Management der opioidinduzierten Übelkeit
Bei Patienten mit opioidinduzierter Übelkeit sollte Prochlorperazin 10 mg oral alle 6 Stunden nach Bedarf als First-Line-Therapie eingesetzt werden. 1
Prophylaxe bei Risikopatienten
- Bei Patienten mit vorheriger opioidinduzierter Übelkeit wird eine prophylaktische Behandlung mit Antiemetika dringend empfohlen 2, 1
- Metoclopramid kann prophylaktisch für die ersten Tage eingesetzt werden, da die Toleranz gegenüber opioidinduzierter Übelkeit typischerweise innerhalb weniger Tage eintritt 3
Erstlinientherapie bei manifester Übelkeit
Dopaminantagonisten als primäre Wahl:
- Prochlorperazin 10 mg oral alle 6 Stunden nach Bedarf ist die bevorzugte First-Line-Option 1
- Thiethylperazin 10 mg oral alle 6 Stunden kann als alternatives Phenothiazin verwendet werden 1
- Haloperidol 0,5-1 mg oral alle 6-8 Stunden ist besonders wirksam bei gleichzeitiger Agitiertheit 1
- Metoclopramid 10-20 mg oral dreimal täglich wirkt sowohl zentral als auch peripher 1
Algorithmus bei persistierender Übelkeit
Wenn Übelkeit trotz Bedarfsmedikation persistiert:
Umstellung auf kontinuierliche Gabe: Antiemetika für 1 Woche rund um die Uhr verabreichen, dann auf Bedarfsdosierung umstellen 2, 1
Additive Therapie statt Substitution: Bei persistierender Übelkeit sollten Therapien mit unterschiedlichen Wirkmechanismen kombiniert werden, um synergistische Effekte zu erzielen 2, 1
Hinzufügen eines Serotonin-Antagonisten:
Kortikosteroid-Ergänzung: Dexamethason hinzufügen, wenn Übelkeit länger als eine Woche anhält 1
Wichtige Differentialdiagnosen ausschließen
Vor Behandlung immer andere Ursachen evaluieren:
- Obstipation (häufigste Ursache bei Opioidtherapie) 2, 1
- ZNS-Pathologie oder Hirnmetastasen 2, 1
- Hyperkalzämie 2, 1
- Elektrolytstörungen 1
- Begleitende Chemotherapie oder Strahlentherapie 2
Evidenzbasierte Wirksamkeit
Die Evidenz zeigt klare Unterschiede zwischen den Wirkstoffen:
- Ondansetron 8 mg und 16 mg erreichten komplette Emetiskontrolle bei 62,3% bzw. 68,7% der Patienten (vs. 45,7% Placebo) 4
- Ondansetron war signifikant wirksamer als Metoclopramid 10 mg bei der Behandlung opioidinduzierter Emesis nach chirurgischen Eingriffen 5
- Wichtiger Caveat: Prophylaktisches Ondansetron bei intravenösen Opioiden in der Notaufnahme zeigte keine Wirksamkeit zur Prävention von Übelkeit 6
Häufige Fallstricke und deren Vermeidung
- Serotonin-Antagonisten können Obstipation verschlimmern, was die Gesamtsymptomatik verstärken kann 1
- Langfristige Gabe von Antiemetika kann extrapyramidale Symptome verursachen, insbesondere bei Metoclopramid und Phenothiazinen 2, 7
- Prophylaktische Gabe ist nur bei Risikopatienten sinnvoll, nicht routinemäßig bei allen Patienten 4, 6
Therapierefraktäre Fälle
Wenn Übelkeit länger als eine Woche trotz Mehrfachtherapie persistiert:
- Ursache der Übelkeit neu evaluieren 2, 1
- Opioid-Rotation in Betracht ziehen (Wechsel zu einem anderen Opioid) 2, 1
- Neuraxiale Analgetika oder neuroablative Techniken erwägen, um die systemische Opioiddosis zu reduzieren 2, 1
- Wechsel der Applikationsroute (z.B. von oral auf kontinuierliche subkutane Gabe) kann wirksam sein 7