Domperidon bei gastraler Übelkeit
Ja, Domperidon hilft bei gastraler Übelkeit durch seine prokinetischen und antiemetischen Eigenschaften, sollte jedoch mit Vorsicht aufgrund kardialer Risiken eingesetzt werden.
Wirkmechanismus und Indikation
Domperidon ist ein Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonist, der sowohl als Antiemetikum als auch als Prokinetikum wirkt 1. Es stimuliert die Magenentleerung und wird häufig zur Behandlung von oberen gastrointestinalen Motilitätsstörungen sowie zur Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt 1.
- Duale Wirkung: Domperidon wirkt auf die Chemorezeptor-Triggerzone und verbessert gleichzeitig die motorische Funktion von Magen und Dünndarm 2
- Vorteil gegenüber Metoclopramid: Im Gegensatz zu Metoclopramid durchdringt Domperidon die Blut-Hirn-Schranke minimal und verursacht daher keine extrapyramidalen Nebenwirkungen 3, 2
Klinische Evidenz
Die Wirksamkeit von Domperidon bei gastraler Übelkeit ist durch mehrere Studien belegt:
- Gastroparese-Symptome: Eine prospektive Studie mit 34 Patienten (Domperidon 10 mg dreimal täglich über 6 Wochen) zeigte signifikante Verbesserungen bei früher Sättigung, postprandialer Völle und Gesamtsymptomatik, mit grenzwertiger Verbesserung der Übelkeit (P = 0,055) 4
- Symptombesserung: Die Verbesserung der Gastroparese-Symptome trat bereits am Tag 3 der Behandlung ein und blieb während der gesamten Behandlungsdauer erhalten 4
- Vergleichbare Wirksamkeit: Eine randomisierte Doppelblindstudie mit 95 Patienten zeigte, dass Domperidon (10 mg oder 20 mg dreimal täglich) bei Übelkeit und Erbrechen ähnlich wirksam war wie Metoclopramid, ohne signifikante Unterschiede in Wirksamkeit oder Nebenwirkungen 5
Dosierung und Anwendung
Empfohlene Dosierung: Domperidon 10 mg dreimal täglich oral 6, 4
- Die Behandlung sollte nach Diagnose und Behandlung einer Obstipation in Betracht gezogen werden 1
- In den USA ist Domperidon nicht zugelassen, aber in Kanada, Mexiko und Europa verfügbar 1
- In den USA kann es über eine FDA-Investigational Drug Application verschrieben werden 6, 2
Wichtige Sicherheitsaspekte
Kardiale Risiken (Kritischer Vorbehalt)
QT-Verlängerung und Torsade de Pointes: Die ESPEN-Leitlinien (2017) warnen ausdrücklich vor potenziellen Auswirkungen von Domperidon auf den Herzrhythmus 1:
- Intravenöse Bolusdosen sind mit QT-Verlängerung und Torsade-de-Pointes-Tachykardie assoziiert 1
- Das Risiko bei üblichen therapeutischen oralen Dosen erscheint jedoch gering 1
- Vorsicht geboten bei: Patienten mit vorbestehenden Herzrhythmusstörungen, Elektrolytstörungen oder gleichzeitiger Einnahme von QT-verlängernden Medikamenten
Weitere Nebenwirkungen
Dokumentierte Nebenwirkungen in klinischen Studien umfassen 4:
- Palpitationen (5 von 34 Patienten)
- Kopfschmerzen (5 von 34 Patienten)
- Brustspannen (2 Patienten)
- Menstruationsblutungen (2 Patienten)
- Seltener: Schwindel, Benommenheit, Brustschmerzen
Klinischer Algorithmus
Stufenweise Anwendung bei gastraler Übelkeit:
- Erste Linie: Metoclopramid (5-20 mg 3-4x täglich) aufgrund dualer prokinetischer und antiemetischer Effekte 6
- Zweite Linie: 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten (Ondansetron 4-8 mg 2-3x täglich) 6
- Dritte Linie: Domperidon 10 mg dreimal täglich, insbesondere wenn Metoclopramid kontraindiziert ist oder extrapyramidale Nebenwirkungen auftreten 6, 2
Vor Domperidon-Verschreibung prüfen:
- EKG zur Baseline-QT-Zeit-Bestimmung
- Elektrolytstatus (Kalium, Magnesium)
- Begleitmedikation auf QT-verlängernde Substanzen
- Obstipation ausschließen/behandeln 1
Besondere Populationen
Die American Gastroenterological Association (2004) klassifiziert Domperidon als aktuelles Prokinetikum für Gastroparese, weist jedoch darauf hin, dass keine klinischen Studien seine Wirksamkeit bei der Symptomreduktion bei Gastroparese-Patienten bestätigt haben 1. Die neuere prospektive Studie von 2018 liefert jedoch positive Evidenz für seine Wirksamkeit 4.