Therapieoptionen bei Gichtanfall mit eingeschränkter Nierenfunktion
Bei einem Patienten mit Gichtanfall und eingeschränkter Nierenfunktion (GFR 53 ml/min nach Nephrektomie) sollte die Therapie aus einer angepassten Dosierung oraler Kortikosteroide als Erstlinientherapie bestehen, gefolgt von einer langfristigen Harnsäuresenkung mit Febuxostat.
Akuttherapie des Gichtanfalls
Erstlinienoptionen:
Orale Kortikosteroide:
Intraartikuläre Kortikosteroid-Injektion:
Colchicin in angepasster Dosierung:
NSAIDs vermeiden:
Therapiealgorithmus für den akuten Anfall:
Bei starken Schmerzen (8/10) am rechten Großzehengelenk:
- Intraartikuläre Injektion eines langwirksamen Kortikosteroids erwägen
- Plus orale Prednisolon-Therapie (30 mg/Tag für 3-5 Tage)
Bei mäßigen Schmerzen (5/10) am linken Großzehengelenk:
- Orale Prednisolon-Therapie allein kann ausreichend sein
Langfristige Harnsäuresenkende Therapie (ULT)
Indikationen für ULT bei diesem Patienten:
- Rezidivierende Gichtanfälle (beidseitige Großzehenbeteiligung)
- Komorbidität: Niereninsuffizienz (GFR 53 ml/min) 1
Therapieoptionen:
Febuxostat:
Allopurinol mit Vorsicht:
Benzbromarone kann bei mittlerer Niereninsuffizienz erwogen werden 1
Therapieziel:
Prophylaxe während Beginn der harnsäuresenkenden Therapie
Colchicin in niedriger Dosis:
Bei Colchicin-Kontraindikation:
- Niedrig dosierte orale Kortikosteroide (<10 mg/Tag Prednisolon) 1
Nicht-pharmakologische Maßnahmen
Lebensstilmodifikationen:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Einschränkung von Alkohol (besonders Bier)
- Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken
- Einschränkung von Fleisch und Meeresfrüchten 1
Screening und Management von Komorbiditäten:
- Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion
- Screening auf kardiovaskuläre Risikofaktoren 1
Besondere Hinweise und Fallstricke
- Niemals ULT während eines akuten Anfalls neu beginnen, sondern erst nach Abklingen der Symptome 1
- Niemals eine bestehende ULT während eines akuten Anfalls absetzen 1
- Vorsicht bei Colchicin: Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz zwingend erforderlich, um Toxizität zu vermeiden 2, 3
- Engmaschige Überwachung: Regelmäßige Kontrolle der Harnsäurewerte und Nierenfunktion 1
- Patientenaufklärung: Über Krankheitsverlauf, Therapieziele und Bedeutung der Therapieadhärenz aufklären 1