Olanzapin als Antiemetikum: Zulassung, Indikationen und Dosierung
Olanzapin ist nicht generell als Antiemetikum zugelassen, wird aber off-label mit starker Evidenz bei chemotherapieinduzierter Übelkeit eingesetzt; für strahlentherapieinduzierte Übelkeit gibt es keine spezifische Empfehlung, und für opioidinduzierte Übelkeit existiert nur vorläufige Forschung ohne etablierte Leitlinienempfehlung. 1
Zulassungsstatus und Off-Label-Verwendung
- Olanzapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das primär für Schizophrenie und Delir zugelassen ist, nicht als Antiemetikum 2, 3
- Die antiemetische Verwendung erfolgt off-label, basierend auf seiner Aktivität an multiplen Rezeptoren (D2, 5-HT2c, 5-HT3, H1, muskarinisch), die an Übelkeit und Erbrechen beteiligt sind 3, 2
Chemotherapieinduzierte Übelkeit (CINV) - Starke Evidenz
Hochemetogene Chemotherapie (HEC)
Die ASCO-Leitlinien empfehlen eine 4-Medikamenten-Kombination aus NK1-Rezeptorantagonist, 5-HT3-Rezeptorantagonist, Dexamethason und Olanzapin für Erwachsene mit hochemetogener Chemotherapie (starke Empfehlung, hohe Evidenzqualität). 1
- Olanzapin verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, keine Übelkeit oder Erbrechen zu haben, von 25% auf 50% (RR 1,98; 95% CI 1,59-2,47; NNT = 5) 4
- Olanzapin sollte an den Tagen 2-4 nach der Chemotherapie fortgesetzt werden 1
Durchbruchübelkeit bei Chemotherapie
- Bei Durchbruchübelkeit trotz Prophylaxe empfehlen NCCN und ASCO Olanzapin 5-10 mg täglich (Kategorie 1) 1
- In einer Studie mit 108 Patienten war Olanzapin Metoclopramid überlegen: 70% vs. 31% ohne Erbrechen (P < 0,01) und 68% vs. 23% ohne Übelkeit (P < 0,01) 1
Strahlentherapieinduzierte Übelkeit - Keine spezifische Empfehlung
Für strahlentherapieinduzierte Übelkeit gibt es keine Leitlinienempfehlung für Olanzapin. 1
- Die ASCO-Leitlinien 2017 empfehlen für hochemetogene Strahlentherapie eine 2-Medikamenten-Kombination aus 5-HT3-Rezeptorantagonist und Dexamethason 1
- Für moderate Strahlentherapie wird ein 5-HT3-Rezeptorantagonist mit oder ohne Dexamethason empfohlen 1
- Olanzapin wird in den Strahlentherapie-Abschnitten der Leitlinien nicht erwähnt 1
Opioidinduzierte Übelkeit (OINV) - Nur vorläufige Forschung
Für opioidinduzierte Übelkeit gibt es keine etablierte Leitlinienempfehlung für Olanzapin; die Evidenz beschränkt sich auf laufende Forschung. 5
- Eine explorative Studie (JORTC-PAL20) untersucht derzeit 5 mg Olanzapin zur Prophylaxe von OINV bei Krebsschmerzen 5
- Eine offene multizentrische Studie mit 40 Patienten mit fortgeschrittenem Krebs (ohne Chemotherapie/Bestrahlung) zeigte Verbesserung der Übelkeit von einem mittleren Score von 66 auf 21 nach 24 Stunden mit 10 mg Olanzapin täglich 6
- Diese Evidenz ist vorläufig und nicht ausreichend für eine formale Empfehlung 5, 6
Dosierungsempfehlungen
Standarddosierung für Chemotherapie
- 10 mg oral täglich zur Schlafenszeit an den Tagen 1-4 ist die Standarddosis für Erwachsene bei hochemetogener Chemotherapie 1, 2
- Eine Phase-III-Studie mit 710 Patienten zeigte, dass 5 mg Olanzapin ebenfalls hochwirksam ist: 79% komplette Antwort in der verzögerten Phase vs. 66% mit Placebo (P < 0,0001) 7
Dosisreduktion bei speziellen Populationen
- Bei älteren oder gebrechlichen Patienten: 2,5-5 mg statt 10 mg zur Vermeidung übermäßiger Sedierung 8, 2
- Bei Leberinsuffizienz: Dosisreduktion auf 2,5-5 mg 8
- Die 5-mg-Dosis zeigt ein günstigeres Sicherheitsprofil bezüglich Somnolenz bei vergleichbarer Wirksamkeit 7, 4
Durchbruchübelkeit
- 5-10 mg oral täglich als Rescue-Therapie 1, 9
- Antiemetika sollten nach festem Zeitplan verabreicht werden, nicht bei Bedarf 9
Nebenwirkungen und Sicherheitsaspekte
Häufige Nebenwirkungen
- Olanzapin erhöht wahrscheinlich Somnolenz und Fatigue (RR 2,33; 95% CI 1,30-4,18; absolutes Risiko +8,2%) 4
- Weitere Nebenwirkungen: orthostatische Hypotonie, Obstipation, Schwindel, Dyspepsie 2, 4
Wichtige Warnhinweise
- Vorsicht bei gleichzeitiger Gabe mit anderen Dopaminblockern (Metoclopramid, Phenothiazine, Haloperidol) wegen Risiko übermäßiger Dopaminblockade 8, 2
- Vermeiden bei schwerer Lungeninsuffizienz, Parkinson-Krankheit oder Demenz mit Lewy-Körperchen 8
- Erhöhte Mortalität bei älteren Patienten mit demenzassoziierter Psychose (FDA-Warnung) 2
- Seltene, aber schwere Hautreaktionen (DRESS-Syndrom) wurden berichtet 2
Klinische Fallstricke
- Nicht die 10-mg-Standarddosis bei älteren/gebrechlichen Patienten verwenden - mit 2,5 mg beginnen 8, 2
- Nicht mit Benzodiazepinen in hohen Dosen kombinieren wegen Risiko für Übersedierung und Atemdepression 8
- Bei Langzeitanwendung (Monate) besteht Risiko für Gewichtszunahme und Diabetes mellitus, aber nicht bei Kurzzeitanwendung unter einer Woche 3
- Olanzapin sollte nicht als "sicherer" als typische Antipsychotika angesehen werden, wenn es mit anderen Antipsychotika kombiniert wird 8