CRP-Werte bei Arteriitis temporalis
Typische CRP-Erhöhung bei Diagnosestellung
Bei neu diagnostizierter Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis) ist das C-reaktive Protein (CRP) in über 95 % der Fälle erhöht, wobei ein CRP ≥2,5 mg/dL als diagnostisch bedeutsam gilt. 1, 2
Diagnostische Leistungsfähigkeit des CRP
Sensitivität und Spezifität
- CRP zeigt eine höhere Sensitivität (86,9–100 %) als die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) für die Diagnose der Riesenzellarteriitis 3, 4
- Ein CRP >2,45 mg/dL erhöht die Wahrscheinlichkeit einer positiven Temporalarterienbiopsie um das 3,2-fache (Odds Ratio 3,2) 4
- Die Sensitivität des CRP liegt bei 90,1–100 % für biopsiegesicherte Riesenzellarteriitis 5, 4
Negative Vorhersagewerte
- Ein normales CRP (<2,5 mg/dL) macht die Diagnose unwahrscheinlich mit einem negativen Likelihood-Ratio von 0,38 1, 5
- Die Kombination von normalem CRP und normaler BSG hat einen negativen Likelihood-Ratio von 0,49 und sollte zu alternativen Diagnosen führen 5, 3
Kombination von CRP und BSG
Optimale diagnostische Strategie
- Die gleichzeitige Bestimmung von CRP und BSG bietet die höchste diagnostische Genauigkeit mit 99 % Sensitivität und 97 % Spezifität 6, 4
- Konkordant erhöhte CRP- und BSG-Werte erhöhen die Odds für eine positive Biopsie um das 3,06-fache 3
Diskordante Befunde
- In 1,7 % der biopsiegesicherten Fälle kann das CRP trotz erhöhter BSG normal sein 6
- Nur 0,8–4 % der Patienten mit gesicherter Riesenzellarteriitis haben sowohl normales CRP als auch normale BSG bei Diagnosestellung 3, 7, 6
Klinische Besonderheiten bei normalen Entzündungsmarkern
Patienten mit Riesenzellarteriitis und normalen Entzündungsmarkern zeigen häufiger:
- Polymyalgia-rheumatica-Symptomatik (statistisch signifikant häufiger, P = 0,008) 3
- Seltener konstitutionelle Symptome wie Fieber und Gewichtsverlust 3
- Seltener Anämie und Thrombozytose 3
Wichtige klinische Warnhinweise
Wann trotz normaler Marker an Riesenzellarteriitis denken
Folgende Befunde erhöhen den Verdacht auch bei normalem oder nur leicht erhöhtem CRP:
- Kieferclaudicatio (positiver Likelihood-Ratio 4,90) 1, 5
- Extremitätenclaudicatio 5
- Thrombozytenzahl >400 × 10³/μL 5
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie 5
Kritische Fehler vermeiden
- Hochdosis-Glukokortikoidtherapie (Prednison 40–60 mg täglich) muss sofort bei klinischem Verdacht begonnen werden, ohne auf Biopsie oder Laborergebnisse zu warten, da unbehandelte Riesenzellarteriitis ein 14–50 % Risiko für permanenten Sehverlust trägt 1
- Normale Entzündungsmarker schließen die Diagnose nicht aus – bei starkem klinischem Verdacht ist eine Temporalarterienbiopsie (≥1 cm Länge) oder vaskuläre Bildgebung erforderlich 1, 5
- Die Glukokortikoidbehandlung normalisiert CRP und BSG rasch, daher sollten prätherapeutische Werte dokumentiert werden 5