Hyponatriämie unter Bupropion, Trazodon oder Mirtazapin
Direktes Management der Hyponatriämie
Bei Hyponatriämie unter diesen Antidepressiva sollte das verursachende Medikament sofort abgesetzt werden, kombiniert mit Flüssigkeitsrestriktion und adäquater oraler Salzzufuhr. 1
Schweregrad-basierter Behandlungsalgorithmus
Leichte Hyponatriämie (126-135 mmol/L)
- Engmaschige Überwachung der Natriumspiegel ohne spezifische Intervention 1
- Sorgfältige klinische Beobachtung ausreichend 1
Moderate Hyponatriämie (120-125 mmol/L)
- Sofortiges Absetzen des Antidepressivums 1
- Flüssigkeitsrestriktion auf 1.000 ml/Tag 1
- Häufige Kontrollen der Natriumspiegel 1
Schwere Hyponatriämie (<120 mmol/L)
- Sofortiges Absetzen des Antidepressivums 1
- Striktere Flüssigkeitsrestriktion 1
- Erwägung von Albumininfusion in schweren Fällen 1
- Kritisch: Natriumanstieg nicht schneller als 8 mmol/L in 24 Stunden, um osmotisches Demyelinisierungssyndrom zu vermeiden 1
Medikamentenspezifische Risikoprofile
Bupropion
- Hyponatriämie ist eine seltene, aber dokumentierte Nebenwirkung 2
- Natriumspiegel sollten innerhalb der ersten 2 Wochen nach Therapiebeginn kontrolliert werden, besonders bei Risikopatienten 2
Trazodon
- FDA-Label warnt explizit vor Hyponatriämie mit Serumnatrium unter 110 mmol/L 3
- Häufig durch SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) verursacht 3
- Symptome umfassen Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Schwäche und Gangunsicherheit mit Sturzgefahr 3
- Ältere Patienten, Diuretika-Anwender und volumendepletierte Patienten haben erhöhtes Risiko 3
Mirtazapin
- FDA-Label warnt vor Hyponatriämie, einschließlich Fällen mit Serumnatrium unter 110 mmol/L 4
- Systematische Übersichtsarbeit zeigt Inzidenz von 3,26% (95% CI 3,06-3,45%) 5
- Wichtig: Trotz moderatem Risiko wird Mirtazapin als Alternative bei Patienten empfohlen, die unter anderen Antidepressiva Hyponatriämie entwickelt haben 2, 6
- Hyponatriämie tritt durchschnittlich nach 34 Tagen auf, kann aber bereits nach 7-10 Tagen auftreten 5, 7
- Mittlerer Natriumnadir liegt bei 117,2 mmol/L 7
- Erholung nach Absetzen dauert durchschnittlich 11 Tage 7
- Ältere Patienten, Diuretika-Anwender und volumendepletierte Patienten haben erhöhtes Risiko 4
Vergleichende Risikobewertung
Mirtazapin zeigt ein niedrigeres Hyponatriämie-Risiko im Vergleich zu SSRIs und Venlafaxin 6. Die Odds Ratios für SSRIs liegen bei 1,5-21,6, während sie für trizyklische Antidepressiva bei 1-4,9 liegen 6. Mirtazapin wird als moderate Risikoalternative eingestuft 6.
Hochrisikopatienten identifizieren
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko signifikant:
- Alter >60 Jahre (Odds Ratio = 6,3) 6
- Weibliches Geschlecht (71,4% der Fälle) 5
- Gleichzeitige Diuretika-Einnahme, besonders Thiazide (Odds Ratio = 11,2-13,5) 6
- Niedriger BMI 2
- Volumenmangel 4, 3
Klinische Überwachungsstrategie
- Baseline-Elektrolyte vor Therapiebeginn bei allen Patienten >60 Jahre 8
- Natriumkontrolle innerhalb der ersten 2 Wochen nach Therapiebeginn bei Risikopatienten 2
- Fortlaufende Überwachung während der gesamten Behandlungsdauer, nicht nur initial 8
- Bei unerklärten Veränderungen des mentalen Status jederzeit Natriumspiegel kontrollieren 2
Klinische Präsentation
Die häufigsten Symptome bei Mirtazapin-induzierter Hyponatriämie sind:
- Verwirrtheit (57%) 5
- Somnolenz (42%) 5
- Sprachstörungen (28%) 5
- Weitere Symptome: Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Schwäche, Gangunsicherheit 4, 3
- Schwere Fälle: Halluzinationen, Synkopen, Krampfanfälle, Koma, Atemstillstand, Tod 4, 3
Wichtige Fallstricke
Die klinischen Symptome der Hyponatriämie können als Verschlechterung der primären psychiatrischen Erkrankung fehlinterpretiert werden 2. Dies kann zu potenziell schwerwiegenden Konsequenzen führen, wenn nicht vollständig abgeklärt wird 2.
Hyponatriämie kann auch Monate nach Therapiebeginn auftreten - ein Fall zeigte Hyponatriämie 5 Monate nach Mirtazapin-Start 8. Daher ist kontinuierliche Wachsamkeit erforderlich, nicht nur in den ersten Wochen 8.
Alternative bei vorbestehender Hyponatriämie
Bei Patienten mit Hyponatriämie-Risiko oder vorheriger Hyponatriämie unter anderen Antidepressiva kann Mirtazapin eine sinnvolle Alternative sein, besonders wenn zusätzlich Gewichtsverlust und Schlaflosigkeit behandelt werden sollen 2. Dennoch bleibt engmaschige Überwachung essentiell 5, 6.