Wann soll das Essen nach einer OP wieder gestartet werden?
Die orale Nahrungsaufnahme soll innerhalb weniger Stunden nach der Operation begonnen werden, einschließlich klarer Flüssigkeiten, und kann bei den meisten Patienten ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. 1
Sofortiger Beginn der oralen Ernährung
Bei den meisten chirurgischen Eingriffen soll die orale Nahrungsaufnahme nach der Operation ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. 1 Die aktuellen ESPEN-Leitlinien von 2021 empfehlen eindeutig:
- Klare Flüssigkeiten sollen innerhalb von Stunden nach der Operation bei den meisten Patienten begonnen werden 1
- Die frühe orale Ernährung ist sicher und effektiv, auch nach großen gastrointestinalen Eingriffen einschließlich Ösophagus- und Magenresektionen 2
- Meta-Analysen zeigen signifikante Reduktionen der Gesamtkomplikationen und kürzere Krankenhausaufenthalte ohne erhöhtes Risiko für Anastomoseninsuffizienzen 2
Strukturierte Nahrungsprogression
Die Progression sollte nach individueller Toleranz erfolgen, typischerweise wie folgt:
- Tag 1: Klare Flüssigkeiten (Wasser, klare Brühen, Tee) in kleinen, häufigen Mengen 3, 2
- Innerhalb der ersten Stunden: Progression zu Vollflüssigkeiten (Milch, Joghurt) wenn klare Flüssigkeiten gut vertragen werden 3, 2
- Innerhalb von 24-48 Stunden: Weiche Kost und dann normale Kost nach Verträglichkeit 3, 2
Die Nahrungsaufnahme muss an die individuelle Toleranz und den Operationstyp angepasst werden, mit besonderer Vorsicht bei älteren Patienten. 1
Enterale Sondenernährung bei Risikopatienten
Wenn eine frühe orale Ernährung nicht möglich ist, gelten spezifische Richtlinien:
- Sondenernährung soll innerhalb von 24 Stunden nach der Operation begonnen werden bei Patienten, bei denen eine orale Ernährung nicht gestartet werden kann und die orale Aufnahme für mehr als 7 Tage unzureichend (<50%) sein wird 1
- Die Sondenernährung soll mit niedriger Flussrate (10-20 ml/h) begonnen und vorsichtig gesteigert werden 1
- Es kann 5-7 Tage dauern, bis die Zielzufuhr erreicht wird, was nicht als schädlich gilt 1
Indikationen für perioperative Ernährungstherapie
Perioperative Ernährungsunterstützung ist indiziert bei:
- Patienten mit Mangelernährung und solchen mit ernährungsbedingtem Risiko 1
- Wenn erwartet wird, dass der Patient perioperativ mehr als 5 Tage nicht essen kann 1
- Wenn erwartet wird, dass die orale Aufnahme für mehr als 7 Tage unter 50% der empfohlenen Zufuhr liegt 1
Häufige Fallstricke vermeiden
Vermeiden Sie unnötige Nahrungsrestriktionen:
- Die traditionelle Praxis des "Nil by mouth" bis zur Darmfunktion ist überholt und nicht evidenzbasiert 4, 5
- Das Warten auf Darmgeräusche oder Flatulenz vor Nahrungsbeginn ist nicht erforderlich 4
- Mehrfache diätetische Einschränkungen erhöhen signifikant das Risiko für Mangelernährung 3
- Verlängerte restriktive Diäten bei älteren Menschen erhöhen Morbidität und Mortalität 3
Vermeiden Sie unnötig verlängertes Fasten:
- Es gibt keinen nachgewiesenen Nutzen für verlängertes Fasten nach Stabilisierung 3
- Frühe Ernährung reduziert signifikant die Krankenhausaufenthaltsdauer ohne Erhöhung der Komplikationen 3, 2
Spezielle Überlegungen nach Operationstyp
Nach oberen gastrointestinalen Eingriffen:
- Bei Anastomosen des proximalen Gastrointestinaltrakts soll die enterale Ernährung über eine distal der Anastomose platzierte Sonde erfolgen 1
- Bei großen oberen gastrointestinalen und Pankreasoperationen sollte die Platzierung einer nasojejunalen Sonde oder Nadelkatheterjejunostomie bei allen Kandidaten für Sondenernährung erwogen werden 1
Nach Kolonresektionen:
- Orale Aufnahme einschließlich klarer Flüssigkeiten kann innerhalb von Stunden nach der Operation bei den meisten Patienten begonnen werden 1
Überwachung und Anpassungen
Tägliche Überwachung sollte umfassen:
- Gastrointestinale Verträglichkeit (Blähungen, Übelkeit, Erbrechen) 3
- Tatsächliche Nahrungsaufnahme (Ziel: ≥1,5L Flüssigkeiten und adäquate Kalorienaufnahme) 3
- Zeichen von Mangelernährung oder Verschlechterung 3
Regelmäßige Neubewertung des Ernährungsstatus während des Krankenhausaufenthalts und gegebenenfalls Fortsetzung der Ernährungsunterstützung nach Entlassung ist für Patienten ratsam, die perioperativ Ernährungsunterstützung erhalten haben. 1