Häufigkeit der Irisverfärbung unter Prostaglandin-Analoga
Bei kaukasischen Patienten entwickeln 10-18% eine Hyperpigmentierung der Iris während der Behandlung mit Prostaglandin-Analoga über 1-2 Jahre, wobei das Risiko bei Patienten mit gemischtfarbigen Augen (grün-braun oder blau-braun) deutlich höher ist. 1, 2
Zeitlicher Verlauf der Pigmentierung
- Die Mehrzahl der Patienten, die eine sichtbare Irisverfärbung entwickeln, zeigt den Beginn innerhalb des ersten Behandlungsjahres 3
- Die Pigmentierung schreitet während der gesamten Behandlungsdauer fort – in einer 5-Jahres-Studie zeigten Patienten kontinuierlich zunehmende Irispigmentierung über den gesamten Studienzeitraum 3
- Die Verfärbung ist wahrscheinlich permanent oder nur sehr langsam reversibel nach Absetzen der Therapie 4, 1
Risikofaktoren und Prädisposition
- Patienten mit heterochromen oder haselnussbraunen Augen haben eine deutlich höhere Prädisposition für Latanoprost-induzierte Irispigmentierung 4
- Speziell bei Patienten mit grün-braunen oder blau-braunen Augen ist das Risiko erhöht 2
- Bei asiatischen Populationen scheint die Hyperpigmentierung häufiger aufzutreten als bei Kaukasiern 1
- Bei unilateraler Behandlung kann eine permanente Heterochromie zwischen den Augen entstehen, was der einzige klare klinische Nachteil dieser Nebenwirkung ist 4
Mechanismus der Pigmentierung
- Prostaglandin-Analoga stimulieren die Melanogenese in irialen Melanozyten durch Hochregulation der Tyrosinase-Gentranskription 4
- Die Pigmentierung entsteht durch erhöhte Melaninproduktion, nicht durch Melanozytenvermehrung 1
- Da Latanoprost und Travoprost selektive Agonisten für den Prostaglandin-F2α-Rezeptor sind, wird der Effekt wahrscheinlich über diesen Rezeptor vermittelt 4
Klinische Sicherheitsaspekte
- Histopathologische Studien haben keine Hinweise auf schädliche Folgen der Irispigmentierung gefunden 4
- Die Entwicklung einer Irispigmentierung beeinflusste weder die Inzidenz noch die Art oder Schwere anderer unerwünschter Ereignisse 3
- Die IOP-Reduktion war unabhängig davon, ob sich während der Studie eine Irispigmentierung entwickelte 3
Wichtige klinische Überlegungen
- Patienten müssen vor Therapiebeginn über das Risiko einer permanenten Irisverfärbung aufgeklärt werden 5
- Eine sorgfältige lebenslange Überwachung dieser Patienten wird empfohlen 1
- Bei etwa 30% der Patienten (insbesondere bei nicht-homogener Augenfarbe) können Latanoprost-Augentropfen eine permanente Verdunkelung der Iris verursachen 5