Genaues Umstellschema von Levetiracetam auf Valproat
Direkter Wechsel ohne Überlappung
Bei stabilen Patienten mit gut kontrollierter Epilepsie kann ein direkter Wechsel von Levetiracetam 2×500 mg auf Valproat ohne Überlappungsphase durchgeführt werden, da beide Medikamente keine signifikanten pharmakokinetischen Interaktionen aufweisen. 1, 2
Empfohlenes Umstellschema (über 2-4 Wochen)
Woche 1:
- Levetiracetam 2×500 mg weiter einnehmen
- Valproat mit 300 mg abends beginnen (oder 2×150 mg bei besserer Verträglichkeit)
- Ziel: Gastrointestinale Nebenwirkungen minimieren 3
Woche 2:
- Levetiracetam auf 2×250 mg reduzieren
- Valproat auf 2×300 mg erhöhen
- Überwachung auf Sedierung und Tremor 3
Woche 3:
- Levetiracetam komplett absetzen
- Valproat auf 2×500 mg erhöhen (Zieldosis 1000 mg/Tag)
- Bei Bedarf weitere Dosissteigerung auf 1500-2000 mg/Tag möglich 3
Woche 4:
- Valproat-Monotherapie bei Zieldosis
- Klinische Beurteilung der Anfallskontrolle
- Valproat-Serumspiegel kontrollieren (therapeutischer Bereich 50-100 µg/ml) 3
Alternative: Schnellerer Wechsel bei Status epilepticus oder stationärer Überwachung
Bei hospitalisierten Patienten oder im Notfall kann ein schnellerer Wechsel über 7-10 Tage erfolgen, mit engmaschiger Überwachung der Anfallsfrequenz und Nebenwirkungen. 4, 5
Wichtige Überwachungsparameter
- Leberfunktion: Transaminasen vor Beginn und nach 4 Wochen kontrollieren, besonders bei Kindern unter 2 Jahren erhöhtes Hepatotoxizitätsrisiko 3
- Anfallstagebuch: Tägliche Dokumentation der Anfallsfrequenz während der gesamten Umstellungsphase 1
- Körpergewicht: Regelmäßige Kontrolle, da Valproat Gewichtszunahme verursachen kann 3
- Thrombozytenzahl: Bei höheren Valproat-Dosen (>1500 mg/Tag) 3
Kontraindikationen für Valproat
Valproat ist absolut kontraindiziert bei Frauen im gebärfähigen Alter aufgrund des signifikant erhöhten Risikos für fetale Fehlbildungen und neurokognitive Entwicklungsstörungen. 4 In diesen Fällen sollte ein alternativer Wechsel zu Lamotrigin oder Fortführung von Levetiracetam erwogen werden.
Klinische Fallstricke
- Keine pharmakokinetische Interaktion: Im Gegensatz zu Lamotrigin (dessen Clearance durch Valproat halbiert wird) beeinflusst Valproat die Levetiracetam-Spiegel nicht, was einen einfacheren Wechsel ermöglicht 6
- Gastrointestinale Verträglichkeit: Langsame Aufdosierung von Valproat minimiert Übelkeit und Erbrechen, die häufigste dosisabhängige Nebenwirkung bei Kindern und Erwachsenen 3
- Compliance-Überwachung: Nicht-Compliance ist eine häufige Ursache für Durchbruchsanfälle während der Umstellung 4