Dosierung bei Scharlachkontakten
Bei Scharlachkontakten ist eine routinemäßige antibiotische Prophylaxe in der Regel nicht erforderlich; stattdessen sollten nur symptomatische Kontaktpersonen oder Personen mit positivem Rachenabstrich in Ausbruchssituationen behandelt werden. 1
Grundprinzip der Kontaktpersonenverwaltung
Etwa 25% der Haushaltsmitglieder eines Indexpatienten können Gruppe-A-Streptokokken im Rachenraum tragen, aber asymptomatische Kontaktpersonen benötigen normalerweise weder Rachenabstriche noch eine Behandlung. 1
Bei dokumentierten Ausbrüchen in größeren Gruppen (Schulen, Kindertagesstätten, Gemeinschaftseinrichtungen) sollten Rachenabstriche bei allen Personen durchgeführt werden, aber nur Personen mit positivem Abstrich sollten mit Antibiotika behandelt werden. 1
Spezifische Ausbruchssituationen
Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen
Die Verabreichung von intramuskulärem Benzathin-Penicillin G hat sich als sehr wirksam bei der Beendigung von Ausbrüchen erwiesen. 1
In einer dokumentierten Scharlach-Ausbruchssituation mit 36% Trägerstatus bei engen Kontakten (>24 Stunden/Woche Exposition) führte die Behandlung von Trägern mit oralem Penicillin V zur Kontrolle des Ausbruchs ohne weitere Fälle. 2, 3
Dosierungsempfehlungen für positive Kontaktpersonen
Kinder ohne Penicillinallergie
Amoxicillin 50 mg/kg einmal täglich (maximal 1000 mg) für 10 Tage oder alternativ 25 mg/kg zweimal täglich (maximal 500 mg pro Dosis) für 10 Tage 1, 4
Penicillin V 250 mg zwei- bis dreimal täglich für 10 Tage bei Kindern 1, 4
Benzathin-Penicillin G intramuskulär als Einzeldosis: <27 kg: 600.000 Einheiten; ≥27 kg: 1.200.000 Einheiten – besonders wirksam in Ausbruchssituationen 1, 4
Erwachsene ohne Penicillinallergie
Bei Penicillinallergie (nicht-anaphylaktisch)
Cephalexin: Kinder 20 mg/kg zweimal täglich (maximal 500 mg/Dosis) für 10 Tage; Erwachsene 500 mg zweimal täglich für 10 Tage 1, 6, 4
Cefadroxil: Kinder 30 mg/kg einmal täglich (maximal 1 g) für 10 Tage; Erwachsene 1 g einmal täglich für 10 Tage 1, 4
Bei anaphylaktischer Penicillinallergie
Clindamycin: Kinder 7 mg/kg dreimal täglich (maximal 300 mg/Dosis) für 10 Tage; Erwachsene 300 mg dreimal täglich für 10 Tage 1, 6, 4
Azithromycin: Kinder 12 mg/kg einmal täglich (maximal 500 mg) für 5 Tage; Erwachsene 500 mg einmal täglich für 5 Tage – jedoch mit 5-8% Makrolid-Resistenz in den USA 1, 6, 4
Clarithromycin: Kinder 7,5 mg/kg zweimal täglich (maximal 250 mg/Dosis) für 10 Tage; Erwachsene 250 mg zweimal täglich für 10 Tage 1, 4
Wichtige Behandlungsdauer
Ein vollständiger 10-Tage-Kurs ist für alle Antibiotika (außer Azithromycin) zwingend erforderlich, um eine maximale pharyngeale Eradikation von Gruppe-A-Streptokokken zu erreichen und akutes rheumatisches Fieber zu verhindern. 1, 4, 5
Azithromycin ist die einzige Ausnahme und erfordert nur 5 Tage aufgrund seiner verlängerten Gewebehalbwertszeit. 1, 6, 4
Besondere Situationen, die eine Behandlung erfordern
Bei wiederholten Tests (z.B. bei erhöhtem Risiko für häufige Infektionen oder nicht-suppurative Folgeerkrankungen) sollten Kulturen für asymptomatische Familienkontakte durchgeführt und positive Personen behandelt werden. 1
Bei Gemeinschaftsausbrüchen von akutem rheumatischem Fieber, akuter poststreptokokkaler Glomerulonephritis oder invasiver Gruppe-A-Streptokokken-Infektion kann eine Behandlung von Trägern in Betracht gezogen werden. 1
Bei Patienten oder Familien mit übermäßiger Angst vor Gruppe-A-Streptokokken-Infektionen oder bei Familienanamnese von akutem rheumatischem Fieber kann eine Behandlung erwogen werden. 1
Häufige Fallstricke
Cephalosporine sollten nicht bei Patienten mit Anaphylaxie, Angioödem oder sofortiger Urtikaria auf Penicillin verwendet werden, da ein 10%iges Kreuzreaktivitätsrisiko besteht. 6, 4
Die Verkürzung des Antibiotikakurses unter 10 Tage (außer Azithromycins 5-Tage-Regime) erhöht dramatisch das Behandlungsversagen und das Risiko für akutes rheumatisches Fieber. 4, 5
Routinemäßige Rachenabstriche nach Behandlungsabschluss sind nicht erforderlich, es sei denn, es liegen besondere Umstände vor wie eine Anamnese von rheumatischem Fieber. 1
Praktischer Ansatz bei Ausbrüchen
Ein gezielter Ansatz umfasst eine Aufklärungskampagne und gezielte Antibiotikabehandlung für enge Kontakte, die >24 Stunden/Woche vor Krankheitsbeginn exponiert waren. 2
Die Identifizierung und Behandlung von Trägern mit demselben emm-Typ-Stamm (z.B. emm-Typ 3 mit 21,1% Trägerrate in einer Ausbruchsklasse) kann wertvoll sein, um weitere Fälle zu verhindern. 3
Kontrollmaßnahmen einschließlich Hygienemaßnahmen und 24-stündiger Ausschluss von Schülern bei Beginn der Penicillin-Behandlung können in Ausbruchssituationen implementiert werden. 7