Äquivalenzdosen von Antiepileptika
Keine standardisierten Äquivalenzdosen verfügbar
Es existieren keine etablierten Äquivalenzdosen für Antiepileptika, da diese Medikamente unterschiedliche Wirkmechanismen, Pharmakokinetik und Wirksamkeitsprofile aufweisen – eine direkte Dosisumrechnung wie bei Opioiden ist nicht möglich. 1, 2
Warum Äquivalenzdosen problematisch sind
Die Antiepileptika unterscheiden sich fundamental in mehreren Aspekten:
Unterschiedliche Wirkmechanismen: Jedes Antiepileptikum hat einen einzigartigen Wirkmechanismus (Natriumkanalblockade, GABA-Verstärkung, Glutamat-Hemmung, etc.), was direkte Vergleiche unmöglich macht 1, 2
Individuelle pharmakokinetische Variabilität: Sowohl ältere als auch neuere Antiepileptika zeigen erhebliche inter- und intraindividuelle Variabilität in ihrer Pharmakokinetik 3, 4
Fehlende Konzentrations-Wirkungs-Beziehung: Für viele neuere Antiepileptika fehlt eine klar dokumentierte Korrelation zwischen Serumkonzentration und klinischer Wirkung 3
Praktisches Vorgehen beim Medikamentenwechsel
Schritt 1: Langsame Aufdosierung des neuen Medikaments
- Beginnen Sie mit der niedrigsten empfohlenen Anfangsdosis des neuen Antiepileptikums 1
- Titrieren Sie schrittweise nach oben gemäß den spezifischen Titrationsschemata für jedes Medikament 1, 2
- Beispiel Lamotrigin: Start mit 25 mg täglich für 14 Tage, dann 50 mg täglich für weitere 14 Tage, mit Steigerungen um 50 mg alle 1-2 Wochen bis zur Erhaltungsdosis von 100-300 mg/Tag 5
Schritt 2: Überlappende Therapie
- Führen Sie das neue Medikament ein, während das alte Medikament noch in therapeutischer Dosis gegeben wird 1
- Warten Sie, bis das neue Medikament eine therapeutische Wirkung zeigt (kann 2-8 Wochen dauern, je nach Medikament) 1, 2
Schritt 3: Ausschleichen des alten Medikaments
- Reduzieren Sie das alte Medikament erst, wenn das neue Medikament therapeutische Spiegel erreicht hat 1
- Schleichen Sie langsam aus (typischerweise über 4-8 Wochen), um Entzugsanfälle zu vermeiden 1
Wichtige Warnhinweise
Medikamenteninteraktionen beachten
- Valproinsäure + Lamotrigin: Valproinsäure verdoppelt die Lamotrigin-Spiegel und verlängert die Halbwertszeit – die Lamotrigin-Dosis muss um 50% reduziert werden 5
- Enzyminduktoren (Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital) können die Spiegel vieler neuerer Antiepileptika senken und erfordern höhere Erhaltungsdosen 3, 2
Spezielle Patientengruppen
- Kinder: Benötigen gewichtsbasiert höhere Dosen als Erwachsene 6
- Schwangerschaft: Erhöhte Dosen können erforderlich sein; bei Frauen mit hormoneller Kontrazeption können Lamotrigin-Spiegel um 50% sinken 5
- Niereninsuffizienz: Dosisanpassung bei renal eliminierten Antiepileptika (Gabapentin, Pregabalin, Vigabatrin, Levetiracetam, Topiramat) 3, 6
- Leberinsuffizienz: Engmaschige Überwachung bei hepatisch metabolisierten Medikamenten erforderlich 6
Häufige Fehler vermeiden
- Niemals ein Antiepileptikum abrupt absetzen – dies erhöht das Risiko für Status epilepticus dramatisch 1
- Niemals die Titration beschleunigen, um schneller therapeutische Dosen zu erreichen – dies erhöht das Risiko schwerer Nebenwirkungen (z.B. Stevens-Johnson-Syndrom bei Lamotrigin) 5
- Niemals davon ausgehen, dass "therapeutische Bereiche" für alle Patienten gelten – viele Patienten sind optimal behandelt bei Spiegeln außerhalb der vorgeschlagenen Bereiche 3, 4
Therapeutisches Drug Monitoring
- Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) ist bei neueren Antiepileptika weniger etabliert als bei älteren, kann aber nützlich sein zur Überprüfung der Compliance und bei Verdacht auf Interaktionen 3, 4
- Das Konzept der "individuellen Referenzkonzentration" ist wertvoller als starre therapeutische Bereiche – dokumentieren Sie die Serumkonzentration bei optimaler Anfallskontrolle für jeden Patienten 3, 4
- Bei Medikamenten mit ausgeprägter pharmakokinetischer Variabilität (Lamotrigin, Topiramat, Zonisamid) kann TDM besonders hilfreich sein 3, 2