Tenecteplase bei intraventrikulären Blutungen
Tenecteplase wird derzeit nicht für die Behandlung von intraventrikulären Blutungen empfohlen und sollte in diesem Kontext als experimentell betrachtet werden.
Aktueller Stand der Evidenz
Die Verwendung von Thrombolytika bei intraventrikulären Blutungen (IVH) wurde in mehreren Studien untersucht, jedoch mit begrenzter Evidenz für Tenecteplase speziell:
Die American Heart Association/American Stroke Association (AHA/ASA) betrachtet die intraventrikuäre Verabreichung von rt-PA (Alteplase) bei IVH als experimentell mit einer relativ niedrigen Komplikationsrate, aber ungewisser Wirksamkeit und Sicherheit (Klasse IIb, Evidenzgrad B) 1.
In den aktuellen Leitlinien wird die Ventrikeldrainange als Behandlung für Hydrozephalus bei Patienten mit vermindertem Bewusstseinszustand empfohlen (Klasse IIa, Evidenzgrad B) 1.
Verwendung von Thrombolytika bei IVH
Rationale für die Verwendung
- IVH tritt bei etwa 45% der Patienten mit spontanen intrazerebralen Blutungen auf und ist ein unabhängiger Faktor für schlechte Outcomes 1.
- Die alleinige Verwendung eines Ventrikelkatheters kann aufgrund von Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Katheterdurchgängigkeit und der langsamen Entfernung des intraventrikulären Blutes unwirksam sein 1.
Evidenz für Thrombolytika bei IVH
Tierversuche und klinische Serien haben gezeigt, dass die intraventrikuäre Verabreichung von fibrinolytischen Mitteln (Urokinase, Streptokinase und rt-PA) die Morbidität und Mortalität durch beschleunigte Blutentfernung und Gerinnsellyse reduzieren kann 1.
Eine Meta-Analyse von 4 randomisierten und 8 Beobachtungsstudien zeigte eine signifikante Abnahme der Mortalität von 47% auf 23% bei Patienten mit IVH, die mit intraventrikuärer Fibrinolyse behandelt wurden 1.
Tenecteplase vs. Alteplase
Während Alteplase (rt-PA) in mehreren Studien zur intraventrikuären Anwendung untersucht wurde, gibt es kaum spezifische Daten zur Verwendung von Tenecteplase bei IVH.
Tenecteplase hat im Vergleich zu Alteplase:
- Höhere Fibrinspezifität
- Längere Halbwertszeit
- Einfachere Verabreichung als Einzelbolus 2
Eine aktuelle Meta-Analyse (2025) zeigt, dass Tenecteplase und Alteplase bei akutem ischämischem Schlaganfall ein ähnliches Risiko für intrakranielle Blutungen aufweisen 3, was jedoch nicht direkt auf die Behandlung von bereits bestehenden IVH übertragen werden kann.
Praktische Anwendung und Dosierung
Bei experimenteller Anwendung von Thrombolytika bei IVH wurden folgende Dosierungen verwendet:
Risiken und Komplikationen
Die Hauptrisiken der intraventrikuären Thrombolyse umfassen:
- Symptomatische Blutungen (ca. 4%)
- Bakterielle Ventrikulitis (ca. 2%) 1
- Mortalität von etwa 17% in einer prospektiven Studie 1
Fazit
Die intraventrikuäre Verabreichung von Thrombolytika wie rt-PA bei IVH wird in den aktuellen Leitlinien als experimentell eingestuft. Für Tenecteplase speziell fehlen ausreichende Daten zur Anwendung bei IVH. Die Standardbehandlung für IVH bleibt die Ventrikeldrainange zur Behandlung des Hydrozephalus. Patienten mit IVH sollten vorzugsweise im Rahmen klinischer Studien mit Thrombolytika behandelt werden, um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapie zu bestätigen.