Zwangsstörungen (OCD): PowerPoint-Präsentation – Struktur und Inhalt
Folie 1–3: Grundlagen und Definition
Zwangsstörungen sind durch zeitraubende, belastende Obsessionen und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet, die erhebliche Funktionsbeeinträchtigungen verursachen. 1
- Obsessionen sind wiederkehrende, persistierende, unerwünschte Gedanken, Bilder oder Impulse, die Angst und Stress auslösen 1
- Zwangshandlungen sind repetitive Verhaltensweisen oder mentale Handlungen, die als Reaktion auf Obsessionen durchgeführt werden, um Angst zu reduzieren 1
- Die Symptome sind ego-dyston – Patienten erleben sie als aufdringlich und unerwünscht, im Gegensatz zu ego-syntonen Persönlichkeitszügen 1
- OCD betrifft 1–3% der Bevölkerung und beginnt typischerweise in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter 2
Diagramm-Vorschlag: Kreisdiagramm zur Prävalenz (1–3% der Bevölkerung) mit Vergleich zu anderen psychiatrischen Erkrankungen.
Folie 4–6: Klinische Manifestationen und Symptom-Dimensionen
Die häufigsten Symptom-Dimensionen umfassen 1:
- Kontaminationsängste mit Reinigungsritualen
- Schadensbefürchtungen mit Kontrollzwängen
- Intrusive Gedanken mit mentalen Ritualen
- Symmetrie-Obsessionen mit Ordnungs-/Zählzwängen
Wichtige klinische Fallstricke: Primärärzte übersehen OCD in 50,5% der Fälle, wobei die Fehldiagnoserate bei sexuellen Obsessionen (Homosexualität: 84,6%, Pädophilie: 70,8%) und aggressiven Obsessionen (80,0%) am höchsten ist 3. Kontaminations- und Symmetrie-Symptome werden deutlich besser erkannt (Fehldiagnoserate: 32,3% bzw. 3,7%) 3.
Schaubild-Vorschlag: Balkendiagramm der Fehldiagnoseraten nach Symptom-Typ, basierend auf der Studie von Glazier et al. (2015).
Folie 7–9: Neurobiologische Grundlagen
OCD wird durch Dysfunktionen in kortico-striato-thalamo-kortikalen (CSTC) Schaltkreisen vermittelt. 1
Die drei betroffenen Schaltkreise umfassen 4:
- Sensomotorischer CSTC-Schaltkreis: Stimulus-Response-basiertes habituelles Verhalten
- Dorsaler kognitiver CSTC-Schaltkreis: Arbeitsgedächtnis, Planung und Emotionsregulation
- Ventraler motivationaler CSTC-Schaltkreis: Stimulus-Outcome-basiertes motivationales Verhalten
Implizierte Neurotransmitter: Serotonin, Dopamin und Glutamat 5
Diagramm-Vorschlag: Anatomische Darstellung der CSTC-Schaltkreise mit Orbitofrontalcortex, Gyrus cinguli anterior und Basalganglien.
Folie 10–12: Differentialdiagnose – OCD vs. OCPD
Ein kritischer Unterschied: OCD-Patienten erleben ihre Symptome als ego-dyston und unerwünscht, während OCPD-Merkmale ego-synton und als Teil der Persönlichkeit wahrgenommen werden. 1
Wichtige Unterscheidungsmerkmale 1:
- OCD: Intrusive Obsessionen mit Angst und Zwangshandlungen zur Angstreduktion
- OCPD: Pervasive Muster von Perfektionismus, Kontrolle und Rigidität ohne echte Obsessionen
- Komorbidität: 58,8% der OCD-Patienten erfüllen auch OCPD-Kriterien 6
Klinische Relevanz: OCD mit komorbider OCPD stellt möglicherweise einen distinkten Subtyp dar, charakterisiert durch früheren, schleichenden Beginn, Symmetrie-/Ordnungs-Obsessionen und schwerere depressive Symptome 6.
Tabelle-Vorschlag: Vergleichstabelle OCD vs. OCPD mit Spalten für Symptomcharakter, Einsicht, Behandlungsansprechen.
Folie 13–15: Spezielle Subtypen – Sexual Orientation OCD (SO-OCD)
SO-OCD wird besonders häufig fehldiagnostiziert (84,6% Fehldiagnoserate bei Primärärzten). 4, 3
Charakteristika von SO-OCD 4:
- Intrusive, unerwünschte Gedanken über die eigene sexuelle Orientierung
- Erhebliche Angst und Zwangshandlungen (z.B. Rückversicherungssuche, mentale Überprüfungen)
- Spezifische Überzeugungen (nicht allgemeine OCD-Überzeugungen) sagen SO-OCD-Symptome vorher 4
- "Fear of Self" (Angst vor dem eigenen Selbst) ist ein starker Prädiktor für SO-OCD 4
Zitat aus Studie: "Spezifische Überzeugungen überwiegen den Beitrag allgemeiner Überzeugungen nur bei SO-OCD" 4
Fallvignette-Vorschlag: 28-jähriger heterosexueller Mann mit intrusiven Gedanken über Homosexualität, exzessiver Rückversicherungssuche und Vermeidung gleichgeschlechtlicher Freundschaften.
Folie 16–18: Erstlinientherapie – Kognitive Verhaltenstherapie
Kognitive Verhaltenstherapie mit Expositions- und Reaktionsverhinderung (ERP) ist die psychologische Behandlung der Wahl für alle OCD-Formen. 7
Evidenzbasierte Parameter 7, 8:
- 10–20 Sitzungen, individuell oder in Gruppen
- Kann persönlich oder internetbasiert durchgeführt werden 7
- Die Adhärenz zu ERP-Hausaufgaben zwischen den Sitzungen ist der stärkste Prädiktor für gute Outcomes 8
- Bei unzureichendem Ansprechen auf wöchentliche Sitzungen: Intensivformat (mehrere Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen) 8
Wichtiger Fallstrick: Benzodiazepine können den ERP-Fortschritt behindern, indem sie kurzfristige Angstreduktion bieten, die die für Expositionstherapie essentielle Habituation verhindert 8
Diagramm-Vorschlag: Flussdiagramm des ERP-Prozesses: Exposition → Angstanstieg → Habituation → Symptomreduktion.
Folie 19–21: Pharmakotherapie – SSRIs als Erstlinie
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind die bevorzugte pharmakologische Erstlinientherapie aufgrund überlegener Sicherheit und Verträglichkeit. 8
Kritische Dosierungsparameter 8, 5:
- Höhere Dosen sind für OCD erforderlich als für Depression oder andere Angststörungen 8
- Behandlungsdauer: Mindestens 8–12 Wochen bei maximaler tolerierter Dosis vor Beurteilung des Ansprechens 8
- Erhaltungstherapie: 12–24 Monate nach Remission aufgrund hoher Rückfallraten 8
Beispiel-Dosierungen:
Zitat aus Leitlinie: "Höhere SSRI-Dosen sind typischerweise für OCD erforderlich als für andere Angststörungen oder Depression" 8
Tabelle-Vorschlag: SSRI-Dosierungsvergleich für OCD vs. Depression mit Spalten für Medikament, OCD-Dosis, Depressions-Dosis.
Folie 22–24: Behandlungsresistente OCD – Definition und Augmentationsstrategien
Behandlungsresistenz ist definiert als unzureichendes Ansprechen nach adäquaten Versuchen mit CBT/ERP UND SSRIs bei maximaler tolerierter Dosis für mindestens 8–12 Wochen. 8
Etwa 50% der OCD-Patienten sprechen nicht vollständig auf Erstlinienbehandlungen an. 8
Evidenzbasierte Augmentationsstrategien 8:
Atypische Antipsychotika (stärkste Evidenz):
Glutamaterge Substanzen:
CBT-Augmentation:
- Das Hinzufügen von CBT zur Pharmakotherapie zeigt größere Effektstärken als Augmentation mit Antipsychotika 8
Diagramm-Vorschlag: Behandlungsalgorithmus als Flussdiagramm: SSRI-Versagen → CBT hinzufügen → Antipsychotika-Augmentation → Alternative Strategien.
Folie 25–27: Clomipramin – Zweitlinientherapie
Clomipramin ist als Zweit- oder Drittlinientherapie für behandlungsresistente OCD reserviert, nachdem mindestens ein adäquater SSRI-Versuch fehlgeschlagen ist. 8
Klinische Überlegungen 8:
- Wann einsetzen: Nach Versagen von mindestens einem SSRI bei maximaler Dosis für 8–12 Wochen
- Kontraindikationen: Kürzlicher Myokardinfarkt, aktuelle MAOI-Einnahme, Überempfindlichkeit gegen trizyklische Antidepressiva 8
- Sicherheitsprofil: SSRIs werden aufgrund besserer Verträglichkeit bevorzugt, was für langfristige Adhärenz kritisch ist 8
Wichtige Korrektur eines verbreiteten Missverständnisses: Clomipramin mag wirksamer erscheinen als SSRIs, aber dieser Befund ist irreführend, da frühere Clomipramin-Studien weniger behandlungsresistente Patienten einschlossen; direkte Vergleiche zeigen äquivalente Wirksamkeit 8
Fallvignette-Vorschlag: 35-jährige Patientin mit schwerer Kontaminations-OCD, die auf Fluoxetin 80 mg und Sertralin 200 mg nicht ansprach, profitiert von Clomipramin 250 mg/Tag.
Folie 28–30: Neuromodulation und neurochirurgische Optionen
Deep repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS) ist FDA-zugelassen für behandlungsresistente OCD. 8
Neuromodulationsoptionen 4, 8:
Deep rTMS:
Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS):
- Mehrere laufende RCTs für SSRI-resistente OCD 4
Tiefe Hirnstimulation (DBS):
Gamma-Kapsulotomie:
- Für extreme, therapierefraktäre Fälle 4
Behandlungshierarchie für refraktäre Fälle 8:
- Nach Versagen von 2–3 SRI-Versuchen (einschließlich Clomipramin)
- Nach inadäquatem Ansprechen auf Antipsychotika-Augmentation
- Vor oder parallel zu intensiver ambulanter/stationärer Behandlung
Schaubild-Vorschlag: Anatomische Darstellung der DBS-Zielstrukturen im Gehirn mit Markierung von Nucleus subthalamicus, ventralem Striatum und Habenula.
Zusätzliche Folien-Empfehlungen:
Folie 31: Häufige Behandlungsfehler
- Inadäquate Medikamententests: Zu niedrige Dosis oder zu kurze Dauer führen zu falschem "Non-Response" 8
- Vorzeitiges Wechseln: Medikamente nicht vor Woche 8–12 wechseln 8
- Benzodiazepine bei ERP: Behindern Habituation und perpetuieren Vermeidungsverhalten 8
- Fehlende CBT-Integration: CBT-Augmentation zeigt größere Effektstärken als rein pharmakologische Strategien 8
Folie 32: Prognose und Langzeitmanagement
- Selbst bei adäquater Behandlung erleben 40–60% der OCD-Patienten persistierende Symptome 8
- Erhaltungstherapie für 12–24 Monate nach Remission erforderlich 8
- Regelmäßige Reassessment zur Balance zwischen Symptomkontrolle und Nebenwirkungsmanagement 8
Folie 33: Öffentliches Bewusstsein und Stigma
- 90,9% der Öffentlichkeit erkennen OCD-Symptome als besorgniserregend 9
- Nur ein Drittel kann die Störung korrekt als OCD benennen 9
- Psychotherapie wird optimistischer eingeschätzt als Medikation 9
- Niedrigere Bildung, geringeres Einkommen und höheres Alter sind mit schlechterer OCD-Erkennung assoziiert 9