Zeitpunkt für den Beginn einer adjuvanten Chemotherapie nach Weichteilsarkom-Operation
Die adjuvante Chemotherapie sollte innerhalb von 8 Wochen nach der Resektion eines Weichteilsarkoms begonnen werden. 1
Leitlinienempfehlungen zum Zeitpunkt der adjuvanten Chemotherapie
- Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt, dass die adjuvante Chemotherapie innerhalb von 8 Wochen nach der Resektion eines Weichteilsarkoms begonnen werden sollte 1
- Diese Empfehlung basiert auf Erfahrungen aus der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms, da keine spezifischen Daten für den optimalen Zeitrahmen bei Weichteilsarkomen vorliegen 1
- Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) empfiehlt ebenfalls, die adjuvante Therapie so früh wie möglich nach der Operation zu beginnen 1, 2
Faktoren, die den Zeitpunkt des Beginns beeinflussen
- Die postoperative Erholung des Patienten ist ein wichtiger Faktor für den Beginn der adjuvanten Chemotherapie 2
- Bei Komplikationen wie verzögerter Wundheilung kann der Beginn der adjuvanten Therapie angemessen verzögert werden, sollte aber 8-12 Wochen nach der Operation nicht überschreiten 1, 2
- Der Zeitraum zwischen dem Ende einer präoperativen Strahlentherapie und der Operation oder zwischen der Operation und dem Beginn einer postoperativen Strahlentherapie sollte 4-6 Wochen betragen 1
Indikationen für adjuvante Chemotherapie bei Weichteilsarkomen
- Adjuvante Chemotherapie ist keine Standardbehandlung bei Weichteilsarkomen, kann aber bei Hochrisikopatienten in Betracht gezogen werden 1, 3
- Als Hochrisikopatienten gelten solche mit G2-3 (hochgradig), tiefliegenden, >5 cm großen Tumoren 1
- Die adjuvante Chemotherapie sollte nicht bei histologischen Subtypen eingesetzt werden, die bekanntermaßen nicht auf Chemotherapie ansprechen (z.B. atypische lipomatöse Tumoren, Klarzellsarkome) 1
Chemotherapie-Regime
- Die adjuvante Chemotherapie sollte aus vier Zyklen Cisplatin oder Carboplatin plus Etoposid bestehen 1
- Bei Hochrisikopatienten werden Anthrazyklin-basierte Regime (z.B. Doxorubicin) in Kombination mit Ifosfamid empfohlen 1, 4
- Die italienische randomisierte kooperative Studie zeigte einen Überlebensvorteil für Hochrisikopatienten mit Extremitätensarkomen, die mit Epirubicin und Ifosfamid behandelt wurden 4
Evidenz zur Wirksamkeit der adjuvanten Chemotherapie
- Meta-Analysen deuten auf einen Vorteil von 5-10% hinsichtlich des Überlebens und der Fernrezidivrate hin 5, 6
- Die italienische randomisierte Studie zeigte einen signifikanten Vorteil im krankheitsfreien Überleben (48 vs. 16 Monate) und Gesamtüberleben (75 vs. 46 Monate) für Patienten, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten 4
- Der absolute Nutzen der Chemotherapie für das Gesamtüberleben betrug 13% nach 2 Jahren und stieg auf 19% nach 4 Jahren 4
Besondere Überlegungen
- Bei nicht-resezierbaren Tumoren oder solchen, die nur durch mutilierende Chirurgie entfernt werden können, können Chemotherapie und/oder Strahlentherapie, isolierte hypertherme Extremitätenperfusion oder regionale Hyperthermie kombiniert mit Chemotherapie als Optionen in Betracht gezogen werden 1, 3
- Die Entscheidung für eine adjuvante Chemotherapie sollte in einem multidisziplinären Tumorboard diskutiert werden 1
- Bei retroperitonealen Sarkomen ist die Evidenz für den Nutzen einer perioperativen Chemotherapie begrenzt 1