Normalwerte für elektrophysiologische Nervenleitungsgeschwindigkeitsuntersuchungen
Die normalen Referenzwerte für die distale motorische Latenz (DML), Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG) und Amplitude bei standardisierten Nerven in der Elektrophysiologie sind entscheidend für die korrekte Diagnose von Neuropathien und anderen neurologischen Erkrankungen.
Normale Referenzwerte für motorische Nerven
Obere Extremität
N. medianus:
N. ulnaris:
Untere Extremität
N. peroneus:
N. tibialis:
Normale Referenzwerte für sensorische Nerven
Obere Extremität
N. medianus sensorisch:
N. ulnaris sensorisch:
Untere Extremität
Besondere Nerven
- N. phrenicus:
Altersabhängigkeit der Nervenleitungswerte
- Bei Neugeborenen betragen die motorischen und sensorischen Nervenleitungsgeschwindigkeiten etwa 50% bzw. 40% der Erwachsenenwerte 3, 4
- Mit 3 Jahren erreichen die motorischen Nervenleitungsgeschwindigkeiten und die sensorischen Nervenleitungsgeschwindigkeiten der oberen Extremitäten Erwachsenenwerte 3
- Sensorische Nervenleitungsgeschwindigkeiten, H-Reflex und F-Wellen der unteren Extremitäten erreichen erst mit etwa 6 Jahren Erwachsenenwerte 3
- Die Reifung der Nervenleitungsgeschwindigkeit erfolgt am schnellsten in den ersten 3-6 Lebensjahren, besonders im ersten Lebensjahr 3, 4
Einflussfaktoren auf Nervenleitungsgeschwindigkeit
- Demyelinisierende Erkrankungen: Hauptursache für verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit 6
- Axonale Neuropathien: Bei schwerem Faserverlust kann die Nervenleitungsgeschwindigkeit reduziert sein 6
- Temperatureffekte: Niedrigere Muskeltemperatur verlangsamt die Nervenleitungsgeschwindigkeit 6
- Anatomische Faktoren: Können die Nervenleitungsgeschwindigkeit beeinflussen 6
- Geschlecht: Signifikanter Einfluss auf die sensorischen Nervenaktionspotentiale des N. medianus (p < 0,04) und N. ulnaris (p < 0,041) 1
Diagnostische Bedeutung
- Bei demyelinisierenden Polyneuropathien (z.B. Guillain-Barré-Syndrom) sind die Nervenleitungsgeschwindigkeiten deutlich verlangsamt 5, 6
- Bei traumatischen Neuropathien (z.B. N. phrenicus-Lähmung nach Herzoperation) sind die Latenzen meist normal, aber die CMAP-Amplituden deutlich reduziert 5
- Bei Myasthenia gravis kann durch repetitive N. phrenicus-Stimulation ein reversibler Abfall des Diaphragma-CMAP ausgelöst werden 5
Die korrekte Interpretation dieser Werte ist entscheidend für die Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen, wobei stets Faktoren wie Alter, Geschlecht, Temperatur und anatomische Besonderheiten berücksichtigt werden müssen.