Dexamethason alleine bei Übelkeit
Dexamethason ist als Monotherapie wirksam zur Behandlung von Übelkeit, insbesondere bei verzögerter chemotherapieinduzierter Übelkeit nach moderat emetogener Chemotherapie, wo es sogar gegenüber 5-HT3-Antagonisten bevorzugt wird.
Wirksamkeit als Einzelwirkstoff
Bei chemotherapieinduzierter Übelkeit
Dexamethason alleine ist der bevorzugte Wirkstoff zur Prävention verzögerter Übelkeit nach moderat emetogener Chemotherapie. 1 Die italienische Antiemetika-Forschungsgruppe zeigte in einer randomisierten Studie mit 618 Patienten, dass Dexamethason statistisch signifikant besser war als Placebo (87% vs. 77% der Patienten blieben frei von verzögertem Erbrechen oder mäßiger bis schwerer Übelkeit). 1
Die Kombination von Dexamethason mit Ondansetron war nicht signifikant besser als Dexamethason alleine (92% vs. 87%) und verursachte mehr Obstipation. 1 Dies unterstreicht, dass die Zugabe eines 5-HT3-Antagonisten zu Dexamethason bei verzögerter Übelkeit keinen zusätzlichen Nutzen bringt. 2
Meta-Analyse-Daten
Eine Meta-Analyse von 32 randomisierten Studien mit 5.613 Patienten zeigte, dass Dexamethason Placebo oder keiner Behandlung sowohl bei akuter Emesis (Odds Ratio 2,22; 95% KI 1,89-2,60) als auch bei verzögerter Emesis (Odds Ratio 2,04; 95% KI 1,63-2,56) überlegen war. 1, 2
Klinische Anwendungsbereiche für Monotherapie
Niedrig emetogene Chemotherapie
Bei Patienten ohne Übelkeits-/Erbrechen-Anamnese, die niedrig emetogene Chemotherapie erhalten, kann Dexamethason als einzelner antiemetischer Wirkstoff verabreicht werden. 1 Dies basiert auf der Extrapolation der starken Evidenz aus moderat bis hoch emetogenen Chemotherapie-Studien. 2
Moderat emetogene Chemotherapie (verzögerte Phase)
Für die verzögerte Emesis-Prävention nach moderat emetogener Chemotherapie (außer Anthrazyklin plus Cyclophosphamid) ist mehrtägige orale Dexamethason-Behandlung die bevorzugte Therapie. 1, 2 Die MASCC-Leitlinien empfehlen dies mit moderater Evidenzstärke. 1
Dosierungsempfehlungen
Für moderat emetogene Chemotherapie: 8 mg Dexamethason IV oder oral vor der Chemotherapie am Tag 1. 2 Eine randomisierte Studie zeigte, dass 8 mg einmalig vor der Chemotherapie die angemessene Dosis ist, ohne zusätzlichen Nutzen durch höhere Dosen (24 mg) oder nachfolgende Dosen. 1
Für verzögerte Emesis: 8 mg zweimal täglich über mehrere Tage. 3 Die optimale Dauer wurde nicht definitiv festgelegt, aber typischerweise werden 2-4 Tage empfohlen. 1
Wichtige Einschränkungen
Situationen, wo Monotherapie NICHT ausreicht
Bei hoch emetogener Chemotherapie ist Dexamethason alleine unzureichend – hier ist eine Dreierkombination (5-HT3-Antagonist + Dexamethason + NK1-Antagonist) obligatorisch. 2, 3 Für verzögerte Emesis nach hoch emetogener Chemotherapie ist Dexamethason plus Aprepitant besser als Dexamethason alleine (21% vs. 36% mit Emesis, P < 0,001). 2
Bei Anthrazyklin-Cyclophosphamid-Kombinationen bei Brustkrebspatientinnen sollte eine Dreierkombination mit Aprepitant verwendet werden, nicht Dexamethason alleine. 1, 2
Akute vs. verzögerte Übelkeit
Dexamethason ist besonders wirksam bei verzögerter Übelkeit (Tag 2-5). 1, 2 Für akute Übelkeit (erste 24 Stunden) bei moderat bis hoch emetogener Chemotherapie sind Kombinationstherapien mit 5-HT3-Antagonisten wirksamer. 1, 4
Häufige Fallstricke
Einzelne hohe Dosen (20 mg) können paradoxerweise die Kontrolle verzögerter Symptome verschlechtern. Eine Studie zeigte, dass eine einzelne hohe Dosis Dexamethason nach Cisplatin zu mehr verzögerter Übelkeit führte als Placebo, möglicherweise durch einen "Bumerang-Effekt" aufgrund der Unterdrückung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. 5
Die Annahme, dass Steroide bei allen Ursachen von Übelkeit wirken, ist falsch – starke Evidenz existiert nur für chemotherapie- und postoperativ-induzierte Übelkeit. 3
Unterdosierung (<4 mg) reduziert die Wirksamkeit. 3 Die evidenzbasierte Dosis liegt bei 8 mg für moderat emetogene Chemotherapie. 1, 2