Einfluss von Zuckerersatzstoffen und Süßstoffen auf Insulinhaushalt und Zuckerstoffwechsel
Nicht-nutritive Süßstoffe (NNS) haben keinen signifikanten Einfluss auf den Blutzucker- oder Insulinspiegel und verhalten sich metabolisch ähnlich wie Wasser. 1, 2
Akute metabolische Effekte
Blutzucker- und Insulinreaktion
NNS-gesüßte Getränke zeigen keine akuten Auswirkungen auf postprandiale Glukose-, Insulin-, GLP-1-, GIP-, PYY-, Ghrelin- oder Glukagon-Reaktionen, vergleichbar mit Wasser-Kontrollen 2
Eine systematische Netzwerk-Meta-Analyse von 36 Studien mit 472 Teilnehmern bestätigte, dass einzelne NNS (Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Saccharin, Stevia, Sucralose) und NNS-Mischungen keine postprandialen metabolischen oder endokrinen Effekte haben 2
24-Stunden-Glukoseprofile unterscheiden sich nicht zwischen Getränken, die mit nicht-nutritiven (künstlichen vs. natürlichen) und nutritiven Süßstoffen gesüßt sind 3
Vergleich mit zuckerhaltigen Getränken
Im Gegensatz dazu erhöhen mit kalorischen Zuckern (Glukose, Saccharose) gesüßte Getränke postprandiale Glukose-, Insulin-, GLP-1- und GIP-Reaktionen signifikant 2
Saccharose erhöht die Glykämie nicht stärker als isokalorische Mengen Stärke, weshalb Saccharose-Konsum bei Diabetikern nicht eingeschränkt werden muss 1
Klinische Anwendung bei Diabetes
Potenzial zur Kalorienreduktion
Die Verwendung von NNS kann die Gesamtkalorienzufuhr und Kohlenhydrataufnahme reduzieren, wenn sie kalorische Süßstoffe ersetzen, ohne dass zusätzliche Kalorien aus anderen Nahrungsquellen kompensiert werden 1
NNS scheinen keinen signifikanten Effekt auf die glykämische Kontrolle zu haben, können aber die Gesamtkalorienzufuhr und Kohlenhydrataufnahme reduzieren, solange keine Kompensation durch andere Nahrungsquellen erfolgt 1
Empfohlene Verwendungsstrategie
Für Personen, die regelmäßig zuckergesüßte Getränke konsumieren, können kalorienarme oder mit NNS gesüßte Getränke als kurzfristige Ersatzstrategie dienen, aber langfristig sollten sowohl gesüßte als auch mit NNS gesüßte Getränke reduziert werden, mit Schwerpunkt auf Wasserkonsum 1, 4
Die American Diabetes Association betont, dass NNS als kurzfristige Ersatzstrategie betrachtet werden sollten, nicht als langfristige Lösung 4
Spezifische Süßstofftypen
Zuckeralkohole (Polyole)
Zuckeralkohole (Erythritol, Isomalt, Lactitol, Maltitol, Mannitol, Sorbitol, Xylitol, Tagatose) produzieren eine niedrigere postprandiale Glukosereaktion als Saccharose oder Glukose 1
Sie enthalten durchschnittlich etwa 2 Kalorien/g (die Hälfte der Kalorien anderer Süßstoffe wie Saccharose) 1
Bei der Berechnung des Kohlenhydratgehalts von Lebensmitteln mit Zuckeralkoholen sollte die Hälfte der Zuckeralkohol-Gramme von den Gesamtkohlenhydrat-Grammen abgezogen werden 1
Es gibt keine Evidenz, dass die wahrscheinlich konsumierten Mengen an Zuckeralkoholen die Glykämie, Energiezufuhr oder das Gewicht reduzieren 1
Zuckeralkohole können Durchfall verursachen, insbesondere bei Kindern 1
Fruktose
Fruktose produziert eine niedrigere postprandiale Glukosereaktion, wenn sie Saccharose oder Stärke in der Ernährung ersetzt 1
Die Verwendung von zugesetzter Fruktose als Süßungsmittel wird nicht empfohlen, da sie die Plasmalipide negativ beeinflussen kann 1
Natürlich vorkommende Fruktose in Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln muss nicht vermieden werden 1
FDA-zugelassene nicht-nutritive Süßstoffe
Die FDA hat fünf nicht-nutritive Süßstoffe für die Verwendung in den USA zugelassen: Acesulfam-Kalium, Aspartam, Neotam, Saccharin und Sucralose 1
Alle durchliefen vor der Marktzulassung eine strenge Prüfung und wurden als sicher für den Konsum durch die Öffentlichkeit, einschließlich Menschen mit Diabetes und Frauen während der Schwangerschaft, befunden 1
Wichtige Warnhinweise
Protein-Insulin-Interaktion
Bei Personen mit Typ-2-Diabetes erhöht aufgenommenes Protein die Insulinreaktion, ohne die Plasmaglukosekonzentrationen zu erhöhen. Daher sollten proteinreiche Kohlenhydratquellen (wie Milch und Nüsse) nicht zur Behandlung oder Vorbeugung von Hypoglykämie verwendet werden 1
Dies ist ein kritischer Punkt, der oft übersehen wird: Die gleichzeitige Insulinreaktion auf Protein kann das Hypoglykämierisiko erhöhen 1
Langfristige Bedenken
Neuere Forschung deutet auf potenzielle Auswirkungen künstlicher Süßstoffe auf kognitive Prozesse, oral-gastrointestinale Geschmacksrezeptoren, Glukose-Insulin-Homöostase, metabolische Hormone und das Darmmikrobiom hin 4
Einige Studien haben Assoziationen zwischen hohem NNS-Konsum und erhöhten Risiken für metabolische Störungen, kardiovaskuläre Erkrankungen und paradoxerweise Gewichtszunahme gefunden 5
Bedenken erstrecken sich auf die Darmgesundheit, wo NNS wie Saccharin mit entzündlichen Darmerkrankungen, Störungen des Darmmikrobioms, erhöhter Darmpermeabilität und Dysbiose in Verbindung gebracht wurden 5
Praktische Empfehlungen für sehr kohlenhydratarme Diäten
Für Personen, die eine sehr kohlenhydratarme ketogene Diät (VLCKD) mit weniger als 50 g Kohlenhydraten pro Tag befolgen, sind natürliche kalorienfreie Süßstoffe wie Stevia und Monk Fruit besonders geeignet 4
VLCKD erfordert sorgfältige Überwachung, insbesondere bei Personen, die Diabetes-Medikamente einnehmen, da sich die Insulinsensitivität oft verbessert und Medikamentenanpassungen erforderlich sind, um Hypoglykämie zu verhindern 4
Gewichtsmanagement-Perspektive
Gemischte Evidenz aus systematischen Reviews und Meta-Analysen bezüglich der Verwendung von NNS im Gewichtsmanagement: Einige finden Vorteile beim Gewichtsverlust, während andere Forschung eine Assoziation mit Gewichtszunahme nahelegt 1
Die Zugabe von nicht-nutritiven Süßstoffen zur Ernährung bietet ohne Energierestriktion keinen Nutzen für Gewichtsverlust oder reduzierte Gewichtszunahme 1