Laborergebnisse zeigen keine aktive Borreliose - keine antibiotische Therapie erforderlich
Basierend auf den vorliegenden Laborwerten ist keine antibiotische Therapie indiziert, da keine aktive Borreliose-Infektion nachgewiesen wurde. 1
Analyse der Laborwerte
- Der Borrelia burgdorferi IgG-Antikörperwert liegt mit 13 AU/ml im grenzwertigen Bereich (10-15 AU/ml), was auf einen früheren Kontakt mit dem Erreger hindeuten könnte, aber keine aktive Infektion beweist 1
- Der Borrelia burgdorferi IgM-Antikörperwert ist mit <0,1 Index eindeutig negativ, was gegen eine akute Infektion spricht 1
- Der HLA-B27-Test ist negativ, was eine genetische Prädisposition für ankylosierende Spondylitis unwahrscheinlich macht 1
- Das CRP ist mit <1,0 mg/l nicht erhöht, was gegen einen aktuellen entzündlichen Prozess spricht 1
- Die BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) ist mit 5 mm/h normal und spricht ebenfalls gegen eine aktive Entzündung 1
Auffälligkeiten im Blutbild
- Erhöhte Leukozytenzahl (15,4 Tsnd/µl) mit Neutrophilie (10,8 Tsnd/µl) und leicht erhöhten Monozyten (1,06 Tsnd/µl) könnte auf einen anderen infektiösen oder entzündlichen Prozess hindeuten, ist aber nicht spezifisch für eine Borreliose 1
- Alle anderen Blutwerte (Erythrozyten, Hämoglobin, Thrombozyten, Kalzium, Harnsäure, Lipase) liegen im Normbereich
Diagnostische Bewertung
- Bei Verdacht auf Borreliose ist die serologische Testung der Standard, wobei ein zweistufiges Testverfahren empfohlen wird 1, 2, 3
- Der grenzwertige IgG-Wert bei negativem IgM spricht eher für einen früheren Kontakt mit Borrelien als für eine aktive Infektion 1, 2
- Die Leitlinien empfehlen, dass bei unspezifischen Symptomen ohne klare klinische oder epidemiologische Hinweise auf Borreliose keine routinemäßige Testung erfolgen sollte 1
Therapieempfehlung
- Bei fehlendem Nachweis einer aktiven Borreliose-Infektion wird keine antibiotische Therapie empfohlen 1
- Die Leitlinien der IDSA, AAN und ACR raten ausdrücklich von einer antibiotischen Therapie bei Patienten mit anhaltenden oder wiederkehrenden unspezifischen Symptomen ab, wenn keine objektiven Anzeichen einer Reinfektion oder eines Therapieversagens vorliegen 1
- Bei grenzwertigem IgG-Befund könnte ein Immunoblot weitere diagnostische Hinweise liefern, falls klinisch indiziert 2
Wichtige Hinweise und Fallstricke
- Eine Borreliose kann trotz negativer Serologie nicht vollständig ausgeschlossen werden, besonders in sehr frühen Stadien der Infektion 1
- Die Diagnose einer Borreliose sollte primär auf klinischen Manifestationen basieren, wobei die dermatologischen Manifestationen (insbesondere Erythema migrans) am spezifischsten sind 4
- Persistierende Symptome nach adäquater Therapie einer Borreliose sollten nicht automatisch mit einer fortbestehenden Infektion gleichgesetzt werden 1, 5
- Die Leukozytose sollte weiter abgeklärt werden, da sie auf einen anderen infektiösen oder entzündlichen Prozess hindeuten könnte 1
Bei den vorliegenden Laborwerten ist eine antibiotische Therapie nicht indiziert, da keine aktive Borreliose nachgewiesen wurde. Die erhöhten Leukozyten sollten jedoch weiter abgeklärt werden, um andere mögliche Ursachen zu identifizieren.