Anzahl der Chemotherapiezyklen bei neoadjuvanter vs. adjuvanter Behandlung bei lokalisiertem undifferenzierten pleomorphen Sarkom (UPS)
Bei lokalisiertem undifferenzierten pleomorphen Sarkom (UPS) werden in der neoadjuvanten Chemotherapie typischerweise 3 Zyklen empfohlen, während in der adjuvanten Situation 3-4 Zyklen üblich sind, basierend auf aktuellen Leitlinien. 1
Neoadjuvante Chemotherapie
- Die neoadjuvante Chemotherapie wird bevorzugt mit mindestens 3 Zyklen einer Anthrazyklin-Ifosfamid-Kombination (AI) durchgeführt, basierend auf einer randomisierten Studie, die die Nicht-Unterlegenheit dieses kürzeren Regimes im Vergleich zu 5 Zyklen gezeigt hat 1
- Die ESMO-EURACAN-GENTURIS-Leitlinien empfehlen die neoadjuvante Chemotherapie bei Hochrisiko-Patienten mit einem vorhergesagten 10-Jahres-Gesamtüberleben von <60% 1
- Die neoadjuvante Chemotherapie ermöglicht die Beurteilung des Tumoransprechens vor der Operation, was prognostische Informationen liefern und die weitere Behandlungsstrategie beeinflussen kann 2
- Während der neoadjuvanten Chemotherapie sollte das Tumorverhalten überwacht werden, um ein Fortschreiten auszuschließen, wobei auch nicht-dimensionale Ansprechmuster berücksichtigt werden sollten 1
Adjuvante Chemotherapie
- In der adjuvanten Situation werden typischerweise 3-4 Zyklen einer Anthrazyklin-basierten Chemotherapie empfohlen 1
- Die adjuvante Chemotherapie kann das Gesamtüberleben bei Patienten mit lokalisierten UPS verbessern, insbesondere bei Tumoren ≥5 cm, wobei der Nutzen bei Tumoren von 10 bis <15 cm am stärksten ausgeprägt ist 3
- Eine populationsbasierte Kohortenstudie zeigte, dass die adjuvante Chemotherapie das Gesamtüberleben bei Patienten mit lokalisiertem UPS verbessern kann (5-Jahres-OS: 82,3% vs. 78,6%, P = 0,03) 3
Vergleich neoadjuvant vs. adjuvant
- Die neoadjuvante Chemotherapie wird gegenüber der adjuvanten Chemotherapie aufgrund höherwertiger Evidenzdaten bevorzugt 1
- Die neoadjuvante Chemotherapie bietet den Vorteil, dass die Tumorresektabilität verbessert werden kann, insbesondere bei Tumoren mit ungünstiger anatomischer Lage 2
- Die adjuvante Chemotherapie verzögert nicht die definitive chirurgische Behandlung, ermöglicht jedoch keine Beurteilung des Tumoransprechens vor der Operation 2
Besondere Überlegungen
- Die Entscheidung für eine neoadjuvante oder adjuvante Chemotherapie sollte in einem multidisziplinären Tumorboard an einem spezialisierten Sarkomzentrum getroffen werden 2
- Die Toxizität der Chemotherapie muss gegen den potenziellen Nutzen abgewogen werden, insbesondere bei älteren Patienten oder solchen mit Komorbiditäten 2
- Bei Patienten mit retroperitonealem Sarkom ist die Evidenz für die Wirksamkeit der Chemotherapie begrenzt und zeigt keinen eindeutigen Überlebensvorteil 1
- Eine Ifosfamid-Doxorubicin-Kombination kann bei jüngeren Patienten mit hochgradigem UPS >5 cm an Rumpf oder Extremitäten von Vorteil sein 4
Praktische Empfehlungen
- Für Hochrisiko-Patienten mit UPS wird die neoadjuvante Chemotherapie mit 3 Zyklen einer Anthrazyklin-Ifosfamid-Kombination empfohlen 1
- Bei adjuvanter Behandlung werden 3-4 Zyklen einer Anthrazyklin-basierten Chemotherapie empfohlen 1
- Die Beurteilung des histologischen Ansprechens nach neoadjuvanter Chemotherapie kann prognostische Informationen liefern und die weitere Behandlungsstrategie beeinflussen 2
- Ein gutes histologisches Ansprechen (>90% Nekrose) kann mit verbesserten Überlebensraten assoziiert sein 2