Reversible Atemwegsobstruktion bei Lupus-Patientin
Bei dieser erwachsenen Frau mit systemischem Lupus erythematodes zeigt die Verbesserung nach Salbutamol (≥12% und ≥200 mL Anstieg von FEV1 oder FVC) eine signifikante reversible Atemwegsobstruktion an, und die Behandlung sollte mit einem langwirksamen Bronchodilatator – entweder einem langwirksamen Muskarinantagonisten (LAMA) oder einem langwirksamen β2-Agonisten (LABA) – begonnen werden. 1
Interpretation der Bronchodilatator-Reversibilität
Die Spirometrie zeigt ein obstruktives Muster mit:
- FEV1 53% des Sollwerts (deutlich reduziert)
- FVC 65% des Sollwerts (reduziert)
- Positive Bronchodilatator-Antwort nach Salbutamol 1
Ein Anstieg von ≥12% vom Ausgangswert UND ≥200 mL (bei Erwachsenen) nach einem kurzwirksamen Bronchodilatator definiert eine signifikante Reversibilität. 1 Dies deutet auf eine reversible Atemwegsobstruktion hin, die typisch für Asthma ist oder eine teilweise reversible COPD darstellen kann. 1
Besondere Überlegungen bei Lupus-Patienten
Bei SLE-Patienten sind pulmonale Manifestationen häufig, aber die Spirometrie-Befunde können komplex sein:
- Lupus-Patienten zeigen häufig gemischte obstruktive und restriktive Muster, wobei FEV1 und FVC beide reduziert sein können 2, 3, 4
- Die Atemwegsobstruktion bei SLE ist nicht primär mit Rauchen assoziiert, sondern kann durch entzündliche Prozesse, Pleuritis-Folgen oder Atemmuskelermüdung verursacht werden 2, 3
- Eine positive Bronchodilatator-Antwort bei SLE-Patienten ist klinisch bedeutsam und rechtfertigt eine bronchodilatatorische Therapie 5
Empfohlene inhalative Therapie
Erstlinientherapie
Beginnen Sie mit einem langwirksamen Bronchodilatator als Monotherapie:
- LAMA (z.B. Tiotropium) oder LABA (z.B. Formoterol, Salmeterol) als Erstlinientherapie 6
- Diese Medikamente reduzieren die dynamische Hyperinflation und verbessern die Belastungstoleranz 6
Eskalation bei unzureichendem Ansprechen
Wenn die Symptome nach 4 Wochen persistieren:
- Kombinationstherapie LAMA/LABA bietet eine stärkere Reduktion der Hyperinflation als Monotherapie bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung 6
- Inhalative Kortikosteroide (ICS) sollten hinzugefügt werden, wenn häufige Exazerbationen auftreten oder Merkmale einer Asthma-COPD-Überlappung vorliegen 6
Algorithmus für die Therapieentscheidung
- Kurzwirksame β2-Agonisten (SABA) wie Salbutamol als Bedarfsmedikation 1
- LAMA oder LABA als tägliche Erhaltungstherapie starten 6
- Nach 4 Wochen Spirometrie wiederholen: Wenn FEV1 um >12% und >200 mL verbessert ist, bestätigt dies die Asthma-Diagnose im klinischen Kontext 1
- Bei unzureichendem Ansprechen: Auf LAMA/LABA-Kombination umstellen 6
- Bei häufigen Exazerbationen oder Asthma-Merkmalen: ICS zur Bronchodilatator-Therapie hinzufügen 6
Wichtige Fallstricke und Warnhinweise
Diagnostische Überlegungen
- Messen Sie die totale Lungenkapazität (TLC), um zwischen echter Obstruktion mit Hyperinflation und gemischter Obstruktion-Restriktion zu unterscheiden 6, 7
- Bei SLE-Patienten kann eine reduzierte FVC allein nicht als Restriktion interpretiert werden ohne TLC-Messung, da Air-Trapping die FVC reduzieren kann 6, 7
- Diffusionskapazität (DLCO) sollte gemessen werden, um emphysematöse Zerstörung oder vaskuläre Beteiligung (pulmonale Hypertonie) auszuschließen 6, 4
Therapeutische Überlegungen
- Kurzwirksame Bronchodilatatoren sollten mindestens 4 Stunden vor der Spirometrie abgesetzt werden, um falsch-negative Ergebnisse zu vermeiden 1
- Langwirksame β2-Agonisten sollten 15 Stunden vor dem Test abgesetzt werden 1
- Bei SLE-Patienten mit Pleuritis-Anamnese kann die Atemmuskelermüdung die Spirometrie beeinflussen, insbesondere die maximale willkürliche Ventilation (MVV) 2
Monitoring und Verlaufskontrolle
- Wiederholung der Spirometrie nach 4 Wochen Controller-Therapie ist entscheidend zur Bestätigung der Diagnose und Therapieeffektivität 1
- Bei SLE-Patienten sollte die Lungenfunktion regelmäßig überwacht werden, da sich obstruktive Veränderungen im Verlauf entwickeln können 3
- Arterielle Blutgasanalyse und 6-Minuten-Gehtest sollten bei Verdacht auf pulmonale Hypertonie oder schwere Erkrankung durchgeführt werden 6, 4