Umstellung von Eliquis auf niedermolekulares Heparin bei einem Patienten mit Makrohämaturie nach Prostatektomie
Bei einem Patienten mit rezidivierender Makrohämaturie nach Prostatektomie und gleichzeitigem Vorhofflimmern ist eine Umstellung von Eliquis (Apixaban) auf ein niedermolekulares Heparin (Thrombosespritze) zu empfehlen, um das Blutungsrisiko zu reduzieren und gleichzeitig einen ausreichenden Thromboembolieschutz zu gewährleisten.
Patientenprofil und Risikofaktoren
Der Patient weist mehrere relevante Risikofaktoren auf:
- Vorhofflimmern mit Antikoagulation (Eliquis 5 mg 1-0-1)
- Zustand nach Prostatektomie
- Diabetes mellitus Typ 2 (insulinpflichtig)
- Hypertonie
- Anamnestisch Makrohämaturie mit Blasentamponaden und DK-Anlage
- Aktuell erneut Blutabgang im Urin nach Prostatektomie
Begründung für die Therapieumstellung
Blutungsrisiko vs. Thromboembolierisiko
- Die rezidivierende Makrohämaturie stellt eine relevante Blutungskomplikation dar
- Gleichzeitig besteht durch das Vorhofflimmern ein erhöhtes Thromboembolierisiko
- Eine Unterbrechung der Antikoagulation ist aufgrund des Thromboembolierisikos nicht empfehlenswert 1
Vorteile des niedermolekularen Heparins
Therapeutisches Vorgehen
Akute Phase mit aktiver Blutung
- Pausierung von Eliquis
- Urologische Abklärung der Blutungsquelle mittels Zystoskopie
- Behandlung der Blutungsursache (z.B. Koagulation von Blutungsquellen)
Nach Stabilisierung der Blutung
- Umstellung auf niedermolekulares Heparin in therapeutischer Dosierung (z.B. Enoxaparin)
- Dosisanpassung entsprechend Nierenfunktion und Körpergewicht 1
- Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion zur Dosisanpassung
Langfristige Strategie
- Reevaluation der Antikoagulation nach 4-6 Wochen
- Bei anhaltender Blutungsfreiheit kann eine Rückkehr zu einem DOAC erwogen werden, ggf. in reduzierter Dosierung
- Bei erneuter Blutung: Fortführung des niedermolekularen Heparins oder Erwägung eines Vitamin-K-Antagonisten mit niedrigem Ziel-INR (2,0-2,5) 1
Wichtige Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen
Bewertung des Thromboembolierisikos
- Ermittlung des CHA₂DS₂-VASc-Scores (Hypertonie, Diabetes und Alter sind bereits Risikofaktoren)
- Bei hohem Score (≥3) ist eine kontinuierliche Antikoagulation zwingend erforderlich 1
Monitoring
- Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion (besonders wichtig bei Diabetikern)
- Überwachung auf Anzeichen von Blutungen oder thromboembolischen Ereignissen
- Bei Verwendung von niedermolekularem Heparin über längere Zeit: Kontrolle des Thrombozytenverlaufs (Risiko einer heparininduzierten Thrombozytopenie) 1
Vorsichtsmaßnahmen bei der Umstellung
- Keine Überlappung zwischen Eliquis und niedermolekularem Heparin
- Erste Gabe des niedermolekularen Heparins 12-24 Stunden nach der letzten Eliquis-Dosis 1
Besondere Hinweise
- Die Makrohämaturie nach Prostatektomie kann auch andere Ursachen haben und sollte urologisch abgeklärt werden 2, 3
- Langfristig kann eine Reduktion der Antikoagulation auf die minimal effektive Dosis erwogen werden
- Bei Patienten mit Diabetes ist die Nierenfunktion besonders engmaschig zu kontrollieren, da dies die Dosierung des niedermolekularen Heparins beeinflusst
- Die Umstellung sollte in Absprache mit einem Kardiologen erfolgen, um das individuelle Thromboembolierisiko adäquat zu berücksichtigen
Die Umstellung auf ein niedermolekulares Heparin bietet in dieser Situation den besten Kompromiss zwischen Blutungsrisikoreduktion und Thromboembolieprophylaxe.