Neoadjuvante vs. Adjuvante Chemotherapie bei einem lokalisierten UPS Sarkom
Bei einem lokalisierten undifferenzierten pleomorphen Sarkom (UPS) gibt es keinen eindeutigen Vorteil für neoadjuvante gegenüber adjuvanter Chemotherapie hinsichtlich des Überlebens, jedoch kann eine neoadjuvante Chemotherapie bei Hochrisiko-Tumoren bevorzugt werden, um die Resektabilität zu verbessern.
Aktuelle Leitlinienempfehlungen
- Weder neoadjuvante noch adjuvante Chemotherapie werden als Standardbehandlung für alle lokalisierten UPS-Sarkome empfohlen, da keine ausreichende Evidenz für einen klaren Überlebensvorteil vorliegt 1
- Die perioperative Chemotherapie (neoadjuvant oder adjuvant) sollte nur bei Hochrisiko-Patienten in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Tumoren mit hohem Grad (Grad 3), großer Größe (≥5 cm) und tiefer Lage 1
- Neoadjuvante Chemotherapie kann bei Tumoren mit Grenzen zur Resektabilität oder zur Verkleinerung des Tumors vor der Operation erwogen werden 1
Neoadjuvante Chemotherapie: Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- Kann die Resektabilität von Tumoren mit ungünstiger anatomischer Lage verbessern 1
- Ermöglicht die Beurteilung des Ansprechens auf die Chemotherapie (histologisches Ansprechen) 1
- Kann bei gutem histologischem Ansprechen (>90% Nekrose) mit verbesserten Überlebensraten assoziiert sein 1
- Kann die Notwendigkeit von radikalen Operationen reduzieren und die Funktionalität verbessern 2
Nachteile:
- Verzögerung der definitiven chirurgischen Behandlung 1
- Mögliche postoperative Komplikationen, abhängig vom Intervall zwischen Chemotherapieende und Operation 1
- Keine eindeutige Verbesserung des Gesamtüberlebens im Vergleich zur alleinigen Operation bei bestimmten Sarkom-Subtypen 1
Adjuvante Chemotherapie: Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- Keine Verzögerung der definitiven chirurgischen Behandlung 1
- Kann bei bestimmten Hochrisiko-Patienten mit UPS das Gesamtüberleben verbessern 3
- Besonders wirksam bei Tumoren zwischen 10 und 15 cm Größe (5-Jahres-Gesamtüberleben: 79,5% vs. 66,8%, P=0,003) 3
Nachteile:
- Keine Möglichkeit zur Beurteilung des Tumoransprechens vor der Operation 1
- Kein eindeutiger Überlebensvorteil bei kleineren Tumoren (<5 cm) 3
Empfehlungen basierend auf Tumorcharakteristika
- Tumorgröße <5 cm: Weder neoadjuvante noch adjuvante Chemotherapie zeigen einen signifikanten Überlebensvorteil 3
- Tumorgröße 5-10 cm: Adjuvante Chemotherapie kann einen moderaten Nutzen bieten (5-Jahres-OS: 87% vs. 80%, P=0,06) 3
- Tumorgröße 10-15 cm: Adjuvante Chemotherapie zeigt den größten Überlebensvorteil (5-Jahres-OS: 79,5% vs. 66,8%, P=0,003) 3
- Tumorgröße ≥15 cm: Moderater Nutzen durch adjuvante Chemotherapie (5-Jahres-OS: 60,7% vs. 49,5%, P=0,08) 3
- Grenzwertig resektable Tumoren: Neoadjuvante Chemotherapie kann zur Verbesserung der Resektabilität erwogen werden 1
Chemotherapie-Regime
- Die Kombination aus Anthrazyklinen (Doxorubicin) und Ifosfamid gilt als Standard-Chemotherapieregime für UPS 4, 5
- Eine randomisierte Phase-III-Studie zeigte, dass histologisch angepasste neoadjuvante Chemotherapieregime keinen Vorteil gegenüber der Standard-Kombination aus Anthrazyklinen und Ifosfamid bei Hochrisiko-Weichteilsarkomen bieten 5
- Bei UPS wurde speziell die Kombination aus Gemcitabin und Docetaxel als histologisch angepasste Therapie untersucht, zeigte jedoch keinen Vorteil gegenüber der Standardtherapie 5
Praktische Empfehlungen
- Die Entscheidung für eine neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie sollte in einem multidisziplinären Tumorboard an einem spezialisierten Sarkomzentrum getroffen werden 1
- Bei Hochrisiko-UPS mit einer Größe zwischen 10-15 cm sollte eine adjuvante Chemotherapie in Betracht gezogen werden, da hier der größte Überlebensvorteil gezeigt wurde 3
- Bei grenzwertig resektablen Tumoren oder wenn eine Funktionserhaltung wichtig ist, kann eine neoadjuvante Chemotherapie bevorzugt werden 1, 2
- Das empfohlene Standardregime ist die Kombination aus Anthrazyklinen (Doxorubicin) und Ifosfamid 4, 5
- Die Beurteilung des histologischen Ansprechens nach neoadjuvanter Chemotherapie kann prognostische Informationen liefern und die weitere Behandlungsstrategie beeinflussen 1
Besondere Überlegungen
- Die Evidenz für die Wirksamkeit von Chemotherapie bei retroperitonealen Sarkomen ist begrenzt und zeigt keinen eindeutigen Überlebensvorteil 1
- Aktuelle Leitlinien empfehlen die Teilnahme an klinischen Studien für Patienten mit lokalisierten UPS, die für eine perioperative Chemotherapie in Frage kommen 1
- Die Toxizität der Chemotherapie muss gegen den potenziellen Nutzen abgewogen werden, insbesondere bei älteren Patienten oder solchen mit Komorbiditäten 1