Mögliche Nebenwirkungen bei Prednisolon-Therapie
Prednisolon kann zahlreiche Nebenwirkungen verursachen, wobei Gewichtszunahme, kosmetische Veränderungen und metabolische Störungen zu den häufigsten gehören, die bei bis zu 80% der Patienten nach längerer Therapie auftreten können. 1
Häufige Nebenwirkungen nach Organsystemen
Kosmetische Veränderungen
- Gewichtszunahme (eine der am häufigsten berichteten Nebenwirkungen) 1
- Gesichtsrundung (Mondgesicht)
- Vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus)
- Haarausfall (Alopezie)
- Striae (Dehnungsstreifen)
- Akne
- Fettumverteilung (Büffelnacken)
Metabolische und endokrinologische Störungen
- Glukoseintoleranz/Diabetes mellitus
- Erhöhter Appetit
- Flüssigkeitsretention
- Hypokalämie (Kaliummangel)
- Nebennierenrindensuppression
- Hyperlipidämie
Kardiovaskuläre Nebenwirkungen
- Bluthochdruck
- Tachykardie
- Thrombophlebitis
Muskuloskelettale Nebenwirkungen
- Osteoporose (besonders bei Langzeittherapie)
- Aseptische Knochennekrosen
- Muskelschwäche
- Frakturen
- Wachstumsverzögerung (bei Kindern)
Gastrointestinale Nebenwirkungen
- Peptische Ulzera
- Pankreatitis
- Hepatomegalie (bei Kindern)
- Abdominelle Distension
Neuropsychiatrische Nebenwirkungen
- Stimmungsschwankungen (häufig) 2
- Hypomanie/Manie (besonders in den ersten Wochen der Therapie) 3, 4
- Depression (häufiger bei Langzeittherapie) 2
- Psychose
- Gedächtnisstörungen (besonders deklaratives Gedächtnis) 2
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
Immunologische Nebenwirkungen
- Verminderte Infektabwehr
- Verzögerte Wundheilung
Ophthalmologische Nebenwirkungen
- Katarakt
- Glaukom
- Verschwommenes Sehen
Zeitlicher Verlauf und Dosisabhängigkeit
Die Nebenwirkungen von Prednisolon sind dosisabhängig und treten unterschiedlich auf:
- Kurzfristige Therapie: Relativ milde Nebenwirkungen, obwohl auch hier signifikante Effekte wie Psychosen auftreten können 5
- Langzeittherapie: Schwerwiegendere und teils irreversible Probleme 5
- Psychiatrische Symptome: Treten meist in den ersten Wochen der Therapie auf 3
- Stimmungsveränderungen: Können bereits nach 3 Tagen Prednisolon-Therapie auftreten, noch bevor messbare Verbesserungen der Grunderkrankung feststellbar sind 6
Risikofaktoren
- Höhere Dosen (>20 mg/Tag für mehr als 18 Monate) führen häufiger zu schweren Nebenwirkungen 1
- Die Kombinationstherapie mit Azathioprin ist mit einer geringeren Rate an steroidbedingten Nebenwirkungen verbunden 1
- Budesonid plus Azathioprin kann bei nicht-zirrhotischen Patienten mit Autoimmunhepatitis eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen sein 1
Überwachung und Management
- Regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks
- Blutzuckerkontrollen
- Knochendichtemessung
- Augenuntersuchungen auf Katarakt und Glaukom 1
- Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung zur Osteoporoseprophylaxe 1
- Lebensstiländerungen bei metabolischem Syndrom 1
- Bei schweren Steroid-Nebenwirkungen (Psychosen, schwer kontrollierbarer Diabetes, Osteoporose) kann bei nicht-zirrhotischen Patienten ein Wechsel von Prednisolon zu Budesonid erwogen werden 1
Wichtige Hinweise
- Die Prednisolon-Dosis sollte so schnell wie möglich auf die niedrigste wirksame Dosis reduziert werden
- Abruptes Absetzen nach Langzeittherapie vermeiden (Gefahr der Nebennierenrindeninsuffizienz)
- Patienten sollten über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt werden, da diese die Therapieadhärenz beeinflussen können
- Gewichtszunahme ist für viele Patienten eine besonders belastende Nebenwirkung, die häufig unterschätzt wird 1
Bei Langzeittherapie mit Prednisolon ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich, und Patienten sollten engmaschig auf das Auftreten von Nebenwirkungen überwacht werden.