Altersabhängige Amplituden, NLG und DML Werte von N. Peroneus und N. Tibialis
Bei Patienten mit abnormalen Nervenleitgeschwindigkeiten des N. peroneus und N. tibialis sollte eine klinische neurologische Untersuchung als primäres Monitoring-Verfahren gegenüber wiederholten Elektromyographie/Nervenleitgeschwindigkeitsstudien bevorzugt werden. 1
Normwerte und altersabhängige Veränderungen
Die Normwerte für die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und distale motorische Latenz (DML) des N. peroneus und N. tibialis variieren mit dem Alter und anderen demografischen Faktoren:
N. peroneus zum M. tibialis anterior:
- Obere Normgrenze für Latenz: 4,9 ms
- Untere Normgrenze für Amplitude: 1,7 mV
- Untere Normgrenze für NLG: 43 m/s 2
Altersbedingte Veränderungen:
- Mit zunehmendem Alter sinken Amplituden und NLG
- Mit zunehmender Körpergröße steigt die Latenz und sinkt die NLG 2
Seitenunterschiede (obere Normgrenzen):
- Latenz: 1,2 ms
- Amplitude: 50%
- NLG: 20% 2
Diagnostisches Vorgehen bei abnormen Befunden
1. Klinische Beurteilung
- Identifizierung von sensorischen und motorischen Konsequenzen einer peripheren Nervenschädigung des N. peroneus und N. tibialis 1
- Beurteilung von Muskelschwäche, Atrophie, Sensibilitätsstörungen und Reflexstatus
2. Elektrophysiologische Diagnostik
- Nervenleitgeschwindigkeitsstudien (NLG) und Nadel-Elektromyographie zur:
3. Bildgebende Verfahren
- Bei fokalen neurologischen Zeichen, Gangstörungen oder erhöhtem Muskeltonus:
Behandlungsalgorithmus bei abnormen Befunden
Bei traumatisch bedingten Nervenschädigungen:
- Ausmaß der Nervenschädigung bestimmen (partiell vs. komplett)
- Bei kombinierten Schädigungen des N. peroneus und N. tibialis: Lokalisation der maximalen Schädigung identifizieren 3
- Bei Peroneus-Läsionen mit Fußheberschwäche:
- Bei partieller Schädigung: Konservative Therapie mit Physiotherapie
- Bei kompletter Schädigung ohne Erholung: Chirurgische Optionen erwägen, wie partielle Tibialis-Nerventransfers 4
Bei entzündlichen/immunvermittelten Neuropathien:
- Glukokortikoide allein oder in Kombination mit immunsuppressiver Therapie (60-75% Ansprechrate) 1
- Bei schweren Fällen: Intravenöse Immunglobuline, Plasmaaustausch oder Rituximab 1
Bei kompressiven Läsionen:
- Identifizierung und Beseitigung der Kompressionsursache (z.B. Ganglionzysten) 5
- Chirurgische Dekompression bei persistierenden Symptomen
Monitoring und Verlaufskontrolle
- Bevorzugt: Serielle neurologische Untersuchungen zur Überwachung der Krankheitsaktivität 1
- Nicht routinemäßig empfohlen: Wiederholte Elektromyographie/Nervenleitgeschwindigkeitsstudien bei stabilen Symptomen 1
- Wiederholte elektrophysiologische Untersuchungen nur bei Unsicherheit bezüglich einer neuen oder sich verschlechternden Symptomatik 1
Besondere Überlegungen
- Die anatomischen Besonderheiten des N. peroneus (oberflächlicher Verlauf um den Fibulakopf, Bifurkation) erhöhen seine Vulnerabilität 6
- Bei kombinierten Läsionen von N. peroneus und N. tibialis ist die Funktion des N. tibialis typischerweise weniger beeinträchtigt als die des N. peroneus 3
- Bei elektrischer Stimulationstherapie sollten vorher urodynamische Studien durchgeführt werden, wenn neurologische Blasenfunktionsstörungen vorliegen 7