Therapie für Verspannungen und Spannungskopfschmerzen
Bei Schulter- und Masseterverspannungen mit resultierenden Spannungskopfschmerzen ist eine Kombination aus nichtmedikamentösen Maßnahmen und gezielter medikamentöser Therapie zu empfehlen, wobei Benzodiazepine nur kurzfristig eingesetzt werden sollten.
Nichtmedikamentöse Erstlinientherapie
- Physikalische Therapie: Die CDC und VA/DoD-Leitlinien empfehlen physikalische Therapie als wirksame Behandlung für Spannungskopfschmerzen und muskuloskelettale Verspannungen 1
- Bewegungstherapie: Regelmäßige aerobe Übungen oder progressives Krafttraining zur Prävention von Spannungskopfschmerzen 1, 2
- Entspannungstechniken:
- Stressmanagement-Techniken wie Yoga und Achtsamkeitsübungen
- Progressive Muskelentspannung speziell für die betroffenen Bereiche (Schultern, Kaumuskulatur)
- Optimierung der Schlafhygiene mit regelmäßigen Schlafzeiten 2
Medikamentöse Therapie
Akutbehandlung
Erstlinientherapie:
Zweitlinientherapie (bei unzureichendem Ansprechen):
- Kombination aus Paracetamol mit Koffein 2
Kurzfristiger Einsatz von Benzodiazepinen:
- Da Benzodiazepine laut Patientenangaben besser wirken als Tilidin und Etocrib, können diese für kurze Zeit (maximal 2-4 Wochen) eingesetzt werden 4
- Vorzugsweise kurzwirksame Benzodiazepine wie Oxazepam oder Lorazepam in niedriger Dosierung
- Strenge Überwachung der Anwendungshäufigkeit und -dauer wegen Abhängigkeitspotenzial
Prophylaktische Therapie (bei häufigen oder chronischen Beschwerden)
- Amitriptylin: Startdosis 10-25 mg abends, langsame Steigerung auf 50-100 mg täglich 2, 5
- Volle Wirksamkeit erst nach 3-4 Monaten zu erwarten
- Auf anticholinerge Nebenwirkungen achten, besonders bei älteren Patienten
- Muskelrelaxanzien: Tizanidin kann bei chronischen Spannungskopfschmerzen erwogen werden 4
Interventionelle Verfahren (bei therapieresistenten Beschwerden)
- Nervenblockaden: Suprascapularis-Nervenblockade kann bei therapieresistenten Schulterschmerzen erwogen werden 1
- Botulinum-Toxin-Injektionen: Können bei ausgeprägter Muskelhypertonie in den Schultern hilfreich sein 1
Zu vermeidende Therapien
- Opioidanalgetika wie Tilidin sollten vermieden werden wegen des Risikos für:
- Übermäßiger Gebrauch von Akutmedikation: Nicht mehr als zweimal wöchentlich, um medikamenteninduzierte Kopfschmerzen zu vermeiden 2
- Overhead-Zugübungen für die Schulter werden nicht empfohlen 1
Therapiealgorithmus
- Beginnen mit nichtmedikamentösen Maßnahmen (Physiotherapie, Bewegung, Entspannungstechniken)
- Ergänzen mit Akutmedikation bei Bedarf (Ibuprofen oder Paracetamol)
- Bei unzureichendem Ansprechen: Kurzzeitige Anwendung von Benzodiazepinen (max. 2-4 Wochen)
- Bei häufigen Beschwerden (≥2 Tage/Monat): Prophylaktische Therapie mit Amitriptylin erwägen
- Bei therapieresistenten Beschwerden: Interventionelle Verfahren wie Nervenblockaden oder Botulinum-Toxin-Injektionen
Wichtige Hinweise
- Regelmäßige Überprüfung der Medikamenteneinnahme, um Übergebrauch zu vermeiden
- Dokumentation von Häufigkeit, Schwere und Auslösern der Kopfschmerzen
- Bildgebung nur bei atypischen Symptomen oder neurologischen Auffälligkeiten erwägen
- Benzodiazepine nur als Überbrückung einsetzen, während langfristige Strategien entwickelt werden