Kombination von Citalopram und Azithromycin: Sicherheitsbewertung
Klare Empfehlung
Die gleichzeitige Gabe von Citalopram und Azithromycin sollte grundsätzlich vermieden werden, da beide Medikamente unabhängig voneinander das QT-Intervall verlängern und in Kombination ein additives Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, insbesondere Torsades de Pointes, darstellen 1.
Kardiale Risiken der Kombination
QT-Verlängerung durch beide Substanzen
- Citalopram weist unter allen SSRIs das höchste Risiko für QT-Verlängerung auf, mit einer dosisabhängigen Beziehung über den gesamten therapeutischen Bereich 2, 1
- Die FDA hat die maximale Tagesdosis von Citalopram auf 40 mg begrenzt (bei Patienten über 60 Jahren auf 20 mg) aufgrund des QT-Risikos 2
- Azithromycin ist als definitive Ursache für QT-Verlängerung, schwere Arrhythmien und plötzlichen Herztod anerkannt, wobei höheres Alter und weibliches Geschlecht zusätzliche Risikofaktoren darstellen 2, 1
- Die Kombination beider Medikamente führt zu einem additiven pharmakodynamischen Effekt auf das QT-Intervall, unabhängig von metabolischen Interaktionen 1, 3
Dokumentierte klinische Risiken
- In einer Medicare-Studie mit älteren Erwachsenen zeigten sowohl Azithromycin als auch Citalopram und Escitalopram ein erhöhtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien und plötzlichen Tod 4
- Das Risiko für Torsades de Pointes steigt bei Kombination von QT-verlängernden Medikamenten exponentiell an 1
Absolute Kontraindikationen für diese Kombination
Die American Heart Association und das American College of Cardiology definieren folgende Situationen, in denen diese Kombination absolut kontraindiziert ist 1:
- Baseline QTc-Intervall ≥500 ms
- Bekanntes kongenitales Long-QT-Syndrom
- Gleichzeitige Einnahme weiterer QT-verlängernder Medikamente
- Nicht korrigierte Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie)
- Höheres Alter (>60 Jahre), insbesondere bei älteren Frauen
- Vorbestehende kardiale Erkrankungen (strukturelle Herzerkrankung, Bradykardie)
Obligatorische Voruntersuchungen (falls Kombination unvermeidbar)
Falls die Kombination in Ausnahmefällen erwogen wird, sind folgende Maßnahmen zwingend erforderlich 1:
- 12-Kanal-EKG zur Messung des QTc-Intervalls vor Therapiebeginn
- Bestimmung der Serumelektrolyte (Kalium, Magnesium, Kalzium) und Korrektur aller Abnormalitäten
- Vollständige Medikamentenanamnese zur Identifikation weiterer QT-verlängernder Substanzen
- Beurteilung der Nieren- und Leberfunktion
Monitoring während der Therapie
Bei unvermeidbarer Kombination 1:
- Wiederholung des EKGs 2-3 Tage nach Therapiebeginn
- Sofortiges Absetzen beider Medikamente, wenn QTc >500 ms oder Anstieg um >60 ms vom Ausgangswert
- Überwachung auf Arrhythmie-Symptome: Palpitationen, Synkopen, Schwindel, Thoraxschmerzen
Sicherere Alternativen
Alternative Antibiotika
Die European Respiratory Society empfiehlt 2, 1:
- Doxycyclin für atypische Erreger oder Bronchitis
- Amoxicillin für typische bakterielle Infektionen
- Diese Antibiotika haben keine QT-verlängernde Wirkung
Alternative Antidepressiva
Falls Azithromycin zwingend erforderlich ist 2, 1, 5:
- Paroxetin oder Sertralin haben ein deutlich geringeres QT-Risiko als Citalopram
- Escitalopram und Citalopram wurden in Studien als sicher mit HCV-Therapie kombinierbar beschrieben, jedoch nicht mit Azithromycin 2
Kritische Überlegung zur Notwendigkeit von Azithromycin
Ein häufiger Fehler ist die empirische Verschreibung von Azithromycin ohne dokumentierte bakterielle Infektion 2, 1:
- Bakterielle Koinfektionen bei respiratorischen Infekten sind selten (<10% bei COVID-19-Patienten) 2
- Die European Respiratory Society empfiehlt ausdrücklich gegen Azithromycin ohne nachgewiesene bakterielle Infektion 2
- In einer Krankenhausstudie waren 79% der Azithromycin-Verschreibungen empirisch ohne mikrobiologischen Nachweis 1
Häufige Fehler, die vermieden werden müssen
- Annahme der Sicherheit aufgrund fehlender metabolischer Interaktion: Das kardiale Risiko ist pharmakodynamisch und unabhängig von CYP450-Interaktionen 1, 6
- Übersehen gleichzeitiger Medikamente, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern (z.B. Antiarrhythmika, andere Psychopharmaka) 2, 1
- Verzicht auf Baseline-EKG bei Risikopatienten: Dies ist für sicheres Monitoring unerlässlich 1
- Ignorieren von Elektrolytstörungen: Hypokaliämie und Hypomagnesiämie verstärken das QT-Verlängerungsrisiko erheblich 2, 1, 3
Zusammenfassung des Algorithmus
- Prüfen Sie die absolute Notwendigkeit von Azithromycin – oft ist ein alternatives Antibiotikum möglich
- Bei zwingender Indikation für beide Medikamente: Erwägen Sie Wechsel von Citalopram auf Paroxetin oder Sertralin
- Falls Kombination unvermeidbar: Baseline-EKG, Elektrolytkorrektur, engmaschiges Monitoring
- Bei QTc ≥500 ms oder Hochrisikopatienten: Kombination ist kontraindiziert