Notfallkontrazeption ist bei Sex ohne Penetration NICHT zu empfehlen
Notfallkontrazeption ist nur nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit vaginaler Penetration indiziert, nicht bei sexuellen Aktivitäten ohne genitale Penetration.
Begründung
Die vorliegenden Leitlinien definieren Notfallkontrazeption ausschließlich im Kontext von "unprotected sexual intercourse" bzw. "ungeschütztem Geschlechtsverkehr" 1. Diese Terminologie bezieht sich durchgehend auf vaginalen penetrativen Geschlechtsverkehr, bei dem Spermien in die Vagina gelangen können.
Wann ist Notfallkontrazeption indiziert?
Notfallkontrazeption sollte angeboten werden bei 1:
- Ungeschütztem vaginalem Geschlechtsverkehr innerhalb von 5 Tagen
- Versagen regulärer Verhütungsmethoden (z.B. gerissenes Kondom)
- Sexueller Gewalt mit Penetration
Verfügbare Methoden (falls tatsächlich indiziert)
Falls Penetration stattgefunden hat, stehen folgende Optionen zur Verfügung 1:
Orale Notfallkontrazeptiva:
- Ulipristalacetat (30 mg Einzeldosis): Wirksam bis 120 Stunden nach Geschlechtsverkehr, besonders effektiv nach 72 Stunden und bei übergewichtigen Frauen 1, 2
- Levonorgestrel (1,5 mg Einzeldosis): Wirksam bis 120 Stunden, am effektivsten innerhalb von 72 Stunden 1, 2
- Kupfer-IUD: Höchste Effektivität, kann bis 5 Tage nach Geschlechtsverkehr eingesetzt werden 1
Wichtiger Hinweis zur Risikobewertung
Ohne vaginale Penetration besteht kein Schwangerschaftsrisiko, das eine Notfallkontrazeption rechtfertigen würde. Die Anwendung hormoneller Notfallkontrazeptiva ohne medizinische Indikation setzt Patientinnen unnötigen Nebenwirkungen aus (Übelkeit, Erbrechen, Zyklusstörungen) ohne therapeutischen Nutzen 1.
Klinische Fallstricke
- Klären Sie genau ab, welche sexuelle Aktivität stattgefunden hat
- Externe genitale Kontakte ohne Penetration stellen kein Schwangerschaftsrisiko dar
- Bei Unsicherheit über Spermienkontakt mit der Vaginalöffnung: Berücksichtigen Sie das theoretische Risiko individuell
- Nutzen Sie die Gelegenheit zur Aufklärung über reguläre Verhütungsmethoden und STI-Prävention