsdosis von nur 0,01–0,35%, kann ebenfalls die Milchproduktion steigern 1
- Prochlorperazin, Cyclizin, Granisetron: Alle als kompatibel mit Stillen eingestuft 5, 1
Wichtige Einschränkungen
- Vorsicht bei mütterlicher Herzerkrankung wegen möglicher QT-Intervall-Verlängerung – dies betrifft die mütterliche Sicherheit, nicht die Säuglingsexposition 2
- Besondere Vorsicht bei Säuglingen unter 6 Wochen (korrigiertes Gestationsalter) aufgrund unreifer hepatischer und renaler Funktion 1
- Frühgeborene stellen die empfindlichste Subgruppe dar 1
Evidenzgrundlage
Die Empfehlung basiert auf der 2020 Leitlinie der Association of Anaesthetists 5, pharmakokinetischen Prinzipien 5, 1 und einer prospektiven Studie von 2022, die erstmals die tatsächliche Ondansetron-Konzentration in Muttermilch bei 78 Frauen gemessen hat 3. Obwohl keine älteren Humanstudien zum Milchtransfer existieren, rechtfertigen die günstigen pharmakokinetischen Eigenschaften und die neuesten Daten die uneingeschränkte Anwendung 5, 2, 3.