Dauer der antiepileptischen Therapie bei akut symptomatischem Anfall im Rahmen einer intracerebralen Blutung nach Schädel-Hirn-Trauma
Bei akut symptomatischen Anfällen nach intracerebraler Blutung bei Schädel-Hirn-Trauma wird keine längerfristige antiepileptische Therapie empfohlen, sondern nur eine kurzzeitige Behandlung (≤ 7 Tage) bei nachgewiesenen Anfällen. 1, 2
Evidenzbasierte Empfehlungen zur Anfallsbehandlung
Akute Anfälle vs. Prophylaxe
- Die prophylaktische Gabe von Antiepileptika bei Patienten mit intracerebraler Blutung wird nicht empfohlen 1
- Bei nachgewiesenen klinischen oder elektroenzephalographischen Anfällen ist eine kurzzeitige Behandlung (≤ 7 Tage) angezeigt 2
- Die Inzidenz von Anfällen nach intracerebraler Blutung liegt bei etwa 6-15%, wobei die meisten in den ersten 72 Stunden auftreten 3
- Mit kontinuierlichem EEG können subklinische oder nicht-konvulsive Anfälle bei bis zu 30% der Patienten nachgewiesen werden 3
Medikamentenwahl
- Falls eine antiepileptische Therapie notwendig ist, sollte Levetiracetam gegenüber Phenytoin bevorzugt werden 2
- Phenytoin wurde mit mehr Fieber und schlechteren Outcomes nach intracerebraler Blutung in Verbindung gebracht 4
- Levetiracetam zeigt eine ähnliche Wirksamkeit wie Valproat bei der Kontrolle von Anfällen mit weniger Nebenwirkungen 5
Dauer der Therapie
- Bei Patienten mit akut symptomatischen Anfällen sollte die antiepileptische Therapie kurz gehalten werden (≤ 7 Tage) 2
- Eine längere Therapie (> 7 Tage) hat keinen nachgewiesenen Nutzen und kann mit mehr unerwünschten Ereignissen verbunden sein 2
- Die Fortsetzung der antiepileptischen Therapie nach der Entlassung sollte vermieden werden, wenn keine klare Indikation vorliegt 6
Risikofaktoren für Anfälle nach intracerebraler Blutung
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für Anfälle und könnten eine engmaschigere Überwachung rechtfertigen:
- Kortikale Lokalisation der Blutung
- Vorhandensein einer intraventrikulären Blutung
- Größeres Blutungsvolumen
- Anamnese von Alkoholmissbrauch 3
- Kraniektomie 1
Monitoring und Diagnostik
- Bei Patienten mit verändertem Bewusstseinszustand, der nicht im Verhältnis zum Ausmaß der Hirnverletzung steht, sollte ein kontinuierliches EEG für mindestens 24-48 Stunden durchgeführt werden 1, 5
- Elektroenzephalographische Anfälle können bei 28% der Patienten erst nach mindestens 24 Stunden kontinuierlicher Überwachung erkannt werden 1
- Bei komatösen Patienten benötigen 36% eine kontinuierliche EEG-Überwachung für >24 Stunden, um den ersten Anfall zu erkennen 1
Wichtige Hinweise zur klinischen Praxis
- Frühe Anfälle (innerhalb von 7 Tagen nach dem Ereignis) wurden nicht mit einem schlechteren neurologischen Outcome oder erhöhter Mortalität in Verbindung gebracht 1
- Retrospektive Daten deuten darauf hin, dass die prophylaktische Anwendung von Antiepileptika mit einem schlechteren Outcome verbunden sein könnte 1
- Die Behandlung sollte auf nachgewiesene klinische oder elektroenzephalographische Anfälle beschränkt werden, nicht auf prophylaktische Gabe 1
- Risikoscores wie der CAVE-Score können verwendet werden, um das Risiko für späte Anfälle (>7 Tage nach intracerebraler Blutung) einzuschätzen, sollten jedoch nicht zur Steuerung der Fortsetzung von Antiepileptika verwendet werden 1
Die aktuelle Evidenz unterstützt somit eine kurzzeitige antiepileptische Therapie (≤ 7 Tage) bei nachgewiesenen Anfällen, aber keine längerfristige prophylaktische Behandlung bei Patienten mit intracerebraler Blutung nach Schädel-Hirn-Trauma.