Wirkungseintritt und Absetzen von Iberogast bei funktioneller Dyspepsie
Wirkungseintritt
Iberogast (STW 5) zeigt bereits nach 2 Wochen eine klinisch signifikante Verbesserung der dyspeptischen Symptome, wobei die volle Wirkung nach 4 Wochen erreicht wird. 1
- In kontrollierten Studien wurde die Symptomverbesserung nach 2 und 4 Wochen Behandlung gemessen, mit statistisch signifikanter Überlegenheit gegenüber Placebo zu beiden Zeitpunkten (p < 0,001) 1
- Die Formulierung mit Bitterer Schleifenblume (STW-5) zeigte einen schnelleren Wirkungseintritt als die modifizierte Zubereitung ohne diese Komponente (p = 0,023), was auf einen additiven Effekt hindeutet 1
- Die Wirksamkeit von Iberogast war vergleichbar mit dem Prokinetikum Cisaprid bei Patienten mit Dysmotilitäts-Typ der funktionellen Dyspepsie 2
Wirkmechanismus erklärt den schnellen Eintritt
- Iberogast wirkt regional unterschiedlich: Es relaxiert den proximalen Magen (Fundus) und steigert gleichzeitig die Motilität im Antrum 3, 4
- Diese dualen Effekte sind myogen vermittelt und treten unmittelbar nach Einnahme ein 3
- In Humanstudien zeigte sich bereits nach Einzeldosis eine Zunahme des proximalen Magenvolumens (von 104±12 mL auf 174±23 mL, p<0,05) und eine gesteigerte antrale Motilität in den ersten 60 Minuten 4
Was passiert beim Absetzen
Es liegen keine spezifischen Studien zum Absetzverhalten von Iberogast vor, jedoch deuten die verfügbaren Daten auf keine Rebound-Phänomene oder Entzugserscheinungen hin.
Klinische Implikationen basierend auf Studiendaten
- In den kontrollierten Studien wurde eine 6-Monats-Follow-up-Periode durchgeführt, wobei Rezidivraten als sekundärer Endpunkt erfasst wurden 2
- Die Verträglichkeit war in allen Studien exzellent, ohne Hinweise auf Abhängigkeit oder Entzugssymptome 5
- Da Iberogast funktionell und nicht strukturell wirkt (keine dauerhafte Veränderung der Magenmotilität), ist nach Absetzen mit einem Rückgang der therapeutischen Effekte zu rechnen, jedoch ohne Verschlechterung unter das Ausgangsniveau 3, 4
Behandlungsstrategie nach Leitlinien
- Die British Society of Gastroenterology empfiehlt bei funktioneller Dyspepsie generell einen Therapieversuch mit Absetzen nach initialer Symptomkontrolle 6
- Bei Symptomrezidiv ist eine erneute Behandlung mit dem erfolgreichen Medikament gerechtfertigt 7, 8
- Eine On-Demand-Therapie mit dem wirksamen Präparat stellt eine valide Option dar 8
Einordnung in die Therapiealgorithmen
Wichtiger Hinweis: Iberogast wird in aktuellen Leitlinien nicht als First-Line-Therapie empfohlen. Die Behandlung sollte folgendermaßen strukturiert werden:
- Erste Linie: H. pylori-Test und Eradikation bei positivem Befund 6, 7, 9
- Bei Ulkus-ähnlicher Dyspepsie (epigastrischer Schmerz): PPI-Therapie 6, 7, 8
- Bei Dysmotilitäts-Typ (Völlegefühl, frühe Sättigung): Prokinetika können erwogen werden 6, 9
- Zweite Linie bei refraktären Symptomen: Trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosierung 6, 7, 9
- Iberogast zeigte in älteren Studien Wirksamkeit vergleichbar mit Metoclopramid 6 und Cisaprid 2, wird aber in modernen Leitlinien nicht explizit als bevorzugte Option genannt 6, 7, 9
- Die Meta-Analyse von 592 Patienten bestätigte einen hochsignifikanten therapeutischen Effekt bei exzellenter Verträglichkeit 5