Behandlung der funktionellen Dysphagie
Die Behandlung der funktionellen Dysphagie erfordert einen biopsychosozialen Ansatz mit Verhaltenstherapie, Schlucktraining und gezielten kompensatorischen Strategien, wobei die Vermeidung unnötiger Kostmodifikationen Priorität hat, um Lebensqualität und Ernährungsstatus zu erhalten. 1
Diagnostische Abklärung und positive Zeichen
Die Diagnose basiert auf dem Nachweis positiver funktioneller Zeichen, nicht nur auf Ausschlussdiagnostik:
- Unfähigkeit zu schlucken ohne Speichelfluss oder übermäßige orale Sekrete ist ein Schlüsselzeichen für funktionelle Dysphagie 2
- Fähigkeit, Speichel in einen Becher zu spucken, aber Unfähigkeit zu schlucken bestätigt die funktionelle Natur 2
- Globus-Gefühl ("Kloßgefühl") wird häufig beschrieben und bessert sich typischerweise beim Essen, im Gegensatz zu struktureller Dysphagie 2, 3
- Instrumentelle Diagnostik (VFSS oder FEES) zeigt interne Inkonsistenzen im Vergleich zu läsionsbedingten Schluckstörungen 2
Primäre Behandlungsstrategien
Verhaltenstherapeutische Interventionen
Verhaltenstherapie und psychologische Ansätze sind zentral, da funktionelle Dysphagie oft mit Angst vor Ersticken, Vermeidungsverhalten und psychischem Stress verbunden ist 2, 1:
- Kognitive Verhaltenstherapie zur Reduktion von Erstickungsangst und Vermeidungsverhalten 1
- Graduierte Exposition gegenüber gefürchteten Nahrungskonsistenzen 1
- Entspannungstechniken zur Reduktion erhöhter Körperspannung beim Essen 2
Funktionelles Schlucktraining
Rehabilitative Methoden zielen auf Restitution, Kompensation und Adaptation ab 2:
- Schluckreflextraining mit Triggering-Techniken 2
- Posturale Manöver (Kinn-zur-Brust, Kopfdrehung) können die Biomechanik verbessern, wenn spezifische Schluckstörungen nachweisbar sind 2
- Schluckmanöver wie angestrengtes Schlucken zur Verbesserung des pharyngealen Drucks 2
Kostmodifikationen: Kritische Betrachtung
Vorsicht bei routinemäßiger Kostmodifikation - die Evidenz ist begrenzt und die Risiken erheblich:
- Angedickte Flüssigkeiten können zwar Aspiration in der Videofluoroskopie reduzieren, führen aber zu erhöhtem Dehydratationsrisiko und reduzierter Lebensqualität 2
- Compliance mit angedickten Flüssigkeiten ist generell niedrig 2
- Texturmodifizierte Kost kann zu Mangelernährung beitragen 4
- Bei funktioneller Dysphagie sollten Kostmodifikationen nur individualisiert nach instrumenteller Diagnostik erfolgen, wenn spezifische Aspirationsrisiken dokumentiert sind 2
Wann Kostmodifikation erwägen
Modifizierte Konsistenzen nur bei:
- Dokumentierter Aspiration in VFSS/FEES mit spezifischen Konsistenzen 2
- Unfähigkeit, Flüssigkeiten zu kontrollieren bei gestörtem Atemwegsschutz 2
- Nach IDDSI-Standards (International Dysphagia Diet Standardisation Initiative) 2
Zusätzliche Maßnahmen
- Mundpflege zur Pneumonieprophylaxe bei Aspirationsrisiko, obwohl die Evidenz limitiert ist 2
- Ernährungstherapie: PEG-Sonde nur bei Unfähigkeit, den Ernährungsbedarf oral zu decken 2
Wichtige Fallstricke
Vermeiden Sie diese häufigen Fehler:
- Globus-Gefühl nicht mit Dysphagie verwechseln - Globus bessert sich beim Essen, während Dysphagie sich verschlechtert 2, 3
- Nicht routinemäßig Kost modifizieren ohne instrumentelle Bestätigung der Aspiration 4
- Psychosoziale Faktoren nicht ignorieren - Angst und Vermeidungsverhalten sind zentrale Behandlungsziele 2, 1
- Keine Diagnose durch reinen Ausschluss - aktiv nach positiven funktionellen Zeichen suchen 2, 1
Prognose und Therapiedauer
Bei gezielter Therapie mit biopsychosozialem Ansatz kann für viele Patienten eine relativ schnelle Rückkehr zum normalen Essen erreicht werden 1. Die Behandlung sollte Lebensqualität, Ernährungsstatus und Vermeidung von Aspiration gleichwertig berücksichtigen 2.