Lungenüberblähung als Folge der abgeheilten Alveolitis
Die Lungenüberblähung bei dieser Patientin ist höchstwahrscheinlich nicht eine direkte Folge der abgeheilten Alveolitis, sondern eher ein Zufallsbefund, der durch den Körperbau oder eine unabhängige obstruktive Atemwegserkrankung erklärt werden kann.
Pathophysiologische Überlegungen zur Alveolitis
- Eine Alveolitis (wie bei Sarkoidose oder exogen-allergischer Alveolitis) führt typischerweise zu restriktiven Lungenveränderungen mit verminderter Totalkapazität, nicht zu Überblähung 1
- Nach Abheilung einer Alveolitis ohne Fibrose sollte das CT unauffällig sein und die Lungenfunktion sich normalisieren 1
- Eine persistierende Lungenüberblähung nach abgeheilter Alveolitis wäre atypisch, da der pathophysiologische Mechanismus einer Alveolitis keine Überblähung verursacht 1
Interpretation der Lungenüberblähung
Körperbau als wahrscheinlichste Erklärung
- Bei großen, schlanken Patientinnen sitzt das Zwerchfell natürlicherweise tiefer, was radiologisch eine Überblähung vortäuschen kann 2
- Die American Thoracic Society betont, dass bei großen, schlanken Personen die Lungen elongiert erscheinen und das Zwerchfell tiefer steht, was fälschlicherweise als pathologische Überblähung interpretiert werden kann 2
- Entscheidend ist: Vermeiden Sie die Diagnose einer obstruktiven Lungenerkrankung allein aufgrund des radiologischen Erscheinungsbildes einer Überblähung bei großen, schlanken Patientinnen ohne unterstützende klinische und lungenfunktionelle Daten 2
Lungenfunktionsbefunde richtig einordnen
- Eine knapp normale DLCO spricht gegen ein signifikantes Emphysem, da die DLCO bei Emphysem typischerweise deutlich erniedrigt ist 3
- Die American Thoracic Society beschreibt, dass bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und Emphysem die DLCO reduziert ist und nicht gut mit der FEV1-Reduktion korreliert 3
- Schwankende Lungenfunktionswerte können auf Asthma hinweisen, aber auch durch variable Anstrengung oder Technik bei der Messung bedingt sein 3
Plethysmographische Überblähung verstehen
- Überblähung in der Bodyplethysmographie (erhöhtes Residualvolumen und funktionelle Residualkapazität) kann statisch oder dynamisch bedingt sein 4, 5
- Statische Überblähung entsteht durch Elastizitätsverlust bei Emphysem - dies würde jedoch eine erniedrigte DLCO verursachen, was hier nicht der Fall ist 5
- Dynamische Überblähung entsteht durch Lufteinschluss (Air Trapping) bei obstruktiven Atemwegserkrankungen und kann bei Asthma oder COPD auftreten 6, 5
Differentialdiagnostischer Algorithmus
Schritt 1: Obstruktion nachweisen oder ausschließen
- Prüfen Sie die FEV1/FVC-Ratio: Ist sie <70%, liegt eine Obstruktion vor 3
- Bei normaler FEV1/FVC-Ratio trotz Überblähung denken Sie primär an Körperbau-bedingte Befunde 2
Schritt 2: Bei Obstruktion die Reversibilität testen
- Bronchodilatator-Test durchführen: >12% und >200 ml FEV1-Verbesserung spricht für Asthma 3
- Die Reduktion des Residualvolumens nach Bronchodilatation ist der konsistenteste Parameter über alle Schweregrade hinweg 6
Schritt 3: DLCO zur Differenzierung nutzen
- Normale oder erhöhte DLCO schließt signifikantes Emphysem praktisch aus 3
- Erniedrigte DLCO würde auf Emphysem, pulmonale Gefäßerkrankung oder interstitielle Lungenerkrankung hinweisen 3
Häufige Fallstricke vermeiden
- Verwechseln Sie nicht radiologische Überblähung bei schlankem Körperbau mit pathologischer Überblähung - korrelieren Sie immer mit Symptomen und Lungenfunktion 2, 7
- Das normale CT schließt eine relevante strukturelle Lungenerkrankung als Ursache der Überblähung weitgehend aus 3
- Schwankende Lungenfunktionswerte allein rechtfertigen keine Diagnose - suchen Sie nach einem konsistenten Muster über mehrere Messungen 3
Klinische Konsequenz
Bei normalem CT, knapp normaler DLCO und fehlenden Symptomen ist die Lungenüberblähung höchstwahrscheinlich nicht pathologisch und nicht Folge der abgeheilten Alveolitis. Eine engmaschige Verlaufskontrolle ist nur bei Symptomen oder Verschlechterung der Lungenfunktion erforderlich 2, 7.