Behandlung bei Karotisstenose und Vorhofflimmern
Bei einem Patienten mit Karotisstenose und Vorhofflimmern sollte eine Karotisrevaskularisation (Endarteriektomie oder Stenting) zusätzlich zur oralen Antikoagulation durchgeführt werden, wenn die Karotisstenose symptomatisch und >50% ist. 1
Bewertung des Schlaganfallrisikos
- Das Schlaganfallrisiko sollte mit dem CHA₂DS₂-VASc-Score beurteilt werden, wobei Patienten mit Vorhofflimmern und Karotisstenose in der Regel ein erhöhtes Risiko aufweisen 1
- Die Kombination von Vorhofflimmern und Karotisstenose stellt ein besonders hohes Risiko für ischämische Ereignisse dar, was eine aggressive Behandlungsstrategie rechtfertigt 1
Behandlungsstrategie
Für symptomatische Karotisstenose (>50%):
- Karotisrevaskularisation (Endarteriektomie oder Stenting) zusätzlich zur oralen Antikoagulation wird empfohlen 1
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist die Karotisendarteriektomie gegenüber dem Stenting zu bevorzugen, um die Notwendigkeit einer Triple-Therapie zu vermeiden 1
- Nach der Revaskularisation sollte eine orale Antikoagulation ohne langfristige Thrombozytenaggregationshemmung fortgesetzt werden 1
- Kurzfristige begleitende Thrombozytenaggregationshemmung (dual oder mono) wird in der unmittelbaren Zeit nach der Revaskularisation (z.B. 1-3 Monate) eingesetzt 1
Für asymptomatische Karotisstenose:
- Bei asymptomatischer Karotisstenose und Vorhofflimmern sollte der Patient mit einem Statin und einem oralen Antikoagulans behandelt werden, ohne zusätzliche Thrombozytenaggregationshemmung 1
Wahl des Antikoagulans
- Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) werden gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) bevorzugt 1
- Bei Patienten mit mechanischen Herzklappen wird Warfarin mit einer Ziel-INR von 2,0-3,0 oder 2,5-3,5 empfohlen, abhängig von Typ und Lokalisation der Prothese 1
- Bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und einem CHA₂DS₂-VASc-Score ≥2 wird eine orale Antikoagulation empfohlen 1
Wichtige Überlegungen
- Die Kombination von Thrombozytenaggregationshemmern mit oraler Antikoagulation wird für die Prävention von ischämischen Schlaganfällen bei Vorhofflimmern nicht empfohlen, da sie das Blutungsrisiko erhöht ohne zusätzlichen Nutzen 1
- Nach einem ischämischen Schlaganfall sollte die orale Antikoagulation in der Regel innerhalb von 2 Wochen begonnen werden, der optimale Zeitpunkt innerhalb dieses Zeitraums ist jedoch nicht bekannt 1
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern und kürzlichem Schlaganfall sollte die Größe des Infarkts berücksichtigt werden, um den optimalen Zeitpunkt für den Beginn der Antikoagulation zu bestimmen 1
Besondere Situationen
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern, die sich einer Karotisrevaskularisation unterziehen, sollte die Triple-Therapie (orale Antikoagulation plus duale Thrombozytenaggregationshemmung) auf ein Minimum beschränkt werden, um das Blutungsrisiko zu reduzieren 1
- Nach einer Karotisendarteriektomie kann eine kurzfristige duale Thrombozytenaggregationshemmung (1-3 Monate) in Kombination mit oraler Antikoagulation erwogen werden, gefolgt von einer Monotherapie mit oraler Antikoagulation 1
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern und akutem Koronarsyndrom mit Stentimplantation sollte eine Triple-Therapie für 1-6 Monate erwogen werden, gefolgt von einer dualen Therapie 1
Häufige Fallstricke und deren Vermeidung
- Vermeiden Sie die langfristige Kombination von Thrombozytenaggregationshemmern und oraler Antikoagulation ohne klare Indikation, da dies das Blutungsrisiko erhöht 1
- Unterschätzen Sie nicht das Schlaganfallrisiko bei asymptomatischem Vorhofflimmern - die Entscheidung zur Antikoagulation sollte auf der Risikostratifizierung und nicht auf dem Vorhandensein oder Fehlen von Symptomen basieren 1
- Verzögern Sie nicht unnötig die Karotisrevaskularisation bei symptomatischen Patienten, da dies das Risiko eines erneuten Schlaganfalls erhöht 1