Sertralin ist bei POTS mit Bisoprolol sicher und angemessen
Bei einem POTS-Patienten unter Bisoprolol 1,25 mg zweimal täglich, der nach einem Jahr KVT nicht gebessert ist, kann Sertralin sicher begonnen werden, trotz eines kurzen, moderaten Blutdruckanstiegs nach der ersten Dosis. Der vorübergehende Blutdruckanstieg ist eine bekannte akute Wirkung von SSRIs bei POTS-Patienten und stellt keine Kontraindikation dar 1.
Evidenz für Sertralin bei POTS
Eine randomisierte Crossover-Studie mit 39 POTS-Patienten zeigte, dass Sertralin 50 mg einen moderaten pressorischen Effekt hatte: Der sitzende systolische Blutdruck stieg um 5 mmHg (106 vs. 101 mmHg, p=0,041), der diastolische um 3 mmHg (72 vs. 69 mmHg, p=0,022) und der mittlere Blutdruck um 5 mmHg (86 vs. 81 mmHg, p=0,007) nach 4 Stunden 1.
Dieser Blutdruckanstieg ist vorübergehend und klinisch nicht bedenklich – er führte weder zu gefährlichen hypertensiven Werten noch zu kardiovaskulären Komplikationen 1.
Der stehende Blutdruck und die Herzfrequenz unterschieden sich nach 4 Stunden nicht signifikant zwischen Sertralin und Placebo, was zeigt, dass die akute Wirkung abklingt 1.
Warum Sertralin trotzdem sinnvoll ist
SSRIs werden häufig bei POTS verschrieben, insbesondere wenn komorbide Angst, Depression oder funktionelle Symptome vorliegen 1, 2.
Viele POTS-Patienten berichten über Symptome, die nicht allein durch orthostatische Intoleranz erklärbar sind, einschließlich Angst, Depression, chronischer Müdigkeit und somatischer Hypervigilanz – Zustände, bei denen Sertralin wirksam ist 2.
Die Pharmakotherapie bei POTS ist multimechanistisch: Bisoprolol reduziert die Herzfrequenz, während Sertralin zentrale Symptome wie Angst und Depression behandelt 3, 4.
Sicherheitsüberlegungen
Kontraindikationen für Sertralin prüfen
Keine gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern (einschließlich Linezolid oder intravenösem Methylenblau) – mindestens 2 Wochen Abstand erforderlich 5.
Kein Pimozid (Orap®) wegen schwerer Herzrhythmusstörungen 5.
Kein Disulfiram (Antabuse®), wenn die flüssige Form von Sertralin verwendet wird 5.
Vorsicht bei bekannter bipolarer Störung – Screening auf Manie/Hypomanie vor Beginn 5.
Serotonin-Syndrom-Risiko
Bisoprolol erhöht das Risiko für ein Serotonin-Syndrom nicht, da es kein serotonerges Medikament ist 5.
Überwachen Sie dennoch auf Symptome eines Serotonin-Syndroms: Agitiertheit, Halluzinationen, Tachykardie, labiler Blutdruck, Schwitzen, Fieber, Übelkeit, Muskelsteifigkeit, Hyperreflexie 5.
Vermeiden Sie die Kombination mit anderen serotonergen Medikamenten (Triptane, Tramadol, Lithium, Johanniskraut, trizyklische Antidepressiva) ohne sorgfältige Überwachung 5.
Blutungsrisiko
Sertralin kann das Blutungsrisiko erhöhen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Warfarin, NSAIDs oder Aspirin 5.
Informieren Sie den Patienten über Anzeichen abnormaler Blutungen (Ekchymosen, Epistaxis, Petechien) 6, 5.
Praktisches Vorgehen
Dosierung
Beginnen Sie mit Sertralin 25 mg täglich (halbe Tablette von 50 mg), um die Verträglichkeit zu testen 5.
Nach 1 Woche auf 50 mg täglich erhöhen, wenn gut vertragen 5.
Therapeutische Dosis für Angst/Depression: 50–200 mg täglich 5.
Überwachung
Blutdruck und Herzfrequenz in den ersten 2 Wochen wöchentlich messen – der initiale Anstieg sollte sich normalisieren 1.
Auf Verschlechterung der POTS-Symptome achten (Schwindel, Palpitationen, Tremor) – in der Studie waren Symptome nach 4 Stunden mit Sertralin schlechter, aber dies war eine Akutdosis-Studie 1.
Suizidalität überwachen, insbesondere in den ersten Wochen bei jungen Erwachsenen 5.
Auf Hyponatriämie achten, besonders bei älteren Patienten (Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwäche) 5.
Absetzen
Niemals abrupt absetzen – Risiko eines Absetzsyndroms (Schwindel, Übelkeit, Parästhesien, Reizbarkeit, Schlafstörungen) 6, 5.
Ausschleichen über mindestens 1–2 Wochen, bei längerer Therapie über mehrere Wochen 6.
Häufige Fallstricke
Nicht wegen des transienten Blutdruckanstiegs abschrecken lassen – dieser ist selbstlimitierend und kein Grund, Sertralin zu vermeiden 1.
Bisoprolol nicht absetzen – die Kombination ist sicher und beide Medikamente haben unterschiedliche Wirkmechanismen 1, 7.
Realistische Erwartungen setzen – Sertralin verbessert primär psychische Symptome (Angst, Depression), nicht unbedingt die orthostatische Tachykardie 1, 2.
Nicht-pharmakologische Maßnahmen fortsetzen: Salzaufnahme (10–12 g/Tag), Flüssigkeitszufuhr (2–3 Liter/Tag), Kompressionsstrümpfe, körperliches Training 2, 4.