Ursachen von Hautrissen bei Jugendlichen
Hautrissen (Hautfissuren) bei Jugendlichen entstehen primär durch übermäßige Hauttrockenheit, mechanische Belastung, entzündliche Hauterkrankungen und sekundäre Infektionen – wobei die Behandlung der zugrundeliegenden Xerose (trockene Haut) und Ekzeme im Vordergrund steht.
Hauptursachen
Hauttrockenheit und Umweltfaktoren
- Xerotische (trockene) Haut ist die häufigste Ursache für Hautfissuren und entsteht durch Dehydrierung der Hautbarriere 1
- Übermäßiges Händewaschen, heiße Duschen und exzessiver Seifengebrauch verschlimmern die Hauttrockenheit und führen zu Fissuren 1
- Wassertemperaturen über 40°C verursachen Lipidfluidisierung im Stratum corneum, was die Hautpermeabilität erhöht und zu Rissen führt 1
- Okklusion (z.B. durch Handschuhe) ohne vorherige Feuchtigkeitspflege verschlimmert die Situation 1
Entzündliche Dermatosen
- Atopische Dermatitis (Ekzeme) prädisponiert zu Fissurbildung durch chronische Entzündung und gestörte Hautbarriere 1
- Ekzematöse Hautveränderungen entwickeln sich häufig auf xerotischer Haut und manifestieren sich als Erythem, Desquamation und Fissuren 1
- Kontaktdermatitis (irritativ oder allergisch) kann zu Fissuren führen, besonders an den Händen 1
Infektiöse Ursachen
- Tinea pedis (Fußpilz) verursacht mazerierte oder fissurierte Interdigitalräume, die als Eintrittspforte für bakterielle Infektionen dienen 1
- Sekundäre bakterielle Infektionen (Impetiginisation) durch Staphylokokken oder Streptokokken können bestehende Fissuren komplizieren 1
- Fissurierte Zehenzwischenräume sind häufige Reservoire für Streptokokken, die zu Zellulitis führen können 1
Spezifische Hauterkrankungen
- Lichen sclerosus kann bei Jugendlichen (besonders präpubertär) perianale Fissuren verursachen, die zu Obstipation führen 1, 2
- Diese Erkrankung manifestiert sich mit porzellanweißen Plaques, Ekchymosen und schmerzhaften Fissuren im Anogenitalbereich 1, 2
- Psoriasis kann mit Hyperkeratose und Fissurbildung einhergehen, besonders an mechanisch belasteten Stellen 3
Mechanische und traumatische Faktoren
- Rückenloses Schuhwerk und mechanische Belastung der Fersen führen zu Fissuren 4
- Köbner-Phänomen: Trauma kann bei prädisponierten Personen Hautläsionen auslösen 1
- Chronisches Kratzen bei pruritischen Dermatosen verschlimmert Fissuren 1
Klinische Bewertung und Differenzialdiagnose
Wichtige Warnsignale
- Bei perianalen Fissuren mit Ekchymosen: Lichen sclerosus ausschließen, aber auch sexuellen Missbrauch in Betracht ziehen (beide können koexistieren) 1, 2
- Verdächtige Merkmale für Missbrauch: ältere präpubertäre Mädchen, schlechtes Ansprechen auf Therapie, begleitende sexuell übertragbare Infektionen 1, 2
- Systemische Symptome (Fieber, Tachykardie) bei Fissuren deuten auf tiefere Infektion wie nekrotisierende Fasziitis hin 1
Prädisponierende Faktoren identifizieren
- Vorbestehende atopische Dermatitis erhöht das Risiko für Fissuren erheblich 1
- Adipositas, vorherige Hautschäden und Lymphödem sind Risikofaktoren 1
- Berufliche oder schulische Exposition gegenüber Irritantien (häufiges Händewaschen, Desinfektionsmittel) 1
Therapeutischer Ansatz
Basistherapie (für alle Ursachen)
- Intensive Hautbefeuchtung ist die Grundlage: Emollienzien mindestens einmal täglich auf den ganzen Körper auftragen 1
- Öl-in-Wasser-Cremes oder Salben bevorzugen; alkoholhaltige Lotionen vermeiden 1
- Harnstoff- oder Polidocanol-haltige Lotionen bei begleitendem Pruritus 1
Spezifische Behandlung nach Ursache
Bei entzündlichen Dermatosen:
- Topische Kortikosteroide (z.B. Prednicarbat-Creme 0,02%) für Erythem und Desquamation 1
- Bei Lichen sclerosus: Clobetasol-Propionat 0,05% zweimal täglich für 2-3 Monate als Erstlinientherapie 2
- Kurzzeitige systemische Steroide bei Grad 3 Erythem/Desquamation 1
Bei Fissuren:
- Propylenglykol 50% in Wasser für 30 Minuten unter Plastikokklusion jede Nacht, gefolgt von Hydrokolloid-Verband 1
- Alternativ: antiseptische Bäder mit Kaliumpermanganat 1:10.000 oder topische Silbernitratlösungen 1
- Cyanoacrylat-Flüssighautschutz alle 3 Tage kann effektiv sein 4
Bei sekundärer Infektion:
- Bakterielle Abstriche nehmen und kalkulierte antiinfektive Therapie starten 1
- Bei Tinea pedis: topische Antimykotika; systemische Therapie bei Befall behaarter Areale 3
- Abszesse erfordern Inzision und Drainage zur Sepsisprophylaxe 1
Wichtige Fallstricke
- Niemals heiße Duschen oder übermäßigen Seifengebrauch empfehlen – dies verschlimmert die Hautbarrierestörung 1
- Händewaschen mit Seife unmittelbar vor oder nach alkoholbasierten Produkten ist unnötig und erhöht das Dermatitisrisiko 1
- Handschuhe nicht auf nasse Hände aufziehen 1
- Topische Antibiotika (Neomycin, Bacitracin) können allergische Kontaktdermatitis auslösen und sollten vermieden werden 1
- Bei perianalen Fissuren bei Kindern immer Lichen sclerosus in Betracht ziehen, nicht automatisch von Obstipation ausgehen 1, 2
- Feuchtigkeitspflege muss vor dem Tragen von Handschuhen aufgetragen werden, nicht danach 1