Notfallkontrazeption nach sexuellem Übergriff
Bei einer Frau, die sich innerhalb von 5 Tagen nach einem sexuellen Übergriff vorstellt, sollte primär ein Kupfer-IUD angeboten werden, da es die effektivste Notfallkontrazeption darstellt; alternativ Ulipristalacetat (30 mg Einzeldosis), das wirksamer ist als Levonorgestrel, insbesondere zwischen Tag 3-5 nach dem Übergriff. 1
Notfallkontrazeptive Optionen (in Reihenfolge der Wirksamkeit)
1. Kupfer-IUD (Höchste Wirksamkeit)
- Kann bis zu 5 Tage nach dem ersten ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden 1
- Wenn der Ovulationszeitpunkt geschätzt werden kann, kann die Einlage auch über 5 Tage hinaus erfolgen, solange sie nicht >5 Tage nach der Ovulation stattfindet 1
- Bietet den zusätzlichen Vorteil einer langfristigen Kontrazeption (bis zu 10 Jahre) 1
- Erfordert eine bimanuelle Untersuchung und Zervixinspektion vor der Einlage 2
2. Ulipristalacetat (UPA) - 30 mg Einzeldosis
- Sollte so schnell wie möglich innerhalb von 5 Tagen (120 Stunden) nach dem Übergriff eingenommen werden 1, 3, 1
- Wirksamer als Levonorgestrel zwischen Tag 3-5 nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr 1
- Besonders wichtig bei übergewichtigen oder adipösen Frauen, da Levonorgestrel bei dieser Population weniger wirksam sein kann 1, 3, 1
3. Levonorgestrel - 1,5 mg Einzeldosis
- Sollte so schnell wie möglich innerhalb von 5 Tagen eingenommen werden 1
- Ähnliche Wirksamkeit wie UPA innerhalb der ersten 3 Tage, aber weniger wirksam danach 1
- Bei adipösen Frauen möglicherweise weniger wirksam 1
4. Kombinierte Östrogen-Gestagen-Präparate (Yuzpe-Methode)
- Weniger wirksam als UPA oder Levonorgestrel 1
- Häufigere Nebenwirkungen (Übelkeit und Erbrechen) 1
- Sollte nur verwendet werden, wenn andere Optionen nicht verfügbar sind
Wichtige Nachsorge-Empfehlungen
Nach UPA-Einnahme:
- Jede reguläre Kontrazeptionsmethode kann sofort nach UPA-Anwendung begonnen werden 1
- Die Patientin muss 14 Tage lang auf Geschlechtsverkehr verzichten oder Barrieremethoden verwenden, bis zur nächsten Menstruation (je nachdem, was zuerst eintritt) 1
- Schwangerschaftstest durchführen lassen, wenn innerhalb von 3 Wochen keine Entzugsblutung auftritt 1
Nach Levonorgestrel-Einnahme:
- Jede reguläre Kontrazeptionsmethode kann sofort begonnen werden 1
- 7 Tage lang Geschlechtsverkehr vermeiden oder Barrieremethoden verwenden 1
- Schwangerschaftstest bei ausbleibender Entzugsblutung innerhalb von 3 Wochen 1
Zusätzliche medizinische Versorgung:
- Basis-Schwangerschaftstest durchführen 4
- STI-Prophylaxe mit Antibiotika (bei 98% der Patientinnen in Studien verabreicht) 5
- Hepatitis-B-Impfung anbieten, wenn nicht vollständig immunisiert 4
- HIV-Postexpositionsprophylaxe in Betracht ziehen (bei 90% in Studien verabreicht) 5
- HPV-Impfserie initiieren oder vervollständigen, wenn nicht abgeschlossen 4
Wichtige klinische Überlegungen
Zeitfaktor: Die Wirksamkeit aller Notfallkontrazeptiva nimmt mit der Zeit ab. Je früher die Verabreichung erfolgt, desto besser 1. Die Schwangerschaftsraten steigen nach Tag 3-4 bei oralen Methoden an 1.
Körpergewicht: Bei übergewichtigen oder adipösen Patientinnen ist UPA der Levonorgestrel-Formulierung vorzuziehen 1, 3, 1. Das Kupfer-IUD bleibt unabhängig vom Körpergewicht die wirksamste Option.
Nachsorge-Compliance: Studien zeigen, dass nur 29% der Patientinnen die 6-Monats-Nachsorge wahrnehmen 5. Die erste Nachsorge nach 14 Tagen ist entscheidend für die Beurteilung von Schwangerschaft und STI-Status.
Häufige Fallstricke vermeiden:
- Nicht auf einen Polizeibericht oder forensische Untersuchung warten, bevor Notfallkontrazeption angeboten wird 6
- Bei Verlegung in andere Einrichtungen sollte die Notfallkontrazeption VOR der Verlegung verabreicht werden 6
- Trauma-informierte Versorgung praktizieren: Erlaubnis vor Untersuchungen einholen, Wahlmöglichkeiten der Patientin respektieren 7