Zöliakie-Screening bei älteren Patienten mit chronischer Diarrhö
Ja, Zöliakie-Tests sollten bei älteren Patienten mit chronischer Diarrhö durchgeführt werden, auch ohne Red-Flag-Symptome – dies ist eine starke Empfehlung mehrerer Fachgesellschaften und obligatorischer Bestandteil der Basisdiagnostik. 1, 2
Warum Screening bei älteren Patienten wichtig ist
Die American Gastroenterological Association empfiehlt stark (starke Empfehlung, moderate Evidenzqualität) die Testung auf Zöliakie bei allen Patienten mit chronischer Diarrhö mittels IgA-Gewebetransglutaminase (tTG) plus einem zweiten Test zur Detektion von Zöliakie bei IgA-Mangel. 1
Die British Society of Gastroenterology bezeichnet die serologische Testung auf Zöliakie bei Patienten mit chronischer Diarrhö als obligatorisch ("mandatory"), da: 1
- Diarrhö bei 43-85% der neu diagnostizierten Zöliakiepatienten vorhanden ist
- Die Prävalenz von Zöliakie bei Patienten mit chronischer Diarrhö in der Sekundärversorgung 3-10% beträgt
- Die Tests kostengünstig sind und Diagnoseverzögerungen vermieden werden sollten
Besondere Relevanz im höheren Alter
Etwa 20% der neu diagnostizierten Zöliakiepatienten sind über 60 Jahre alt. 3 Ältere Patienten präsentieren sich häufig atypisch – oft nur mit Eisenmangelanämie ohne klassische gastrointestinale Symptome. 3, 4
Eine Studie mit Kapselendoskopie bei älteren Patienten (>60 Jahre) mit Eisenmangelanämie fand bei 2,5% Zöliakie, wobei 71% dieser Patienten ein normal aussehendes Duodenum hatten, aber klassische Zöliakie-Veränderungen distal zeigten. 3
Praktisches Vorgehen beim Screening
Serologische Testung
- IgA-Gewebetransglutaminase (tTG) ist der bevorzugte Test bei Personen über 2 Jahren mit Sensitivität >90% und Spezifität typischerweise etwas höher (bei Schwellenwerten von 7-15 AU/mL). 1
- Gesamt-IgA muss gleichzeitig gemessen werden, da selektiver IgA-Mangel zu falsch-negativen Ergebnissen führen kann. 1, 2
- Bei niedrigen IgA-Spiegeln oder selektivem IgA-Mangel sollte IgG-basierte Testung (IgG-tTG oder IgG-deamidierte Gliadin-Peptide) durchgeführt werden. 1, 5
Bestätigungsdiagnostik
Ein positiver serologischer Test erfordert die Bestätigung durch Duodenalbiopsie mittels oberer Endoskopie. 1 Die Diagnose sollte auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Serologie und histologischer Analyse multipler Duodenalbiopsien basieren. 1
Wichtige Fallstricke vermeiden
- Alle serologischen Tests müssen vor Beginn einer glutenfreien Diät durchgeführt werden, da die Antikörper unter glutenfreier Ernährung abfallen und falsch-negative Ergebnisse verursachen können. 1
- IgA-Mangel nicht übersehen: Immer Gesamt-IgA mitbestimmen, besonders bei Erstgradangehörigen von Zöliakiepatienten oder bei hohem klinischem Verdacht. 1, 6
- Zöliakie-Serologie nicht vergessen: Dies ist ein häufiger Fehler in der Abklärung chronischer Diarrhö, der zu verzögerter Diagnose führt. 2
- Bei Patienten ≥45 Jahren mit chronischer Diarrhö ist eine vollständige Koloskopie obligatorisch wegen der Häufigkeit kolorektaler Neoplasien, aber dies ersetzt nicht das Zöliakie-Screening. 2, 6
Klinischer Kontext
Das Screening auf Zöliakie sollte Teil eines umfassenden diagnostischen Panels sein, das auch Folgendes umfasst: 2, 6, 5
- Komplettes Blutbild, CRP, Stoffwechselpanel, Leberfunktion
- Eisenstatus, Vitamin B12, Folat
- Schilddrüsenfunktion
- Fäkales Calprotectin
- Giardia-Testung
Die Prognose ist bei rechtzeitiger Diagnose und glutenfreier Diät ausgezeichnet, während unbehandelte Zöliakie zu Osteoporose, Malabsorption und anderen Komplikationen führen kann. 4, 7