Verringert Paracetamol die Immunantwort nach der Grippeimpfung?
Paracetamol (Acetaminophen) verringert die Immunantwort nach Grippeimpfung und sollte daher nicht routinemäßig prophylaktisch bei der Impfung eingesetzt werden, es sei denn, es gibt spezifische Gründe dafür.
Auswirkungen von Paracetamol auf die Immunantwort
- Die prophylaktische Gabe von Paracetamol zum Zeitpunkt der Impfung kann die Antikörperantwort auf verschiedene Impfantigene signifikant reduzieren 1
- Bei Kindern wurde nachgewiesen, dass die prophylaktische Gabe von Paracetamol zu signifikant niedrigeren Antikörper-geometrischen Mittelkonzentrationen (GMCs) führt, was die Wirksamkeit des Impfschutzes beeinträchtigen könnte 1
- Diese verringerte Antikörperantwort blieb auch nach Auffrischungsimpfungen bestehen 1
Wirkung auf Nebenwirkungen der Impfung
- Paracetamol reduziert effektiv Fieberreaktionen nach Impfungen 1
- Die Inzidenz von Armschmerzen an der Injektionsstelle wurde bei Erwachsenen um 25-28% reduziert 2
- Die Rate von Übelkeit nach Impfung wurde um bis zu 90% reduziert 2
Unterschiedliche Ergebnisse bei verschiedenen Altersgruppen
- Bei älteren Erwachsenen wurde in einigen Studien keine Beeinträchtigung der Immunantwort durch Paracetamol festgestellt 3
- Eine Studie mit gesunden und gebrechlichen älteren Erwachsenen zeigte, dass Paracetamol die Antikörperantwort auf den Grippeimpfstoff weder unterdrückte noch verstärkte 3
Empfehlungen für die klinische Praxis
- Aufgrund der möglichen Beeinträchtigung der Immunantwort sollte die routinemäßige prophylaktische Gabe von Paracetamol zum Zeitpunkt der Impfung nicht empfohlen werden 1
- Paracetamol kann bei Auftreten von Symptomen nach der Impfung therapeutisch eingesetzt werden, ohne den bereits entwickelten Impfschutz zu beeinträchtigen 4
- Bei Personen mit bekannten starken Impfreaktionen oder bei Hochrisikogruppen kann eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung für die prophylaktische Gabe erfolgen 2
Besondere Überlegungen
- Bei Kindern, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft werden, ist besondere Vorsicht geboten, da sie möglicherweise zwei Dosen benötigen und eine optimale Immunantwort wichtig ist 5
- Bei immunsupprimierten Patienten sollte die Verwendung von Paracetamol besonders sorgfältig abgewogen werden, da diese Gruppe bereits ein erhöhtes Risiko für eine verminderte Impfantwort hat 5
Fazit für die Praxis
- Paracetamol sollte nicht routinemäßig prophylaktisch bei Grippeimpfungen eingesetzt werden
- Bei auftretenden Symptomen nach der Impfung kann Paracetamol therapeutisch eingesetzt werden
- Die Entscheidung für eine prophylaktische Gabe sollte auf individuellen Faktoren basieren und die mögliche Verringerung der Immunantwort gegen den Nutzen der Symptomlinderung abwägen