Dosierung von Alteplase zur intraventrikulären Lyse bei intraventrikulärer Blutung
Die empfohlene Dosierung von Alteplase zur intraventrikulären Lyse bei intraventrikulärer Blutung beträgt 1 mg alle 8 Stunden bis zu einer Maximaldosis von 12 mg. Diese niedrigdosierte Therapie zeigt eine vergleichbare Wirksamkeit wie höhere Dosierungen, bei einem günstigeren Sicherheitsprofil 1.
Hintergrund und Evidenz
Intraventrikuläre Blutungen (IVH) treten bei etwa 45% der Patienten mit spontanen intrazerebralen Blutungen auf und sind ein unabhängiger Faktor für eine schlechte Prognose 2. Die Mortalität steigt von 20% ohne IVH auf 51% mit IVH 2.
Dosierungsoptionen und Wirksamkeit
Die Forschung hat verschiedene Dosierungsschemata für die intraventrikuläre Fibrinolyse untersucht:
- Niedrigdosis-Schema: 1 mg Alteplase alle 8 Stunden (3 mg/Tag) bis zu einer Maximaldosis von 12 mg 1
- Hochdosis-Schema: 4 mg Alteplase alle 12 Stunden (8 mg/Tag) bis zu einer Maximaldosis von 20 mg 1
Eine direkte Vergleichsstudie dieser beiden Dosierungsschemata zeigte:
- Ähnliche Wirksamkeit bei der Auflösung von Blut im dritten und vierten Ventrikel
- Die Hochdosis-Gruppe zeigte eine schnellere Gesamtreduktion des Blutvolumens (Halbwertszeit: 56 ± 25 Stunden vs. 78 ± 43 Stunden, P=0,02)
- Kein signifikanter Unterschied im klinischen Outcome nach 3 Monaten 1
Die CLEAR III-Studie, eine große randomisierte kontrollierte Studie, verwendete bis zu 12 Dosen von 1 mg Alteplase im Abstand von 8 Stunden und zeigte:
- Keine signifikante Verbesserung des funktionellen Outcomes (mRS ≤3) im Vergleich zu Kochsalzlösung
- Signifikant niedrigere Sterblichkeit in der Alteplase-Gruppe (18% vs. 29%, p=0,006)
- Weniger Ventrikulitis (7% vs. 12%, p=0,048) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (46% vs. 60%, p=0,002) 3
Praktische Durchführung
- Ventrikulostomie: Platzierung einer externen Ventrikeldrainage (EVD) zur Behandlung des Hydrozephalus 2
- CT-Kontrolle: Vor Beginn der Fibrinolyse zur Bestätigung der korrekten EVD-Lage
- Alteplase-Verabreichung: 1 mg Alteplase alle 8 Stunden direkt in das Ventrikelsystem über die EVD
- Drainage-Management: Nach Alteplase-Gabe sollte die EVD für etwa 1 Stunde verschlossen werden, um die Wirkung des Fibrinolytikums zu maximieren
- Bildgebende Kontrolle: CT-Untersuchungen alle 24 Stunden zur Überwachung der Blutauflösung und zur Entscheidung über weitere Dosen 3
- Therapiedauer: Fortsetzung bis zur deutlichen Reduktion der intraventrikulären Blutung oder bis zur Maximaldosis von 12 mg
Komplikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Mögliche Komplikationen der intraventrikulären Fibrinolyse:
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Patienten mit großen parenchymatösen Blutungen (>30 ml)
- Gerinnungsstörungen
- Kürzlich durchgeführten neurochirurgischen Eingriffen
Überwachung und Follow-up
- Engmaschige neurologische Überwachung während der Therapie
- Tägliche CT-Kontrollen während der Behandlung
- Regelmäßige Kontrolle der Gerinnungsparameter
- Bei Verschlechterung des neurologischen Status sofortige CT-Untersuchung zum Ausschluss einer sekundären Blutung
Die Entscheidung für eine intraventrikuläre Fibrinolyse sollte die potenziellen Vorteile (schnellere Auflösung der Blutung, reduzierte Mortalität) gegen die möglichen Risiken (sekundäre Blutungen) abwägen. Die niedrigdosierte Therapie mit 1 mg Alteplase alle 8 Stunden bietet ein optimales Verhältnis von Wirksamkeit und Sicherheit.