Akute Behandlung von Hämorrhoiden-Blutungen
Bei akuten Hämorrhoiden-Blutungen ist die Anwendung von Adrenalin-getränkten Tupfern nicht die empfohlene Erstbehandlung. Stattdessen sollte eine konservative Therapie mit Sitzbädern, Ballaststoffzufuhr und bei Bedarf lokalen Medikamenten eingeleitet werden. 1
Initiale Beurteilung und Behandlung
Bei einem Patienten mit Hämorrhoiden-Blutung sollte zunächst folgendes durchgeführt werden:
- Gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung einschließlich digitaler rektaler Untersuchung, um andere Ursachen einer unteren gastrointestinalen Blutung auszuschließen 1
- Beurteilung der Vitalzeichen, Bestimmung von Hämoglobin und Hämatokrit sowie Gerinnungsparametern zur Einschätzung des Schweregrads der Blutung 1
- Anoskopie als Teil der körperlichen Untersuchung, wenn durchführbar und gut verträglich 1
Behandlungsalgorithmus
1. Konservative Maßnahmen (Erste Wahl):
- Sitzbäder 2-3 mal täglich
- Erhöhte Ballaststoffzufuhr (25-30g täglich)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Vermeidung von Pressen beim Stuhlgang
- Vermeidung von längerem Sitzen 1
2. Medikamentöse Therapie:
- Lokale Muskelrelaxantien können in Betracht gezogen werden 1
- Bei leichter bis mittelschwerer Proktitis/internen Hämorrhoiden: 5-ASA-Zäpfchen 1g täglich 1
- Bei Nicht-Ansprechen: Hydrocortison-Zäpfchen 1
- Osmotische Abführmittel wie Polyethylenglykol (PEG) 17g mit 240ml Wasser zweimal täglich 1
3. Ambulante Verfahren bei anhaltenden Symptomen:
- Gummiband-Ligatur (erste Wahl bei Grad I-III Hämorrhoiden) - löst Symptome bei 89% der Patienten 1, 2
- Sklerotherapie (70-85% kurzfristige Wirksamkeit) 1, 2
- Infrarot-Koagulation (70-80% Erfolg bei der Reduzierung von Blutungen und Prolaps) 2
4. Chirurgische Eingriffe:
- Exzisionshämorrhoidektomie für therapieresistente oder Grad III-IV Hämorrhoiden 1, 2
- Bei akut thrombosierten externen Hämorrhoiden: ambulante Gerinnselentfernung innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn 3
Besondere Situationen
- Schwere Blutung: Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe durchführen 1
- Immunsupprimierte Patienten: Höheres Infektionsrisiko bei jeglichem Eingriff, sorgfältige Bewertung und Management erforderlich 1
- Schwangere Frauen: Nach Möglichkeit konservative Behandlung, Operation nur bei absoluter Notwendigkeit 1
- Patienten mit Leberzirrhose oder portaler Hypertension: Besondere Vorsicht, da anale Varizen von Hämorrhoiden unterschieden werden müssen 4
Wichtige Hinweise und häufige Fallstricke
- Hämorrhoiden allein verursachen kein positives Ergebnis beim Stuhl-Guajak-Test. Bei positivem Test sollte der Dickdarm angemessen untersucht werden 4
- Anämie aufgrund von Hämorrhoidalerkrankungen ist selten (0,5 Patienten/100.000 Einwohner) 4
- Dunkles Blut und mit Stuhl vermischtes Blut deuten auf eine proximalere Blutungsquelle hin 4
- Verwechslung mit anderen Erkrankungen wie Analfissur, perianaler Abszess oder rektalen Varizen vermeiden 4, 1
- Nach Hämorrhoidektomie auf Komplikationen achten: Blutungen (0,03-6%), Harnverhalt (2-36%), Infektion (0,5-5%) 1
Die Anwendung von Adrenalin-getränkten Tupfern ist in den aktuellen Leitlinien nicht als Standardbehandlung für Hämorrhoiden-Blutungen aufgeführt und sollte daher nicht als erste Maßnahme eingesetzt werden.