Haldol oder Atosil für Agitation: Welches Medikament ist besser?
Für die Behandlung von Agitation ist Haldol (Haloperidol) aufgrund seiner besseren Evidenzbasis und Wirksamkeit dem Atosil (Promethazin) vorzuziehen, besonders wenn Promethazin als Monotherapie eingesetzt werden soll. 1
Evidenzbasierte Empfehlungen
- Haloperidol hat die beste Evidenzbasis unter den konventionellen Antipsychotika zur Behandlung von Agitation und wird in zahlreichen Studien seit 1973 unterstützt 1
- Promethazin (Atosil) wird in den Leitlinien hauptsächlich als Kombinationspräparat mit Haloperidol erwähnt, nicht als Monotherapie für Agitation 1
- Benzodiazepine und Antipsychotika sind die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe zur Kontrolle agitierter Patienten 1
Behandlungsalgorithmus
Für unspezifische Agitation (ohne bekannte psychiatrische Diagnose):
- Erste Wahl: Benzodiazepine (Lorazepam 2-4 mg oder Midazolam) oder konventionelle Antipsychotika (Haloperidol) als Monotherapie 1
- Bei Bedarf schneller Sedierung: Droperidol wäre vorzuziehen, jedoch aufgrund der FDA-Warnung ist Haloperidol oft die praktische Alternative 1
- Bei kooperativen Patienten: Kombination aus oralem Benzodiazepin (Lorazepam) und oralem Antipsychotikum (Risperidon) 1
Für Agitation bei bekannter psychiatrischer Erkrankung:
- Ein Antipsychotikum (typisch oder atypisch) als Monotherapie wird empfohlen 1
- Haloperidol 5 mg ist eine etablierte Standarddosis 1
Vergleich der Medikamente
Haloperidol (Haldol):
- Wirkt gezielt beruhigend ohne übermäßige Sedierung 2
- Dosierung: 2,5-5 mg (bei älteren Patienten 0,5-1 mg) 3, 4
- Nebenwirkungen: Extrapyramidale Symptome (EPS) 5
Promethazin (Atosil):
- Hauptsächlich als Antihistaminikum mit sedierenden Eigenschaften 2
- Wird in der Evidenz vorwiegend als Zusatz zu Haloperidol verwendet, um dessen EPS-Risiko zu reduzieren 2
- Die Kombination Haloperidol + Promethazin zeigt in Studien eine geringere Wirksamkeit als Haloperidol + Midazolam oder Olanzapin 5
Wichtige klinische Überlegungen
- Vor der medikamentösen Behandlung sollten verbale und verhaltensorientierte Deeskalationsstrategien versucht werden 1
- Bei medizinisch bedingter Agitation (z.B. Delir) sollten reversible Ursachen identifiziert und behandelt werden 1
- Bei älteren Patienten sind niedrigere Dosen Haloperidol (≤0,5 mg) ebenso wirksam wie höhere Dosen, aber mit weniger Nebenwirkungen verbunden 3, 4
- Eine neuere Studie zeigt, dass Midazolam und Olanzapin eine schnellere und effektivere Sedierung als Haloperidol bewirken können 6
Vorsichtsmaßnahmen
- Vorsicht bei Patienten mit Vergiftungen durch anticholinerge oder sympathomimetische Substanzen, da Antipsychotika und Antihistaminika die Agitation durch ihre anticholinergen Nebenwirkungen verstärken können 1
- Alle untersuchten Antipsychotika verlängern das QTc-Intervall, überschreiten jedoch in der Regel nicht den klinisch signifikanten Schwellenwert von 500 ms 1
- Die Kombination Haloperidol + Promethazin ist mit einem höheren Risiko für extrapyramidale Symptome verbunden und sollte als Zweitlinienoption betrachtet werden 5